„Extra noch 'ne Packung vorm Wochenende besorgt“, schreibt ein Nutzer im Internet. In den sozialen Medien ist zuletzt um das Medikament Elotrans ein regelrechter Hype entstanden. Dabei wird immer wieder behauptet: Ein Beutelchen der Trinkmischung würde nach ein paar Glühwein zu viel auf dem Weihnachtsmarkt oder einer durchzechten Partynacht den Kater wie von Zauberhand verschwinden lassen.

Behauptung: Das Durchfallmittel Elotrans wirke beim Kater nach einer Partynacht wie ein Wundermittel.

Bewertung: Irreführend. Es gibt preiswertere Alternativen, die mindestens genauso gut helfen.

Fakten: Mit dem Pulver lässt sich eine Elektrolytlösung zum Trinken herstellen. Damit lassen sich starke Salz- und Flüssigkeitsverluste, wie sie etwa bei Durchfallerkrankungen entstehen können, ausgleichen. Das rezeptfreie Mittel aus der Apotheke kostet pro Dosis etwa 70 Cent. Neben Elotrans gibt es in der Apotheke auch andere, ähnliche Mittel wie Oralpädon.

Influencer hatten die Präparate bei einem Kater empfohlen, aber auch der Hersteller selbst hat in den sozialen Medien mit der Verwendung für diesen Zweck geworben. Im vergangenen Sommer sei die Nachfrage dann in den Apotheken aufgefallen, erinnert sich Stefan Fink, Vorstand der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Die große Nachfrage habe wiederum zu Lieferengpässen geführt. Man könne nicht damit rechnen, dass Elotrans demnächst wieder in ausreichender Menge verfügbar sei, warnt Fink. Oralpädon ist schon seit Sommer von einem Lieferengpass betroffen.

Wie gut wirken Elektrolytmischungen gegen Kater?

Starker Alkoholkonsum könne sich auf den Elektrolythaushalt im Körper auswirken, erklärt Heiner Wedemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). In diesem Fall führe die Einnahme einer Elektrolymischung eventuell zu einer Verbesserung, sagt Wedemeyer und schränkt ein: „Aber die Effekte werden nicht groß sein.“

Zu den Symptomen eines Katers zählen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung etwa Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und ein generelles Krankheitsgefühl.

Was hilft sonst gegen Kater?

„Wenn man Alkohol konsumiert, sollte man darauf achten, dass man dann auch mineralhaltige Stoffe dazu mittrinkt“, erklärt Stefan Fink. Das könne etwa ein Apfel- oder Orangensaft sein. Im Vergleich zu Elektrolytmischungen sagt der Apotheker: „Wenn man eine Apfelsaftschorle trinkt und dann noch eine Banane dazu isst, dann haben Sie quasi den gleichen Effekt.“

Ähnlich sieht das auch Experte Wedemeyer: „Die guten alten Hausmittel sind gleichwertig.“ Die Anti-Kater-Tipps des Ernährungsexperten: „Ausreichend trinken, Kohlenhydrate zufügen, gegebenenfalls eine Kopfschmerztablette, zum Beispiel Aspirin, salzig essen.“

Wofür werden die Mittel eigentlich eingesetzt?

Elektrolytmischungen sind Arzneimittel zum Ausgleich eines Flüssigkeitsmangels, etwa bei Durchfallerkrankungen. In der Regel enthält das Gemisch, das man in einem Glas Wasser auflösen und anschließend trinken soll, Salze (Elektrolyte) und Glucose.

Apotheker Fink sieht zwei eigentliche Hauptanwendungsgebiete für das Mittel: Zum einen sei es für Säuglinge und Kleinkinder bei Durchfallerkrankungen und Erbrechen gedacht, zum anderen würden es Reisende, die Angst vor Magen-Darm-Infekten unterwegs hätten, prophylaktisch kaufen.

Mit dem Hype, übermäßigem Alkoholgenuss damit zu begegnen, geht Fink deshalb hart ins Gericht: „Es ist nicht notwendig, dass man Medikamente für Säuglinge wegkauft.“ Denn, wie es im Beipackzettel der Arznei heißt: „Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern können Durchfälle, besonders bei gleichzeitigem, unstillbarem Erbrechen, rasch zu schweren Krankheitserscheinungen führen.“ Dazu zählen Bewusstseinstrübungen und Schocks.

Welche Nebenwirkungen und andere Gefahren gibt es?

Bei einem übermäßigen Konsum der Elektrolytmischung könne es zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln – etwa Herzmedikamenten – kommen, erklärt Apotheker Fink.

Auch Wedemeyer warnt: „Wenn andere Erkrankungen vorliegen, zum Beispiel eine Niereninsuffizienz, oder andere Medikamente genommen werden, kann man Probleme bekommen.“

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