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So klein das Fürstentum Andorra mit seinen rund 80 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie 468 Quadratkilometern Fläche auch sein mag: Mit fast 300 Pistenkilometern besitzt es das größte Skigebiet der Pyrenäen. 65 Gipfel liegen höher als 2000 Meter, ein Drittel des Landes liegt oberhalb der Waldgrenze. Auch 70 Braunbären soll es hier mittlerweile wieder geben. Zu dieser Jahreszeit wird man allerdings kaum einem der braunen Riesen begegnen. Im Februar halten Bären Winterruhe, auch in den Pyrenäen, sagt Bergführer Mark Crichton. „Sie wachen erst im März, April auf.“

Ausnahme sind die Bären im Kostüm. Am Rosenmontag wird in der Stadt Encamp, nicht weit entfernt von der Hauptstadt Andorra la Vella, das Bärenfest zelebriert, „El ball de l’Ossa“. Viele der 12 000 Einheimischen nehmen daran teil. Seit 2022 zählt das Fest sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Ausschlaggebend dafür ist die „Verbindung zwischen Mensch und Natur“, die das UNESCO-Komitee in dem Fest sieht. „Es ist ein lustiges Stück, das junge Leute aus der Region aufführen“, erklärt Crichton.

Weil in Andorra Katalanisch gesprochen wird, können Besucherinnen und Besucher oft nur erahnen: Das Bärenfest ist eine Farce, bei der alle über Landespolitik lachen. Allzu kompliziert ist die Handlung aber nicht. Landarbeiter liegen im Stroh. Ein Bär taucht auf, vom Essen angelockt. Er wird von Jägern erlegt, dann feiern alle und essen Brot mit „allioli de marmelo“, einer Quitten-Knoblauch-Creme.

Seit dem Mittelalter soll es Bärenfeste in den Pyrenäen geben. „Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es jedes Jahr gefeiert“, sagt Crichton. Dann geriet die Tradition in Vergessenheit. Vielleicht auch, weil es keine Bären mehr in Andorra gab. Erst 1996 wurden wieder Braunbären aus Slowenien in den Bergen angesiedelt.

Mark Crichton zog mit seiner Familie als Kind nach Andorra – und blieb. Sein Herz schlägt nach wie vor für die Landschaft des Zwergstaats. „Im Sommer locken sehr schöne Seen, Gipfel, eine unglaubliche Pflanzen- und Tierwelt, im Winter unterschiedliche Orte mit großartigem Schnee.“ Ideal für Skitourengänger wie ihn.

Andorra ist immer noch eher ein Wintersport-Geheimtipp: mit mehr Pisten- als Straßenkilometern. Vom 1. bis 7. Februar trifft sich hier die Ski-Elite zur „Freeride World Tour“ im Skigebiet Arcalís, am Ende des Hochtals von Ordino. Das kleine Wintersportgelände hat lange, leichte Pisten, aber auch Abfahrten für Könner mit extremem Gefälle. Wer nicht Ski fährt, kann zusehen: In Grandvalira findet am 10. und 11. Februar der Slalom und Riesenslalom der Damen statt. Falls nötig, sorgen 1200 Schneekanonen für weiße Pracht. Immerhin liegt Andorra auf dem Breitengrad von Rom und kommt auf fast 3000 Sonnenstunden im Jahr.

Die Hauptstadt Andorra la Vella auf 1300 Metern ist Europas höchstgelegene. Die Ortschaft Pas de la Casa ist für reges Après-Ski-Treiben bekannt. Wer ursprüngliche Orte schätzt, ist in Dörfern wie Ordino oder Canillo besser aufgehoben – oder in Les Bons bei Encamp. Bordas, also Scheunen, wurden in den Dörfern zu beliebten Restaurants. Es gibt traditionell Gegrilltes unter Holzbalken und vor Steinwänden. „Dort am Kamin zu essen hat eine unglaubliche Atmosphäre“, sagt Crichton.

Andorra fällt aber auch durch Banken und Einkaufszentren auf. Man kann zollfrei einkaufen, günstig tanken, zahlt in Euro – obwohl das Land kein Mitglied der EU ist. Nur die Anreise hat es wirklich in sich: Das Fürstentum besitzt weder Flughafen noch Bahnhof. Man fährt am besten Auto oder Bus.

Infos für Ihre Reiseplanung

Wie komme ich hin?

Zug: ab Basel über Genf und Lyon bis Barcelona und von dort per Bus nach Andorra la Vella. Insgesamt 17 Stunden Fahrzeit, mehrere Umstiege erforderlich. Eine Alternative ist der Fernbus Basel–Barcelona (15 h).

Auto: ab Basel, Genf, Montpellier und Barcelona in etwa 13 Stunden (reine Fahrzeit), Zwischenübernachtung(en) sinnvoll.
Wo kann man übernachten?

Grau Roig: Es gilt als bestes Hotel im Ski-gebiet Grandvalira. Günstigere Alternative: das „Aparthotel La Tulipa“ in Ordino.

Was kann man erleben?

Grandvalira ist mit 210 Pistenkilometern das größte Skigebiet der Pyrenäen. Der meiste Schnee fällt normalerweise im März. Aufwärmen kann man sich im größten Thermalbad Südeuropas, „Caldea“. Das Wasser kommt aus den wärmsten Quellen der Pyrenäen.

Was kann man probieren?

Escudella: ein katalanischer Wintereintopf aus Gemüse, Würsten und Fleisch. Trinxat – ein Mix aus Kartoffeln, Kohl und Speck – ist ebenfalls zu empfehlen. Zudem gibt es gegrillte Weinbergschnecken sowie Forellen und Kaninchen.

Mark Crichton

ist in Sambia geboren, seine Eltern sind Iren. Der 59-Jährige kam bereits als Kind nach Andorra und verliebte sich sofort in das Land und seine Menschen. Heute arbeitet Crichton unter anderem als Berg-, Skitouren- und Wander-führer im Zwergstaat.


Quellen: