Bluttransfusion: Formen, Ablauf, Risiken

Bei einer Blutübertragung erhält der Patient Blut oder Blutbestandteile über eine Vene, um einen Mangel zum Beispiel bei Blutverlusten auszugleichen
von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 04.04.2017

Voraussetzung für eine Bluttransfusion: Dass jemand vorher Blut gespendet hat

Fotolia/Gina Sanders

Was ist eine Bluttransfusion?

Bei der Bluttransfusion verabreicht der Arzt dem Patienten Blut oder Blutbestandteile über eine Infusion. In der Regel erhält der Empfänger keine Vollbluttransfusion, also nicht das komplette Blut, sondern nur die Anteile, die er benötigt.

Das können folgende Bestandteile des Blutes sein:

Die Transfusionen heißen entsprechend Erythrozytenkonzentrat, Granulozytenkonzentrat, Thrombozytenkonzentrat oder gefrorenes Frischplasma, englisch "fresh frozen plasma".

Fremdblutspende und Eigenblutspende

Bei der Fremdblutspende stammt das Blut von einem fremden Blutspender, bei der Eigenblutspende wird es dem Patienten selber im Vorfeld entnommen. Blutspender erhalten vor der Blutspende eine Untersuchung auf ihre Spendetauglichkeit. Die gespendeten Blutpräparate testet das Labor nochmals auf mögliche Krankheitserreger.

Wann kommt eine Eigenblutspende in Frage?

Die Eigenblutspende erfolgt vor geplanten Operationen, bei denen die Wahrscheinlichkeit über zehn Prozent liegt, dass eine Bluttransfusion benötigt wird. Das kann zum Beispiel bei Herz- und Gefäßoperationen oder größeren allgemeinchirurgischen Operationen der Fall sein. Dazu nimmt der Arzt dem Patienten drei bis sechs Wochen vor der Operation Blut ab. Es wird als Blutkonserve gelagert und kann bei größeren Blutverlusten während der Operation genutzt werden. Hierdurch lassen sich das Risiko von Unverträglichkeiten und die Infektionsgefahr verringern.

Wann setzt der Arzt eine Bluttransfusion ein?

Kleinere Blutverluste ersetzt der gesunde Körper durch eine vermehrte Neubildung von Blut. Bei größeren Blutverlusten reichen jedoch die Kompensationsmöglichkeiten des Körpers unter Umständen nicht mehr aus. Das kann zum Beispiel bei einer Verletzung oder einer Operation der Fall sein. Eine Bluttransfusion kann auch bei länger andauernden Blutverlusten, zum Beispiel bei bestimmten Tumorerkrankungen, oder bei Blutbildungsstörungen, zum Beispiel bei Leukämie, erforderlich werden. Ab wann der Patient eine Bluttransfusion benötigt, hängt neben der Menge des Blutverlustes auch von seinem Gesundheitszustand ab.

Das Blut tropft aus einem Beutel über einen Schlauch in die Vene

Panthermedia/Vaximilian

Wie läuft die Bluttransfusion ab?

Bluttransfusionen sind ärztliche Tätigkeiten. Das heißt, sie darf nur ein Arzt anordnen und ausführen. Vor einer Bluttransfusion muss der Arzt den Patienten aufklären, also über mögliche Vorteile, aber auch Risiken informieren. Zusätzlich muss der Patient eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Außerdem stellt der Arzt bei jeder Fremdblutspende sicher, dass die Blutgruppenmerkmale des Spenders mit denen des Empfängers zusammen passen. Es darf nur blutgruppenverträgliches Blut übertragen werden, da sonst lebensbedrohliche Abwehrreaktionen gegen das Spenderblut auftreten können. Daher wählen die Ärzte die Blutkonserven entsprechend den Blutgruppenmerkmalen des Empfängers aus. Vor der Transfusion testen sie die Konserven außerdem auf ihre Verträglichkeit mit einer sogenannten Kreuzprobe. Dabei vermischen sie Blut aus der Blutkonserve mit einer Blutprobe des Empfängers. Bei einer Unverträglichkeit kommt es zu Verklumpungen in der Probe. Um eine Verwechslung von Blutkonserven zu vermeiden, macht der Arzt unmittelbar vor der Transfusion zusätzlich den sogenannten Bedside-Test. Hierbei überprüft er mit einer Testkarte direkt am Krankenbett die AB0-Blutgruppenmerkmale des Empfängers und stellt durch den Vergleich mit der AB0-Blutgruppe der Blutkonserve die Verträglichkeit in diesem wichtigen Blutgruppensystem sicher.

