Akute Bronchitis: Anzeichen, Verlauf, Behandlung

Starker Husten mit Schleim? Dahinter könnte eine akute Bronchitis stecken. Auslöser ist oft eine Erkältung. Welche Therapien helfen

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 29.10.2018
Lungenentzündung

Bei der akuten Bronchitis entzünden sich die Bronchien


Kurz zusammengefasst: Was ist eine akute Bronchitis?

Eine akute Bronchitis gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Atemwege. Die Schleimhaut, welche die Bronchien auskleidet, entzündet sich dabei. Auslöser ist oft eine Erkältung, also eine Virusinfektion der Atemwege.

Bronchien sind die Fortsetzung der Luftröhre. Sie teilt sich am unteren Ende in zwei Hauptbronchien. Diese führen die Atemluft in die beiden Lungenflügel. Dort verzweigen sich die Bronchien immer feiner, bis sie in den mikroskopisch kleinen Lungenbläschen enden, wo der eigentliche Gasaustausch, also die lebensnotwendige Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid stattfindet.

Hauptsymptom der akuten Bronchitis ist Husten, oft begleitet von Erkältungssymptomen wie Halsweh, Schnupfen, Abgeschlagenheit. Der Husten ist zunächst meist trocken und schmerzt hinter dem Brustbein. Im weiteren Verlauf husten die Betroffenen zähflüssigen Schleim ab.

Die akute Bronchitis wird überwiegend von Viren hervorgerufen. Bakterien sind eine seltenere Ursache. Hausmittel wie häufiges Inhalieren und ausreichend Flüssigkeit trinken können wohltuend wirken. Bei Bedarf lindern passende Hustenmittel die Beschwerden. Nur in manchen Fällen sind Antibiotika erforderlich.

Normalerweise ist eine akute Bronchitis nach etwa zwei Wochen überstanden. Sie kann aber auch länger anhalten und ernste Folgen haben – insbesondere bei älteren Menschen oder Begleiterkrankungen.

Baby oder Kind mit Husten? Mehr Informationen unter
https://www.baby-und-familie.de/Erkaeltung

Symptome: Typische Anzeichen einer akuten Bronchitis

Häufig tritt eine akute Bronchitis im Rahmen einer Erkältung auf. Dann kommt es zu Beginn meist zu typischen Erkältungsbeschwerden: Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Heiserkeit und Schluckbeschwerden sowie Schnupfen und Abgeschlagenheit. Mitunter besteht eine erhöhte Temperatur oder Fieber  – eine Temperatur über 38,5 Grad im After gemessen.

Im weiteren Verlauf stellt sich ein starker, trockener Reizhusten ein. Er tritt vermehrt nachts und morgens nach dem Aufstehen auf und geht oft mit Schmerzen hinter dem Brustbein einher.

Nach einigen Tagen bildet sich in den Bronchien vermehrt Sekret. Die Betroffenen husten zähflüssigen Schleim ab, auch Auswurf genannt. Sie haben einen sogenannten produktiven Husten.

Wie lange dauert eine akute Bronchitis?

Tritt eine akute Bronchitis im Rahmen einer üblichen Erkältung bei sonst Gesunden auf, heilt sie normalerweise innerhalb von rund zwei Wochen aus.

Der Husten kann allerdings in einigen Fällen länger andauern. Mehrere Wochen können Patienten noch von lästigem Hustenreiz geplagt werden. Wichtig: Wenn der Husten länger als sechs Wochen anhält, sollten Sie erneut einen Arzt aufsuchen.

Bestehen Husten und Auswurf länger als drei Monate am Stück in zwei aufeinander folgenden Jahren, sprechen Ärzte von einer chronischen Bronchitis. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber: Chronische Bronchitis.

Mögliche Folgen und Komplikationen

Auf dem Boden einer akuten Bronchitis kann sich eine Lungenentzündung entwickeln.

