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Corona-Verlauf: Infiziert, erkrankt, schwer erkrankt?

Ein positives Testergebnis auf den SARS-CoV-2-Erreger mag den Betroffenen zunächst einmal schockieren. Es sagt aber nichts über den zukünftigen Verlauf der Infektion aus

von Eva Tenzer, Carolin Collin, aktualisiert am 07.08.2020

Viele warten derzeit auf eine Nachricht aus dem Labor - ergibt der Test eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Erreger oder nicht? Und wenn ja: Wird man nach einem positiven Test auch zwangsläufig krank?

Nein, nicht jeder mit einem positiven Test wird zwangsläufig krank! Ist jemand infiziert ("angesteckt"), bedeutet das zunächst einmal nur: Das Virus hat es geschafft, in den Körper zu gelangen und sich dort zu vermehren. In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung über Speicheltröpfchen, die ein Infizierter zum Beispiel beim Husten oder Niesen verbreitet. Sie gelangen über Mund oder Nase in den Rachen anderer Menschen, wo sie sich vermehren.

Nach der Infektion gibt es drei Möglichkeiten:

Verlauf ohne Beschwerden (asymptomatischer Verlauf)

Nicht alle, die sich angesteckt haben, werden krank. Bleiben Symptome  aus, sprechen Ärzte von einer asymptomatischen Infektion. Schon etwa eine Woche nach der Ansteckung bildet der Körper Abwehrstoffe ("Antikörper"), die die Viren mit Hilfe weiterer Abwehrzellen unschädlich machen. Bei vielen Menschen funktioniert das offenbar so gut, dass sie keine oder nur geringe Symptome bekommen.

Milder Verlauf

Viele Infizierte entwickeln nur sehr leichte Symptome oder Beschwerden, die einer schwereren Erkältung ähneln. Dazu zählen etwa Fieber, trockener Husten, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, selten auch Übelkeit und Durchfall. Auch ein Verlust des Geruch- und Geschmacksinns kann auftreten. Im Mittel dauert es fünf bis sechs Tage, bis nach der Ansteckung diese Symptome auftreten. Bei einigen Menschen kommt es schon einen Tag nach der Ansteckung zu Symptomen, bei anderen erst nach zwei Wochen (deshalb wird man bei Verdacht auf Corona auch für zwei Wochen in Quarantäne geschickt). In vier von fünf Fällen (81 Prozent) verläuft Covid-19 milde bis mäßig, vor allem bei Kindern und jüngeren, gesunden Erwachsenen.

Die meisten dieser symptomfreien oder milden Erkrankungen werden gar nicht  erfasst, daher vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer bei Covid-19. Inzwischen geht man davon aus, dass auf jeden Menschen, der sich nachweislich infiziert hat, zehn weitere kommen, die nichts von ihrer Ansteckung wissen.

Das trägt zur raschen Verbreitung bei, da viele Infizierte nichtsahnend ihren Alltag weiterleben. Und trotzdem können sie das Virus weitergeben: es genügt schon eine etwas "feuchte Aussprache" - und der Kollege, mit dem man sich gegenübersitzt, hat sich ebenfalls angesteckt. Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, jetzt möglichst Abstand zu anderen zu halten - ganz besonders, wenn sie husten oder niesen.

Schwerer Verlauf

Circa 14 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verlaufen schwer. Häufig sind das Infizierte, die zunächst Symptome ähnlich einer Erkältung haben und bei denen sich die Beschwerden nach ein paar Tagen deutlich verschlechtern. Dann ist der Virus aus dem Rachen in die Lunge gewandert und löst eine Lungenentzündung aus, was unter anderem zu Atemnot führt. In diesen Fällen ist eine rasche ärztliche Behandlung nötig, in der Regel in einer Klinik.

Ein kleiner Teil der Betroffenen wird so schwer krank (circa 5 Prozent), dass er auf die Intensivstation kommt und künstlich beatmet werden muss. Schlimmstenfalls entwickeln sich ein Lungenversagen und weitere Komplikationen. Gerade für alte Menschen und Patienten mit schweren Vorerkrankungen ein lebensgefährlicher Zustand, der auch trotz aller intensivmedizinischen Maßnahmen zum Tode führen kann.

Bemühungen um mehr Beatmungskapazitäten

Derzeit unternehmen alle deutschen Kliniken Anstrengungen, um sich auf die wachsende Zahl von Intensivpatienten vorzubereiten. "Die maschinelle Beatmung von Covid-19 Patienten hat sich in schwer betroffenen Ländern wie China und Italien als das Nadelöhr in der aktuellen Krise gezeigt", erklärt Christian Karagiannidis, Sprecher der Sektion "Lunge – Respiratorisches Versagen" der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Momentan wird daher mit Hochdruck daran gearbeitet, zusätzliche Intensivbetten und Beatmungsgeräte zu organisieren und auch Pflegekräfte zu schulen, die sonst nicht mit beatmeten Patienten arbeiten. Notfalls sollen auch Medizinstudenten oder pensionierte Ärzte mit anpacken, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Aktuell stehen genügend Intensivbetten zur Verfügung (siehe hierzu auch: Zweite Welle? So sind Kliniken gerüstet).

Zusammenfassung

Stadieneinteilung Covid-19: Wann spricht man von einem leichten oder schweren Verlauf?

Der Verlauf einer Covid-19 Erkrankung kann in drei möglichen Phasen verlaufen. Dies bedeutet nicht, dass sich zwangsläufig alle drei Phasen hintereinander entwickeln müssen.

• Frühe Infektion

Die erste Phase (frühe Infektion) ist vor allem durch das Eindringen des Virus in die Zellen des Nasen-Rachen-Raums bis zur Verlegung des Vermehrungsortes (Replikationsort) in die tieferen Atemwege gekennzeichnet. In dieser frühen Phase entwickeln 81 Prozent der Infizierten keine oder nur milde Symptome und die Infektion heilt von alleine wieder aus.

• Beteiligung der Lunge (pulmonale Manifestation)

Bei 14 Prozent der Infizierten kommt es circa 7 bis 10 Tage nach Symptombeginn zum Übergang in die zweite Phase. Diese ist durch die Entwicklung einer Lungenentzündung durch Sars-CoV-2 gekennzeichnet. Bei circa fünf Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung so schwer, dass eine Behandlung auf der Intensivstation mit möglicherweise künstlicher Beatmung notwendig wird.

• Überschießende Immunantwort und Entzündung (hyperinflammatorische Phase)

Die dritte Phase ist vor allem durch die körpereigenen Immunantwort gekennzeichnet und nicht mehr durch die Virusvermehrung.

Hören statt Lesen: Abonnieren Sie gern unseren Podcast "Klartext Corona"

Wie viele freie Intensivbetten gibt es? Wie gut ist die Intensivmedizin auf Patientinnen und Patienten vorbereitet? Diese Fragen beantwortet Professor Dr. Bernhard Zwißler, Direktor der Klinik für Anaesthesiologie an der LMU München.

https://klartext-corona.podigee.io/19-mit-einem-blauen-auge-davongekommen-die-lage-der-intensivstationen-in-deutschland/embed?context=external

Quellen:

  • AWMF, Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19, S1-Leitlinie, Stand 21.07.2020 (Version 3). Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/113-001l_S1_Intensivmedizinische-Therapie-von-Patienten-mit-COVID-19_2020-07.pdf (abgerufen am 07. August 2020)