Es sind beunruhigende Nachrichten: Auch wenn Menschen nur einer geringen Luftverschmutzung unterhalb der offiziellen Obergrenzen ausgesetzt sind, drohen ihnen langfristige Gesundheitsschäden. Das ergab eine europäische Langzeitstudie unter Beteiligung der Universität Ulm, veröffentlicht im British Medical Journal.

Langjährige internationale Studie

An der Studie nahmen 325000 Teilnehmer aus sechs Ländern teil: Deutschland, Österreich, Schweden, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden. Rund 47000 Personen starben in dem analysierten Zeitraum von rund 19,5 Jahren.

Ein internationaler Forscherverbund untersuchte, wie stark die Teilnehmer an ihren jeweiligen Wohnorten Feinstaub, Stickoxiden und Rußpartikeln ausgetzt waren. Dabei zeigte sich: Erhöhte Belastungen steigerten das Risiko für einen frühzeitigen Tod. Mit jeder zusätzlichen Feinstaubdosis von fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zum Beispiel kletterte das Sterberisiko um 13 Prozent.

Schon ab sehr niedrigen Dosen erhöhtes Sterberisiko

Negative Effekte fanden sich auch bei sehr niedrigen Dosen unterhalb der für die europäische Union festgelegten Obergrenzen. So gilt etwa für Stickstoffdioxide ein Jahresmittelwert von maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Doch selbst bei Personen, die weniger als der Hälfte ausgesetzt waren, erhöhte sich das Sterberisiko. Und zwar um fast 10 Prozent bei einem Anstieg um 10 Mikrogramm Stickoxiden pro Kubikmeter Luft.

„Luftverschmutzung trägt – wie aus früheren Studien bereits bekannt – ursächlich zu vielen chronischen Erkrankungen bei, was maßgeblich zur erhöhten Sterblichkeit führt. Selbst bei niedrigen Verschmutzungswerten unterhalb der geltenden Grenz- und Richtwerte ist Luftverschmutzung noch gefährlich“, kommentiert Dr. Gudrun Weinmayr die Ergebnisse. Weinmayr ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie der Uni Ulm und hat an der Studie mitgewirkt.

WHO fordert strengere Grenzwerte

Die Ergebnisse seien ein wichtiger Beitrag zur Debatte rund um die Überarbeitung von Luftqualitätsgrenzwerten und zur Anpassung von Leitlinien und Normen sowie für die künftigen Bewertungen der globalen Krankheitslast. So fordert die Weltgesundheitsorganisation schon seit längerem strengere Grenzwerte in der EU-Luftqualitätsrichtlinie.

Fest steht: Feinstaub, Stickoxide und Rußpartikeln schaden nicht nur der Lunge. Sie erhöhen darüber hinaus auch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes, Demenzen und weitere Erkrankungen.

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