Diabetes Ratgeber

Bei immer mehr Frauen diagnostizieren Ärzte und Ärtzinnen Schwangerschaftsdiabetes: Im Jahr 2018 waren laut einer Studie 6,8 Prozent aller Frauen in Deutschland, die ihr Baby in einem Krankenhaus zur Welt gebracht hatten, betroffen. Fünf Jahre zuvor wurde hingegen nur bei 4,6 Prozent dieser Gruppe der sogenannte Gestationsdiabetes (GDM) festgestellt. Das berichten Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Unter den 752.773 Frauen, die 2018 ihr Kind in einer Klinik bekommen haben, wurde bei 51.318 ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. 2013 waren es 29.735 Fälle bei 652.479 Klinikgeburten.

Der sogenannte Gestationsdiabetes ist eine Störung des  Blutzuckerspiegels, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Der  Körper reagiert nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin. Dadurch wird  der Zucker aus dem Blut schlechter in die Zellen befördert. Die Folge:  Der Blutzuckerspiegel steigt. In der Regel erledigt sich das Problem  nach der Geburt von selbst und die Werte normalisieren sich.

In vielen  Fällen lässt sich während der Schwangerschaft mit Bewegung und gesunder  Ernährung gegensteuern. Außerdem sollten die werdenden Mütter darauf achten, trotz  Schwangerschaft nicht allzu viel an Gewicht zuzunehmen. Wenn diese  Maßnahmen nicht ausreichen, um den Blutzucker in den Griff zu bekommen,  müssen die betroffenen Frauen Insulin spritzen.

Gefahren für Mutter und Kind

Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden: Das Risiko  für Frühgeburten und Kaiserschnitte steigt. Die Frauen haben  außerdem ein höheres Risiko, eine sogenannte Präeklampsie zu bekommen.  Eine ernste Komplikation, die umgangssprachlich  Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Die Babys kommen häufiger  mit Fehlbildungen zur Welt und sind bei der Geburt oft schwerer - was das Risiko für Geburtsverletzungen erhöht.

Langfristig besteht für Mütter mit  Schwangerschaftsdiabetes Studien zufolge ein höheres Risiko, an  Typ-2-Diabetes zu erkranken, und ihre Kinder neigen eher zu Übergewicht.

Screening ermöglicht frühe Behandlung

Um  diesen Gefahren  vorzubeugen, gibt es in Deutschland seit 2012 ein  Screening zur  Früherkennung. Es soll routinemäßig allen schwangeren  Frauen zwischen  der 24. Und 28. Schwangerschaftswoche angeboten werden.  Dabei handelt  es sich um ein sogenanntes zweistufiges Screening:  Zunächst wird ein  Vortest gemacht, bei dem die Schwangere ein Glas mit in Wasser gelöstem Traubenzucker trinkt. Eine Stunde  später wird der  Blutzucker gemessen.

Übersteigt dieser einen bestimmten Grenzwert, steht  ein zweiter Test  ("Oraler Glukosetoleranztest") zur Diagnose an. Dabei trinkt die Frau, diesmal nüchtern, erneut eine definierte Menge einer Traubenzuckerlösung. Ihre Blutzuckerwerte werden direkt vor dem Trinken der Lösung sowie eine und zwei Stunden danach gemessen. Ist eines der drei Messergebnisse höher als die Normwerte, stellt der Arzt oder die Ärztin die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes.

Die gute Nachricht ist laut der   Studie der RKI-Wissenschaftler: Neun von zehn Frauen (89,9 Prozent)   nahmen 2018 an dem Screening teil. 2016 waren es weniger, nämlich 83,4   Prozent.

Zuwenige Mütter bei der Nachsorge

Ein   großes  Problem ist allerdings die Nachsorge. Laut der   Behandlungsleitlinie  zum Gestationsdiabetes sollen die Patientinnen  sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ihre   Blutzuckerwerte  kontrollieren lassen. Dazu steht wieder ein Glukosetoleranztest an - eigentlich. Aber: Laut   dem  sogenannten GestDiab-Register, ein Verzeichnis zu Diabetes und    Schwangerschaft, nahmen zwischen 2013 und 2017 nur vier von zehn der betroffenen Mütter diesen Termin wahr, wie Experten auf dem diesjährigen Diabeteskongress berichteten.    Ob sich die hohen Blutzuckerwerte also wirklich mit der Geburt wieder normalisiert haben, wissen 60 Prozent der jungen Mütter also nicht.

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