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Mein Freund hat sich vor fünf Jahren sterilisieren lassen und behauptet, es lasse sich nicht mehr rückgängig machen. Aber das stimmt doch gar nicht – oder?

Antwort von Prof. Frank Sommer, Facharzt für Urologie aus Hamburg:

Bei der Sterilisation des Mannes, auch Va­sektomie genannt, werden meist unter örtlicher Betäubung beide Samenleiter durchtrennt und abgebunden. Dadurch können keine befruchtungsfähigen Sper­mien mehr austreten. Der Eingriff bietet danach eine fast 100-prozentige Sicherheit vor einer ungewollten Schwangerschaft. Wenn später im Leben doch noch ein Kinderwunsch entsteht, ist es möglich, die Sterilisation wieder rückgängig zu machen. Man spricht dann von einer Refertilisierung.

Was interessant ist: Ungefähr vier Prozent der sterilisierten Männer entscheiden sich um und lassen sich refertilisieren. Etwa doppelt so viele denken immerhin ­irgendwann darüber nach. Beim Refertilisierungs-Eingriff werden die verschlossenen Samenleiter-Enden freigelegt und unter 20-facher mikroskopischer Vergrößerung wieder verbunden. Mit den heutigen Operationstechniken gelingt es fast immer, die Fruchtbarkeit der Männer wiederherzustellen. Dabei spielt es übrigens meist keine Rolle, wie lange die Vasektomie zurückliegt.

Eine Freundin hat letztens erzählt, feuchtes Toiletten­papier sei ungesund­. Ist das wirklich so?

Antwort von Dr. Bernhard Strittmatter, Proktologe aus Freiburg:

Ihre Freundin hat recht. Feuchtes Toilettenpapier enthält viele Zusatzstoffe, die die ohne­hin empfindliche Haut im Analbereich stark reizen können. Das passiert besonders schnell, wenn die Analregion sowieso schon gerötet oder entzündet ist, zum Beispiel durch ein Hämorrhoidalleiden. Im schlimmsten Fall können die Zusatzstoffe in feuchtem Toilettenpapier außerdem allergische Hautreaktionen auslösen.

Aber auch aus ökologischer Sicht ist der Gebrauch von Feuchttüchern problematisch. Im Gegensatz zum üblichen Toilettenpapier sind Feuchttücher recht stabil und landen unversehrt in der Kläranlage. Sie lösen sich nicht auf und verstopfen regelmäßig das Abwassersystem. Deshalb gehören sie in den Abfalleimer, was wiederum jede Menge Müll verursacht. Viel ökologischer und besser für die Haut ist daher eine Podusche oder ein Bidet.

Mein Vater, 84, wird immer dünner und ist sehr heikel mit dem Essen. Er isst seit Monaten nur noch Nudeln und weiches Gebäck. Soll ich ihn gewähren lassen?

Antwort von Dr. Anja Kwetkat, Fachärztin für Innere Medizin und Direktorin
der Klinik für Geriatrie an der Universitätsklinik Jena:

Die von Ihnen genannten Speisen führen ­sicher nicht zu einer bedarfsdeckenden Ernährung. Auf Dauer begünstigt das bei ­Ihrem Vater Mangelerscheinungen.

Versuchen Sie daher, auf Ursachensuche zu gehen: Fragen Sie Ihren Vater, warum er nur noch bestimmte Lebensmittel essen will. Da er vor allem weiche Speisen zu bevorzugen scheint, hat er möglicherweise Probleme beim Kauen. Vielleicht tut ihm aber auch das Schlucken weh?

Eine andere Sache ist es, wenn Ihr Vater in einem sehr fortgeschrittenen Stadium einer lebensverkürzenden Erkrankung ist und palliativ behandelt wird. Dann liegt der Schwerpunkt auf seiner Lebensqualität und Ihr Vater sollte dann das essen, worauf er gerade Lust hat.

Egal in welcher Situation sich Ihr Vater befindet: Sprechen Sie unbedingt mit seiner behandelnden Hausärztin oder mit seinem Hausarzt über das Problem.

Ich bin nicht gegen Corona geimpft. Ich bin kein Corona-­Leugner, ich habe Angst vor Nebenwirkungen und kann mit keinem sprechen. Was soll ich tun?

Antwort von Dr. Johanna Thünker, Psychotherapeutin aus Bottrop:

Grundsätzlich ist es eine gute Idee, sich jemandem anzuvertrauen. Wenn unter den Freunden oder innerhalb der Familie niemand ist, mit dem man reden kann, ist die Hausarzt­praxis ein guter Anlaufpunkt. Denn manchmal basiert die Angst vor der Corona-Impfung auf falschen Informationen oder darauf, dass man diese nicht überblicken kann – in dem Fall kann die Hausärztin oder der Hausarzt helfen. In manchen Fällen steckt hinter der Angst eine Phobie. Dann wäre eine Psychotherapie ratsam. Die Angst vor dem Impfen lässt sich in der Regel gut in den Griff bekommen. In der Therapie spielt man die Situation im Gespräch immer wieder durch, so gewöhnt man sich an die Angst auslösenden Dinge. Das kann man auch alleine tun, etwa indem man einen Freund zum Impfen begleitet. Ängste verschwinden, indem man sich ihnen stellt. Auf eigene Faust sollte man das in diesem Fall aber nur machen, wenn man keine weiteren psychischen Probleme hat.

Ich habe oft sehr starke Darm­geräusche. Das ist mir peinlich. Was kann dagegen helfen?

Antwort von Bernhard Eiber, Apotheker aus Roth:

Unser Darm arbeitet den ganzen Tag. Dass er dabei auch mal lautere Geräusch von sich gibt, ist ganz normal. Wenn diese vermehrt oder besonders laut auftreten, sollten Sie sich zunächst fragen, seit wann dies der Fall ist – und ob Sie seitdem vielleicht mehr oder anders essen? Manchmal stecken hinter lauteren Darmge­räuschen Lebensmittelunvertäglich­keiten. Auslassversuche von bestimmten Lebensmitteln, die häufig zu Blähungen führen, können helfen, den Auslöser zu finden. Langsames Essen und viel Bewegung helfen zusätzlich, Darmgeräusche zu reduzieren. In der Apotheke berät man Sie zur möglichen Einnahme von Floh­samenschalen, Entschäumern und Probiotika, die Blähungen reduzieren können. Wenn Sie neben Blähungen noch weitere Beschwerden oder sogar Schmerzen haben, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.


Quellen:

  • Volkert D, Beck A, Cederholm T et al.: ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Leitlinie: 2018. online: https://www.espen.org/... (Abgerufen am 03.08.2022)

  • Leiltlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft et al.: Analer Pruritus, Allgemeinmaßnahmen zur Beseitigung bzw. Minderung irritativer Reize in der Analregion. Leitlinie: 2020. Online: https://www.awmf.org/... (Abgerufen am 03.08.2022)