Sind die Bronchien durch Viren geschwächt, können sie sich zusätzlich mit Bakterien infizieren, sodass eine sogenannte Sekundär- oder Superinfektion entsteht. Bakterien befallen vorwiegend bereits angegriffene Bronchien. Zum Beispiel können sich die Erreger in einem durch eine chronische Bronchien- oder Lungenerkrankung geschädigten Gewebe besser vermehren.

Zu schweren Folgeerkrankungen kommt es nur selten. Ältere Menschen, starke Raucher, Patienten mit einem geschwächten Abwehrsystem oder chronischen Vorerkrankungen beispielsweise an Herz oder Lunge können betroffen sein. So kann sich zum Beispiel die Atemfunktion bei vorbestehender COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder einem Asthma bronchiale durch den Infekt akut verschlechtern (sogenannte akute Exazerbation) und eine Krankenhausaufnahme erfordern.

Vor allem Risikopatienten sollten daher darauf achten, eine akute Bronchitis nicht zu "verschleppen", sondern die Erkrankung auszukurieren und im Zweifel rasch den Arzt hinzuzuziehen.

Manchmal kann ein überempfindliches, ein hyperreagibles Bronchialsystem die Folge einer akuten Bronchitis sein. Dieses äußert sich in Reizhusten und erhöhter bronchialer Empfindlichkeit gegenüber unspezifischen inhalativen Reizen, zum Beispiel Abgasen oder Zigaretten-Rauch.

Eine akute Bronchitis kann in die chronische Form übergehen. Mehr dazu können Sie hier nachlesen: Chronische Bronchitis.

Bei kleinen Kindern, vor allem bei Säuglingen, kann die akute Bronchitis in seltenen Fällen zu einer Bronchiolitis obliterans führen, einer schwerwiegenden Erkrankung, die häufig durch Respiratory-Syncytial-Viren (RS-Viren) ausgelöst wird. Dabei sind die feinen Verästelungen der Atemwege, die Bronchiolen, entzündet. Es besteht die Gefahr, dass sich die Bronchiolen verschließen, sodass die Atemluft nicht mehr in die Lungenbläschen zum Gasaustausch vordringt. Bei Abheilung können winzige Narben in der Lunge bestehen bleiben. Diese Veränderungen können die Atmung beeinträchtigen und in späteren Jahren unter anderem eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) begünstigen.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf

  • wenn sich Beschwerden wie Husten, Erkältungssymptome und Abgeschlagenheit nicht nach einigen Tagen von selbst bessern
  • wenn zum Husten weitere Symptome wie hohes Fieber, Nachtschweiß, Atembeschwerden oder Schmerzen beim Atmen hinzukommen
  • wenn Sie sich sehr krank fühlen
  • wenn Sie starke Hustenanfälle oder auffällige Atemgeräusche wie Keuchen oder Pfeifen haben
  • wenn Sie gleichzeitig chronische Krankheiten wie Asthma, COPD oder Lungenfibrose haben oder schwanger sind

Verschwindet der Husten nach sechs Wochen nicht, sollten Sie erneut einen Arzt aufsuchen.

Hat ein Baby Husten, sollte vorsichtshalber immer der Kinderarzt kontaktiert werden. Für Kinder gilt das unter Umständen auch – je jünger das Kind ist, desto eher. Mehr zu Husten bei Kindern unter https://www.baby-und-familie.de/Erkaeltung.

Akute Bronchitis: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Bronchitis ist eine Entzündung der unteren Atemwege. Betroffen sind die Aufzweigungen der Luftröhre, die Bronchien, und deren kleinere Verästelungen, die Bronchiolen. Oft ist auch die Luftröhre selbst in Mitleidenschaft gezogen. Die Zellen der gereizten Schleimhaut produzieren vermehrt zähes Sekret. Das führt zu Husten mit schleimigem Auswurf.

Die häufigsten Ursachen

In den meisten Fällen sind Viren Auslöser der akuten Bronchitis. Als Erreger kommen bei Erwachsenen häufig Influenza-(Grippe), Parainfluenza-, Rhino- oder Adenoviren in Betracht. Bei Kindern sind die Erreger meist RS-(Respiratory Syncytial Virus), Adeno-, Coxsackie- oder Echoviren.

