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Gelber Enzian: Bitterstoffe für die Verdauung

Enzianwurzel enthält reichlich Bitterstoffe, die unter anderem bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit helfen können

von Dr. Martina Melzer, Dr. Martin Allwang, aktualisiert am 24.11.2020

Gelber Enzian – kurz erklärt

Der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) ist eine bekannte Alpenpflanze und wird zur Herstellung von Schnaps sowie als Heilkraut verwendet. Durch die enthaltenen Bitterstoffe regt er den Appetit an und unterstützt die Verdauung.

Gelber Enzian

Welche Inhaltsstoffe kommen im Gelben Enzian vor?

Arzneilich wirksam ist die Enzianwurzel. Sie enthält sogenannte Secoiridoid-Bitterstoffe, zu denen die Substanzen Gentiopikrosid und Amarogentin zählen. Amarogentin ist maßgeblich für den bitteren Geschmack der Enziangewächse verantwortlich. Daneben stecken gelbe Farbstoffe – die Xanthone – in der Wurzel, reichlich Kohlenhydrate wie Glukose und Fruktose sowie etwas ätherisches Öl.

Gegen was hilft Gelber Enzian?

  • Appetit anregen, Verdauung unterstützen

Verantwortlich für die Wirkung des Gelben Enzians sind die Bitterstoffe. Sie regen Geschmacksnerven auf der Zunge an und bewirken dadurch reflektorisch, dass mehr Speichel und Magensäure gebildet wird. Außerdem schütten spezielle Zellen im Magen aufgrund dieses Reizes vermehrt das Verdauungshormon Gastrin aus. Es steigert ebenfalls die Ausschüttung von Magensaft sowie die von Gallensäften. Diese Mechanismen regen den Appetit an und bringen die Verdauung auf Trab.

Zubereitungen aus Enzianwurzeln helfen deshalb bei Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen und Gallenstörungen. Enzian gibt es unter anderem als Tee oder in Form von Tropfen. Häufig kommt die Heilpflanze darin zusammen mit anderen Bittermitteln vor – wie Wermut, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn oder Benediktenkraut.

  • Erkältung

Laborexperimente haben gezeigt, dass Enzian-Inhaltsstoffe festsitzenden Schleim aus den Atemwegen lösen können. Aus diesem Grund sind Extrakte aus der Wurzel in pflanzlichen Kombinationspräparaten enthalten, die bei Entzündungen in Nase, Rachen und Bronchien angewendet werden – beispielsweise bei einer Nasennebenhöhlenentzündung.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Wenn Sie ein solches Mittel einnehmen, weil Sie Ihren Appetit anregen möchten, dann wenden Sie Tropfen oder Tee mindestens eine halbe Stunde vor dem Essen an!

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Menschen, die an einem Geschwür im Magen oder im Zwölffingerdarm leiden, sollten Enzian nicht verwenden.

Wer Enzian in hoher Konzentration einnimmt, kann Magen- oder Kopfschmerzen bekommen. Schwangere sollten vorsichtshalber ganz auf Enzianzubereitungen verzichten.

Wichtig: Lassen Sie sich zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten der Heilpflanze in der Apotheke beraten.

Quellen:

Wichtl M: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2016