Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis)

Wenn sich die Gallenblase entzündet, ist meist ein Gallensteinleiden schuld. Nicht steinbedingte Entzündungen der Gallenblase sind selten

von Dr. med. Dagmar Schneck, 10.03.2014
Gallenblase

Verlegt ein Stein den Gallengang, kann es zur Entzündung der Gallenblase kommen


Eine Cholezystitis entsteht in der Regel dann, wenn ein Hindernis den Gallenblasenausgang (Ductus cysticus) oder den Gallengang (Ductus choledochus) bleibend oder vorübergehend verlegt. Dann staut sich die Gallenflüssigkeit in die Gallenblase zurück und verursacht dort eine Entzündungsreaktion.

Die häufigste Ursache ist ein Gallensteinleiden – nämlich dann, wenn ein Stein in die Gallengänge hineinwandert und dort steckenbleibt. Das ist bei etwa einem Viertel der Menschen mit Gallensteinen irgendwann einmal im Leben der Fall.

Eine Entzündung der Gallenblase ohne Gallensteine ist selten. Sie tritt vor allem bei schwerstkranken Patienten auf Intenstivstationen auf. Zu Grunde liegen oft schwere Infektionen, Unfälle oder ausgedehnte Bauchoperationen. Diese Form der Erkrankung heißt auch Stressgallenblase.

Typische Symptome der Cholezystitis

Verklemmt sich ein Gallenstein, führt das meist zu heftigen Kolikschmerzen im rechten Oberbauch. Kolik bedeutet, dass die Schmerzen in Wellen zu- und wieder abnehmen. Die Beschwerden halten oft über Stunden an. Häufig haben die Betroffenen zusätzlich Fieber.

Je nachdem, wo der Stein zu liegen kommt, staut sich die Gallenflüssigkeit auch in die Leber zurück. Dann kann verstärkt Bilirubin ins Blut übertreten und die Haut gelb färben (Ikterus).

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt befragt den Patienten zu seinen Beschwerden und seiner Krankengeschichte. Dann nimmt er eine körperliche Untersuchung vor. Oft stellt er dabei beim Patienten einen typischen Druckschmerz im rechten Oberbauch fest (Murphy-Zeichen).

Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt eine Cholezystitis meist nachweisen. Sichtbares Zeichen ist eine verdickte Wand der Gallenblase. Oft sind auch Steine zu erkennen oder erweiterte Gallengänge.

Außerdem sucht der Arzt nach bestimmten Veränderungen im Blut. Zeichen für eine Entzündung sind eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, vermehrt weiße Blutkörperchen und ein hohes CRP. Marker, die auf einen Gallestau hinweisen können, sind Gamma-GT, AP und Bilirubin sowie andere Leberwerte.

Vermutet der Arzt Steine in den Gallengängen, sind weitere Untersuchungen notwendig. Ein mögliches Verfahren ist die Endosonografie, also eine Ultraschalluntersuchung durch die Darmwand. Der Arzt führt dazu die flexible Ultraschallsonde durch die Speiseröhre ein und schiebt sie durch den Magen bis in den Darm vor. So ähnlich verläuft eine ERC (endoskopisch retrograde Cholangiografie). Das ist eine Form der Endoskopie mit Kontrastmitteldarstellung der Gallenwege (siehe Abschnitt Behandlung einer Entzündung der Gallenwege). Eine neuere Methode ist eine Kernspintomografie der Gallenwege, eine sogenannte MRC (Magnetresonanzcholangiografie).

Endoskopische Entfernung der Gallenblase

Behandlung der Wahl: Operation zur Entfernung der Gallenblase

Hat der Arzt die Diagnose einer Cholezystitis gestellt, empfehlen Spezialisten, die Gallenblase möglichst bald in einer Operation zu entfernen. Das ist in der Regel mit einer minimal invasiven Operationstechnik möglich (laparoskopische Cholezystektomie). "Bald" heißt in diesem Zusammenhang innerhalb von fünf Tagen nach Beginn der Beschwerden.

Bis zur Operation behandelt der Arzt die Koliken mit krampflösenden Medikamenten (N-Butylscopolamin) und Schmerzmitteln (zum Beispiel Diclofenac, Indometacin, Metamizol, bestimmte Opiate). Antibiotika können helfen, das Risiko für Komplikationen zu vermindern.

