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Was tun bei Stielwarzen und harten Fibromen?

Medizinische Risiken bergen Stielwarzen (weiche Fibrome) und harte Fibrome nicht. Viele Betroffene finden sie aber störend und lassen sie vom Hautarzt entfernen

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 13.04.2017
Frau betrachtet sich im Spiegel

Kritischer Blick: Könnte da am Augenlid eine Stielwarze entstehen?


Stielwarzen kommen häufig vor. Oft stören sie die Optik. In aller Regel sind sie aber harmlos. Bei den meist wenige Millimeter großen Hautausstülpungen handelt es sich um gutartige Wucherungen des Bindegewebes. Die weichen, hautfarbigen Knötchen bilden sich bevorzugt am Hals, in den Achselhöhlen, in der Leistengegend und auch an den Augenlidern. Wenn der Patient möchte, kann er sich eine Stielwarze vom Hautarzt chirurgisch entfernen lassen.

Von Selbsttherapien wie Abbinden raten Fachleute aber dringend ab. Generell gilt: Hautveränderungen können zahlreiche Ursachen haben – gutartige ebenso wie behandlungsbedürftige. Für Laien ist eine Unterscheidung nicht immer einfach. Hautveränderungen sollten daher sicherheitshalber vom Arzt abgeklärt werden.

Was sind Stielwarzen?

Der Begriff Stielwarzen ist eigentlich irreführend. Denn echte Warzen werden durch eine Infektion verursacht, in den meisten Fällen durch humane Papillomaviren. Stielwarzen hingegen entstehen durch Wucherungen von bestimmten Bindegewebszellen – den so genannten Fibroblasten. Damit zählen Stielwarzen nicht zu den Warzen (Verrucae) sondern zu den Fibromen. Wegen ihrer Konsistenz werden sie von Hautärzten auch als weiches Fibrom oder Fibroma molle bezeichnet.

Stielwarzen

Stielwarzen gehören zu den häufigen gutartigen Hauttumoren. Sie sind bei Männern und Frauen gleichermaßen verbreitet. Mitunter entwickeln sich die knötchenförmigen Hautausstülpungen erstmals in der Pubertät, in den meisten Fällen aber erst nach dem 30. Geburtstag. Mit der Zahl der Lebensjahre wächst die Wahrscheinlichkeit, weiche Fibrome auszubilden. Deshalb gibt es kaum einen Menschen, der im Seniorenalter nicht irgendwo am Körper eine Stielwarze hat. Über die Ursachen ist bislang wenig bekannt. Erbliche Veranlagung scheint bei der Entstehung aber eine Rolle zu spielen. Das erklärt auch, warum die Hautgeschwülste bei Mittel- und Nordeuropäern häufiger sind als beispielsweise in der schwarzen Bevölkerung Afrikas.

Wie sehen Stielwarzen aus und wo treten sie auf?

Eine Stielwarze kann zwar die Größe einer Erbse erreichen. Zumeist messen die rundlichen Geschwülste aber nur einige Millimeter. Sie ragen über das Niveau der umgebenden Haut hinaus und fühlen sich weich an. Manchmal sitzen die knotenartigen Wucherungen mit breiter Basis auf der Haut auf. Häufiger haben sie aber eine schmale, stielartige Verengung, mit der sie wie ein Säckchen an der Haut hängen.
Grundsätzlich können weiche Fibrome an jeder Stelle des Körpers auftreten. Am häufigsten finden sie sich aber am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leistenregion, seltener in der Pofalte oder am Auge. Übergewichtige Menschen mit besonders ausgeprägten Körperfalten neigen verstärkt dazu, dort Stielwarzen zu entwickeln. Mal stehen die Wucherungen einzeln, mal in größeren Gruppen. Ihre Farbe ähnelt im Normalfall der Haut. Wenn sie sich entzünden, können sie aber auch deutlich dunkler bis fast schwarz werden.

Dellwarze

Welche Beschwerden können Stielwarzen machen?

Stielwarzen sind vollkommen ungefährlich und – anders als echte Warzen – nicht ansteckend. Es besteht auch kein Risiko, dass diese gutartigen Wucherungen entarten und in eine der verschiedenen Hautkrebsformen übergehen. Anders als bösartige Tumoren wie das maligne Melanom beenden sie ihr Wachstum, sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben und bleiben dann so bestehen. Sie bilden sich aber auch nicht von alleine zurück.
So harmlos weiche Fibrome auch sein mögen: Viele Betroffene empfinden sie als störend, vor allem aus kosmetisch-ästhetischen Gründen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie in sichtbaren Hautregionen wie Gesicht und Hals oder im Intimbereich auftreten. Lästig an Stilwarzen in der Halsregion ist zudem, dass sich Schmuckstücke wie Ketten leicht darin verfangen.

Außerdem können Stielwarzen sich entzünden. Besonders groß ist dieses Risiko in Körperregionen, in denen man viel schwitzt und die Haut aufeinander oder an Kleidungsstücken reibt – wie in der Achselhöhle oder der Leistengegend. Wird eine Stielwarze unabsichtlich verletzt oder abgeschnitten, beispielsweise beim Rasieren, kann sie relativ kräftig und anhaltend bluten. Der Grund ist, dass sich in ihrem Inneren ein Blutgefäß befindet, das sie versorgt.