Dann legt er einen Venenzugang. Die Bluttransfusion erfolgt wie eine normale Infusion – das Blut tropft aus einem Beutel in die Vene. Während der Transfusion und mindestens eine halbe Stunde danach wird der Patient überwacht.

Was sind Risiken und Komplikationen einer Bluttransfusion?

Eine Bluttransfusion birgt gewisse Risiken. Ihre Notwendigkeit muss daher sorgfältig gegen die vorhandenen Risiken abgewogen werden.

  • Transfusionsreaktion: Eine gefürchtete Nebenwirkung bei Bluttransfusionen ist der Transfusionszwischenfall bei irrtümlicher Transfusion von blutgruppenunverträglichem Blut. Beispielsweise erhält ein Patient mit der Blutgruppe A Blut mit der Blutgruppe B. Es kann dann zur Abwehrreaktion des Immunsystems gegen das Spenderblut mit Zerstörung zahlreicher roter Blutkörperchen kommen, einer sogenannten Hämolyse. Dabei drohen Kreislaufschock, Nierenversagen und Störungen der Blutgerinnung. Eine Transfusionsreaktion kann sofort oder verzögert bis zu zwei Wochen nach der Transfusion auftreten.
  • Infektionsgefahr: Trotz strenger gesetzlicher Vorschriften im Transfusionsgesetz und sorgfältiger Untersuchung der gespendeten Blutpräparate lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass bei der Blutübertragung auch Krankheitserreger weitergegeben werden. Dazu zählen beispielsweise Hepatitis-Viren, die eine Leberentzündung verursachen können, und HI-Viren, die zu AIDS führen können. Durch den hohen Sicherheitsstandard ist die Infektionsgefahr bei Bluttransfusionen in Deutschland äußerst gering geworden. Zum Beispiel liegt sie für die Übertragung von Hepatitis C oder HIV bei deutlich weniger als 1 zu 1 Million, ist also sehr unwahrscheinlich.
  • Allergische Reaktionen: Allergische Reaktionen auf eine Bluttransfusion können von einem juckenden Hautausschlag bis hin zu einem allergischen Schock mit Kreislauf- und Atemversagen reichen.
  • Immunisierung: Durch die Bildung von Antikörpern gegen übertragene Blutbestandteile kann es bei erneuten Transfusionen in seltenen Fällen zu Unverträglichkeitsreaktionen oder einem Wirksamkeitsverlust kommen.
  • Eisenablagerungen: Bei Patienten, die viele Transfusionen roter Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrate) erhalten, kann sich Eisen in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und im Herzen ablagern, Mediziner sprechen dann von einer Hämosiderose. Sie bewirkt eine Beeinträchtigung der betroffenen Organe.
  • Weitere mögliche Komplikationen sind Blutergüsse oder Infektionen an der Einstichstelle. Auch Blutgerinnsel (Thrombosen) können sich bilden. Gelegentlich reagieren Empfänger von Blutkonserven mit Fieber, Unwohlsein und Schüttelfrost auf Zell- und Eiweißbestandteile aus dem Spenderblut.

Dr. Christof Weinstock

W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. med. Christof Weinstock, Leiter der Abteilung Blutgruppenserologie und Immunhämatologie im Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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