Ansteckung: Wie werden Erreger übertragen?

Eine akute Bronchitis ist häufig ansteckend. Die Inkubationszeit kann je nach Erreger unterschiedlich sein. Bei verbreiteten Erkältungsviren liegt sie oft zwischen einem und sechs Tagen.

Viren werden entweder durch eine sogenannte Tröpfchen- oder per Schmierinfektion übertragen. Gesunde stecken sich bei Erkrankten beispielsweise an, indem sie die winzigen virenhaltigen Tröpfchen einatmen, die der Erkältete beim Husten, Niesen oder Sprechen versprüht. Von einer Schmierinfektion sprechen Ärzte, wenn die Krankheitserreger über die Hände weitergegeben werden oder von der Hand in den Mund gelangen. Häufiges Händewaschen oder gegebenenfalls eine Desinfektion senkt die Ansteckungsgefahr.

Wesentlich seltener als Viren sind Bakterien die Ursache der akuten Bronchitis. Meist tritt eine bakterielle Bronchitis bei schlechter Abwehrlage oder bei einer Vorschädigung der Lunge beispielsweise durch Zigarettenrauch oder Luftschadstoffe auf. Auch beim Virusinfekt können Bakterien zusätzlich angreifen. Der Arzt spricht dann von einer bakteriellen Superinfektion. Als auslösende Keime herrschen bei Erwachsenen Streptokokken, Hämophilus influenzae oder Moraxella catharrhalis vor. Bei Kindern und Säuglingen sind die Erreger oft Hamophilus influenzae, Mykoplasmen oder Chlamydien.

Sehr selten verursachen Pilze eine Bronchitis. Sie betrifft in erster Linie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel durch Blutkrebs oder AIDS. Die häufigste Pilzbronchitis ist die Soorbronchitis, ausgelöst durch den Hefepilz Candida albicans.

Im Rahmen von Infekten wie Windpocken oder Keuchhusten kann ebenfalls eine akute Bronchitis auftreten.

Risikofaktoren für eine akute Bronchitis

Die Bronchien sind besonders anfällig für Entzündungen, wenn sie vorbelastet sind. So kann Luftverschmutzung durch Feinstaub, Abgase oder Tabakrauch oder auch eine chronische Bronchien- oder Lungenerkrankung (chronische Bronchitis, Mukoviszidose) die akute Bronchitis begünstigen. Trockene Luft, zum Beispiel in beheizten oder klimatisierten Räumen, reizt die Atemwege und trocknet die Schleimhäute aus. Das wiederum kann das Risiko für Atemwegsinfekte erhöhen. Auch Kälte kann sich ungünstig auf die Bronchien auswirken.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt erkundigt sich nach der Krankengeschichte und den Beschwerden. Sie deuten meistens schon auf eine akute Bronchitis hin.

In der Regel horcht und klopft der Arzt das Bronchien- und Lungenareal ab. Dabei hört er unter Umständen Atemgeräusche, die durch den Schleim in den Bronchien hervorgerufen werden. Zusätzlich werden meist auch die Ohren, die Nasennebenhöhlen, der Mund- und Rachenraum sowie die Lymphknoten am Hals untersucht.

In den meisten Fällen genügt das, um die Diagnose "akute Bronchitis" zu stellen.

Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Entzündung, kann der Arzt die Erreger mit einer Probe des abgehusteten Sekrets oder mit einer Blutprobe identifizieren. Über eine Blutuntersuchung können auch die Entzündungswerte wie CRP (C-reaktives Protein), BSG (Blutsenkungs-Geschwindigkeit) und die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ermittelt werden. Diese Werte sind häufig erhöht, aber unspezifisch.

Des Weiteren überprüft der Arzt, ob möglicherweise eine Lungenentzündung, (allergisches) Asthma und bei länger bestehender Symptomatik eine chronische Bronchitis vorliegt.

Therapie: Wie wird eine akute Bronchitis behandelt?

