Baby und Familie

Das Grauen entdecken Eltern oft in der Windel: kleine, weiße Würmchen, die sich im Kot des Kindes schlängeln. Und das ist gar nicht mal so selten der Fall, wie eine 2019 in der Fachzeitschrift Deutsches Ärzteblatt veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Leipzig zeigte: Rund 20 Prozent aller Kleinkinder unter zwei Jahren trifft einmal ein Madenwurm-Befall. Was man dann tun kann, welche Würmer es gibt und wann ­Eltern einen Arzt aufsuchen sollten, erklärt der Apotheker ­Michael Remmers aus Berlin.

Die Symptome

Den offensichtlichsten Hinweis auf einen Befall mit Madenwürmern – die häufigste Wurm­erkrankung des Menschen – entdecken Eltern wie eingangs beschrieben im Kot. "Das sind in der Regel weiße, wenige Zentimeter große Würmchen", erklärt Michael Remmers. Aber vor allem ein weiteres Symptom lässt auf einen Wurmbefall schließen: "Die Kinder klagen häufig über starken Juckreiz und fassen sich oft an den Po – meistens nachts, wenn die Weibchen ihre Eier rund um und am After ablegen."

Die Übertragung

Doch wie gelangen die Würmer überhaupt in den Körper des Kindes? Eine Oxyuriasis – so nennen Mediziner die Parasiteninfektion mit Madenwürmern – wird in der Regel von Mensch zu Mensch übertragen. "Meistens spielt die Hygiene eine große Rolle", betont Remmers. Ursprünglich kommen die Wurmeier häufig auf ungewaschenem Obst und Gemüse vor. "Gerade wenn Erdbeeren oder Salate vor dem Verzehr nicht gründlich gewaschen werden – das ist der Klassiker", sagt Remmers. Wurmeier finden sich durch Hunde- und Katzenkot zudem auch im Sand von Spielplätzen und haften gut an Spielzeug. "Kinder haben natürlich keine perfekte Hygiene, fassen alles an und nehmen vieles den Mund", erklärt Remmers. Die Übertragung in der Kita liege da auf der Hand: "Wenn sich ein Kind am Po kratzt, liegen die Eier unter den Fingernägeln und werden dadurch ganz schnell verteilt."

Und auch über die Luft können die winzigen Eier verteilt werden, zum Beispiel wenn Mama oder Papa die Bett­decke des infizierten Kindes morgens ausschüttelt. Die Eier werden dann eingeatmet und gelangen über die Luftwege in den Körper. Ihr Ziel: der Magen-Darm-Trakt. Dort entwickeln sich innerhalb weniger Stunden die erwachsenen Würmer. Nach zwei bis drei Wochen sind die Würmer geschlechtsreif und paaren sich. Die männlichen Tiere sterben sofort danach ab, die Weibchen ein bis zwei Wochen später, sobald sie die Eier abgelegt haben.

Welche Würmer es gibt und woher sie kommen

Apotheker ­Michael Remmers aus Berlin

Apotheker ­Michael Remmers aus Berlin

Die Diagnose

"Sobald der Verdacht eines Wurmbefalls besteht, sollten Eltern unbedingt den Kinderarzt aufsuchen. Denn nur er kann die genaue Wurmart bestimmen und die entsprechende Behandlung empfehlen", betont Apotheker Michael Remmers. Denn neben den Madenwürmern gibt es hierzulande auch Infektionen mit Spul- und Bandwürmern (siehe Grafiken). Ein Fuchsbandwurm­befall – der äußerst selten vorkommt – kann etwa Organe betreffen und dem Menschen gefährlich werden.

Die Behandlung

Ein Befall mit Maden- oder Spulwürmern lasse sich laut Experte Remmers sehr gut behandeln. Dazu gibt es Präparate als Tabletten oder Suspensionen, "die gezielt die Würmer abtöten und für den Menschen in der Regel keine größeren Nebenwirkungen haben. Oft wird dann gleich die ganze Familie mitbehandelt." Und da der Wirkstoff nur die Würmer im Körper, aber nicht die Eier an Po und After abtöten kann, sollte die Behandlung – nach Absprache mit dem Kinderarzt – nach zwei Wochen noch einmal wiederholt werden.

Die Hygiene

Abgesehen vom Präparat spiele vor allem die Hygiene eine wichtige Rolle, um die lästigen Parasiten komplett loszuwerden. "Das fängt beim 90-Grad-Programm für Bettwäsche, Unterwäsche, Waschlappen und Handtücher im Haushalt an", sagt Remmers. Darüber hinaus empfiehlt sich ein Rundumputz mit Fokus auf Bad, WC sowie Türgriffe, Spielzeug und andere Gegenstände, die häufig berührt werden. "Am wichtigsten ist aber die Körperhygiene", betont der Apotheker. Zudem sollten die Finger­nägel täglich kurz geschnitten sowie morgens Po und After gereinigt werden. Und: "Regelmäßiges Händewaschen vor jeder Mahlzeit und nach jedem Toilettengang. Aber das sollten wir alle inzwischen ja auch so begriffen haben", sagt Remmers.

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