Manchmal ist eine Operation innerhalb von fünf Tagen nicht möglich, zum Beispiel wenn die Diagnose verzögert bekannt wird oder wenn das Operationsrisiko zu hoch ist. In solchen Situationen empfehlen Spezialisten eine Entfernung der Gallenblase nach Ablauf von sechs Wochen.

Konservative Therapie: Komplikationen sind häufig

Ganz ohne Operation kommt es bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen im Verlauf zu Komplikationen der Cholezystitis. Die Gallenblase kann absterben (Gallenblasengangrän) oder ihre Wand kann einreißen (Perforation). Dann entleert sich Gallenflüssigkeit in den Bauchraum und kann dort eine Bauchfellentzündung verursachen. Außerdem kann sich Eiter in der Gallenblase ansammeln (Empyem). Chronische Entzündungen der Gallenblase gelten darüberhinaus als einer der Risikofaktoren für die Entwicklung eines Gallenblasenkarzinomes.

Behandlungsalternative für schwerstkranke Menschen: die Cholezystostomie

Bei schwerstkranken Intensivpatienten besteht oft ein erhebliches Operations- und Narkoserisiko. Dann ist unter Umständen keine Entfernung der Gallenblase möglich. Bei Ihnen ist es manchmal sinnvoll, über einen kleinen Schnitt in Haut und Gallenblase einen feinen Schlauch in der Gallenblase einzulegen, über den die gestaute Gallenflüssigkeit abfließen kann (Cholezystostomie).

Wie behandelt der Arzt eine Entzündung der Gallenwege?

Manchmal bleiben Gallensteine auch so hängen, dass die Gallenflüssigkeit nicht mehr aus den Gallengängen in der Leber abfließen kann. Das führt zu einer Entzündung der Gallenwege (Cholangitis). Um sie zu behandeln, muss der Arzt die Gallensteine aus den Gallenwegen entfernen. Das ist mit Hilfe einer sogenannten ERCP möglich, einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikografie. Ein Endoskop ist ein schlauchartiges Untersuchungsgerät, das mit einer Kamera ausgestattet ist. Dieses Gerät führt der Arzt durch die Speiseröhre bis zu der Stelle ein, an der Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm einmünden. Wenn der Arzt Kontrastmittel in diesen Gang einspritzt, kann er mit Hilfe einer Röntgenaufnahme erkennen, wo der Gallengang mit einem Stein verschlossen ist. Anschließend kann er den Stein mit Hilfe einer speziellen Sonde aus dem Gallengang herausziehen.

Prof. Dr. Birgit Kallinowski

Beratende Expertin: Professor Dr. med. Birgit Kallinowski

Professor Dr. med. Birgit Kallinowski ist Fachärztin für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Gastroenterologie sowie Hämatologie und Internistische Onkologie. Nach Ihrer Approbation und Promotion im Jahr 1988 war sie zunächst als Assistenzärztin an der Medizinischen Universitätsklinik Münster und ab 1990 an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. Von 1998 bis 2004 leitete sie als Oberärztin in der Gastroenterologie die Hepatologische und Onkologische Ambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. 1998 habilitierte sich Birgit Kallinwoski mit dem Thema "Epidemiologische und molekularbiologische Untersuchungen zur Hepatitis C und G". Seit 2005 hat sie eine außerplanmäßige Professur an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht Karls Universität Heidelberg inne. Seit 2004 betreibt Frau Professor Dr. Kallinowski eine gastroenterologische Schwerpunktpraxis mit angeschlossener onkologischer Tagesklinik. Neben ihrer klinisch wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie Beiratsmitglied im bng (Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen) und in weiteren Gremien der wissenschaftlichen Dachgesellschaft der Gastroenterologie (DGVS) aktiv.

Quellen:

S3-Leitlinie der DGVS, Stand Juli 2007, AWMF-Register-Nr. 021/008. Online: http://www.dgvs.de/media/LL_Gallensteinleiden.pdf (Abgerufen am 22.08.2013)

Herold G (Hrsg.), Innere Medizin, Köln, 2012, S. 555 ff.

Schmidt G., Entzündliche und tumoröse Gallenblasen-, Gallenwegkrankheiten in Kursbuch Ultraschall, Thiemeverlag, 2008

Gallenblasen-/Gallengangskarzinom: Patienteninformation der Uniklinik Ulm.
Online: http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/
fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/
gallenblase-gallengangskarzinom.html (Abgerufen am 14.02.3014)

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.