Eine akute Bronchitis lässt sich mit Hausmitteln und – wenn nötig – mit hustenstillenden oder schleimlösenden Medikamenten behandeln. Nur in manchen Fällen sind Antibiotika erforderlich.

Hausmittel und unterstützende Maßnahmen

Einfache Maßnahmen können den Verlauf einer akuten Bronchitis positiv beeinflussen und die Symptome lindern:

  • Körperliche Schonung, Sport vorübergehend pausieren, bei Fieber Bettruhe
  • Nicht rauchen
  • Mehrmals täglich mit einer 0,9-prozentigen Kochsalzlösung inhalieren. Zusätze wie Kamille oder ätherische Öle können auch reizen oder Allergien hervorrufen und sollten daher mit Zurückhaltung betrachtet werden, auch weil ein Vorteil gegenüber alleiniger Kochsalzlösung nicht belegt ist. Wichtiger Hinweis: Ätherische Öle eignen sich insbesondere nicht für Menschen mit empfindlichen Atemwegen und nicht für Kleinkinder!
  • Ausreichend trinken – am besten Wasser und ungesüßte Tees. Das soll helfen, das Sekret zu verflüssigen. Hinweis: Wer an einer Herz- oder Nierenerkrankung leidet, sollte die Trinkmenge mit einem Arzt absprechen
  • Wadenwickel können bei erhöhter Temperatur und leichtem Fieber helfen. Fieber ist allerdings Teil der körperlichen Immunantwort und muss nicht grundsätzlich gesenkt werden

Eventuell Hustenmittel

  • Hustenstillende Mittel (Antitussiva): Solange der Husten trocken ist und vor allem nachts quält, können hustenstillende Mittel den Hustenreiz dämpfen. Husten sollte aber, wenn überhaupt, nur kurzfristig unterdrückt werden
  • Schleimlösende Medikamente (Expektoranzien): Löst sich der Husten, müssen Sie also Schleim abhusten, dann können eventuell schleimlösende Medikamente helfen. Sie sollen das Sekret verflüssigen beziehungsweise den Abtransport aus den Bronchien erleichtern

Eine Kombination aus hustenstillenden und –lösenden Mitteln ist normalerweise nicht sinnvoll, da beide gegensätzliche Wirkungen haben. Manchmal kommt dennoch eine Kombination infrage. Besprechen Sie mit dem Arzt, welche Therapie sich in Ihrem Fall empfiehlt.

In manchen Fällen sinnvoll: Antibiotika

Ein Antibiotikum kann nur helfen, wenn die akute Bronchitis durch Bakterien verursacht wird. Normalerweise heilt eine solche Bronchitis jedoch von selbst ab, ein Antibiotikum ist nicht nötig. Antibiotika können allerdings sinnvoll sein, wenn das Risiko besteht, dass eine bakterielle Bronchitis einen schwereren Verlauf nimmt. Kommt zu einer viralen Bronchitis eine bakterielle Infektion hinzu, kommen Antibiotika ebenfalls infrage.

Schwer verlaufende Bronchitis: Wer ist gefährdet?

Gefährdet für eine schwer verlaufende Bronchitis sind zum Beispiel Menschen mit einer Grunderkrankung wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Bronchitis). Auch ältere Patienten und solche, die eine geschwächte Immunabwehr haben, zählen zur Risikogruppe.

Prof. Dr. med. Jürgen Behr

Beratender Experte

Professor Dr. med. Jürgen Behr ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V für Pneumologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik München-Gauting und Klinischer Leiter des Comprehensive Pneumology Center München. Er ist Facharzt für Innere Medizin (Teilgebiete Lungen- und Bronchialheilkunde, Kardiologie, Zusatzbezeichnung Allergologie) und forscht unter anderem über Lungenfibrose, Lungenhochdruck, COPD (chronisch obstruktive Bronchitis), Lungentransplantation und andere Lungenerkrankungen.

Quellen:

- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin: Husten, Nr. 11 (Gültigkeit verlängert bis 02/2019)
- Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage
- Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2017

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.