Wie werden Stielwarzen festgestellt?

Ein erfahrener Hautarzt erkennt ein weiches Fibrom meist schon mit bloßen Auge. Um Größe, Form, Farbe und die Ränder genauer zu betrachten, kann er auch eine spezielle Lupe, das Dermatoskop, benutzen. Hegt der Dermatologie dabei nur den geringsten Verdacht, dass es sich doch um keine Stielwarze, sondern eine bösartige Hautveränderung handelt, muss er dem nachgehen. In diesem Fall entnimmt der Arzt entweder eine Gewebeprobe (Biopsie), die im Labor feingeweblich untersucht wird. Oder er entfernt in einem kurzen chirurgischen Eingriff gleich das ganze Fibrom und lässt es dann im Labor untersuchen. In der Regel ist eine solche weiterführende Diagnostik aber nicht notwendig.

Dr. Marion Moers-Carpi

Wie werden Stielwarzen behandelt?

Da weiche Fibrome ungefährlich sind, erfordern sie aus medizinischer Sicht eigentlich keine Therapie. Viele Betroffene möchten sie aber trotzdem gerne loswerden, weil sie die Hautwucherungen als störend empfinden. Deshalb gehört die Entfernung von Stielwarzen zu den chirurgischen Eingriffen, die Hautärzte in ihren Praxen am häufigsten vornehmen.
Kleine Fibrome entfernt der Dermatologe oft mit einem einfachen Scherenschlag. Wenn der Patient möchte, kann er dafür eine örtliche Betäubung erhalten. Allerdings tun die Einstiche der Nadel für die Lokalanästhesie oft gleich oder sogar mehr weh, als der schnelle Schnitt mit der Schere. Größere weiche Fibrome schneidet der Arzt mit dem Skalpell in örtlicher Betäubung heraus und vernäht die Wunde anschließend wieder. Weitere Operationsmöglichkeiten sind die Entfernung mit einem Laser oder mit einem speziellen Elektromesser. Mögliche Nebenwirkungen wie Nachblutungen oder Infektionen treten dabei nur sehr selten auf.

Eine weitere, nicht-operative Behandlungsmethode besteht darin, die Stielwarze zu vereisen – in der Regel mit flüssigem Stickstoff. Welche Vorgehensweise sich individuell am besten eignet, sollte der Patient vorab mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Wichtig zu wissen: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Therapiekosten nur, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Also beispielsweise bei einer Stielwarze am Auge, die den Lidschlag behindert. Lässt sich ein Patient weiche Fibrome aus kosmetischen Gründen entfernen, muss er die Behandlungskosten selbst tragen.

Fibrom (Schematische Darstellung)

Kann man Stielwarzen auch selbst abschneiden?

Die Entfernung von weichen Fibromen gehört definitiv in die Hände eines Arztes. Von Selbstbehandlungsversuchen raten Experten ab. Hauptargument ist dabei das Risiko für Infektionen. Denn wenn der Patient seine Stielwarze unter nicht sterilen Bedingungen einfach abschneidet, geraten leicht gefährliche Keime in die Wunde. Unsachgemäßes Abtrennen mit Schere oder Rasierklinge kann außerdem zu lang anhaltenden Blutungen führen.

Ebenso wenig sollte man Stielwarzen abbinden und sie so zum Absterben bringen. Das kann nicht nur schmerzhaft ausgehen, sondern führt auch oft zu Entzündungen und Infektionen. Deshalb gilt bei Stielwarzen: Entweder man lebt damit oder lässt sie sich vom Arzt entfernen.

Harte Fibrome

Das harte Fibrom wird von Experten auch Dermatofibrom, Histiozytom oder Fibroma durum genannt. Es ist eine derbe Geschwulst, die wenige Millimeter bis Zentimeter groß wird. Sie sitzt direkt unter der Oberhaut und reicht ins Bindegewebe. Meist ist sie etwas dunkler als die Oberhaut.

Das harte Fibrom ist wahrscheinlich das Ergebnis einer entzündlichen Reaktion mit überschießender Narbenbildung. Es kommt zum Beispiel nach Insektenstichen, der Entzündung eines Haarfollikels (Follikulitis) oder einer Verletzung durch Stacheln und Dornen vor. Bei der feingeweblichen Untersuchung unterscheiden Ärzte zwei Typen: das faserreiche Fibrom und das zellreiche Fibrom, das in großer Zahl besondere Immunzellen (Makrophagen) enthält. Eisenablagerungen in den Makrophagen geben diesen Tumoren eine dunklere Färbung.

Harte Fibrome kann der Hautarzt mittels Excision (das heißt: es muss genäht werden) in örtlicher Betäubung entfernten, wenn die Patienten dies aus kosmetischen Gründen wünschen oder der Arzt zu einer Entfernung und feingeweblichen Untersuchung (Histologie) rät.

Quellen:
1. Ingrid Moll: Duale Reihe Dermatologie, 7. Auflage. Stuttgart Thieme Verlag 2010
2. Wolfgang Sterry: Kurzlehrbuch Dermatologie, 1. Auflage. Stuttgart Thieme Verlag 2011

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.