Baby und Familie

Fieber beim Kind – wann zum Arzt?

  • Ab welcher Temperatur beginnt Fieber? Ab 37,6 Grad Celsius spricht man von erhöhter Temperatur, von Fieber bei Kindern meist ab 38,5 Grad Celsius. Bei Erwachsenen und Säuglingen unter drei Monaten gelten bereits Temperaturen ab 38 Grad als Fieber. Hohes Fieber hat ein Kind ab 39 Grad Celsius.
  • Wann zum Arzt? "Je jünger das Kind ist, desto früher sollte es zum Kinderarzt", empfiehlt Julia Bark, Apothekerin aus Kaiserslautern. Mit Babys unter drei Monaten sollte bereits bei einer Temperatur ab 38 Grad Celsius stets die kinderärztliche Praxis oder der Notdienst aufgesucht werden. Und immer, wenn es dem Kind sichtlich schlecht geht, es abgeschlagen und teilnahmslos wirkt, nichts oder zu wenig trinkt, Schmerzen hat, weitere Symptome wie Hautveränderungen, Nackensteife oder Durchfall dazukommen oder wenn das Fieber nach ein (Kinder bis zwei Jahre) bis drei Tagen nicht verschwunden ist.
  • Gut vorbereitet: "Dokumentieren Sie die Messwerte beim Fiebermessen über einige Stunden. Das liefert dem Arzt wichtige Informationen", rät die Apothekerin.

Messung in Po, Mund oder Achsel mit dem Kontaktthermometer

Anwendung: Besonders für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen Kinder- und Jugendärzte, die Temperatur rektal, also im After, zu ermitteln. "Damit messen Sie nah am Körperkern, die Fehlerquote ist sehr gering", sagt Apothekerin Julia Bark. Die Spitze leicht eincremen und das Thermometer behutsam ein bis maximal zwei Zentimeter tief in den Po einführen. Dort belassen, bis der Wert nicht mehr steigt oder bis zum Piepton. Nach dem Messen mit warmem Wasser und etwas Seife abspülen, bei Magen-Darm-Infekten möglichst desinfizieren - die Gebrauchsanweisung beachten. Mit Hygiene-Schutzhüllen aus der Apotheke können Sie es sich hier vielleicht etwas einfacher machen. Lassen Sie sich dazu beraten.

Bei der sublingualen Messung wird das Thermo­meter möglichst weit hinten im Mund und unter der Zunge platziert. Sie eignet sich eher für größere Kinder und Erwachsene. Diese sollten in der letzten halben Stunde vor der Messung weder Heißes noch Kaltes zu sich nehmen; das könnte das Ergebnis verfälschen.

Vergleichsweise ungenau ist die Messung in der ­Achselhöhle. Sie misst nur die Temperatur der Haut, die Schwankungen können zum Teil groß sein. Zudem dauert sie relativ lange.

Geeignet für: Die rektale (im After) Messung eignet sich für alle Altersgruppen, vom Baby bis zum Schulkind. Die orale (im Mund) oder ­axiale (in der Achsel) Messmethode ist erst ab dem Vorschulalter möglich, weil das Kind dabei aktiv mitwirken und länger stillhalten muss.

Funktionsweise: Kontaktthermometer gibt es in zwei Varianten, die unterschiedlich funktionieren:

  • Sogenannte Ausdehnungsthermometer bestehen aus Glas und ver­fügen über eine Messskala. In ihrem Inneren befindet sich ein Röhrchen, gefüllt mit der farbigen Substanz, die sich unter Einfluss von Körperwärme ausdehnt. Giftiges Quecksilber, das früher verwendet wurde, kommt heute üblicherweise nicht mehr zum Einsatz.
  • Digitale Fieberthermometer aus Kunststoff enthalten einen elek­trischen Sensor, der die Temperatur erfasst. Die Körperwärme verändert den elektrischen Widerstand des Sensors. Dies wird von einer elek­tronischen Schaltung ausgewertet. Ist die Messung abgeschlossen, ertönt ein akustisches Signal, und auf dem Display erscheint der Messwert.

Messgenauigkeit: Beide Thermometer messen sehr genau. Das Messergebnis hängt allerdings auch davon ab, wie geübt der Anwender ist und wo gemessen wird.

Vorteile: In der Anschaffung eher günstig; Ersatzbatterien kosten extra.

  • Glasthermometer sind auch für Patienten mit Nickel-Kontaktallergie geeignet.
  • Digitale Thermometer messen innerhalb von Sekunden (circa 30 bis 60 Sekunden, manche schneller) und eignen sich besonders für unruhige Babys oder Kleinkinder. Manche Modelle speichern bis zu zehn Messwerte. Einige haben eine angenehm weiche Spitze.

Nachteile: Glasthermometer können zerbrechen, haben eine feste Spitze, das Messen erfordert Geduld (etwa fünf Minuten). Digitale Fieberthermo­meter benötigen eine Batterie.

Messung im Ohr mit dem Ohrthermometer

Anwendung: Die Messspitze des Thermo­meters wird vorsichtig in den Gehörgang geführt. Der Sensor soll exakt aufs Trommelfell ausgerichtet sein, damit die Messung zuverlässig ist. Bei Säuglingen und Kleinkindern muss dazu die Ohrmuschel etwas nach hinten oben gezogen werden.

Geeignet für: Kinder, die die rektale Messung nicht tolerieren. Kleine Säuglinge haben noch sehr enge Gehörgänge, das kann die Messung erschweren. Es erfordert etwas Übung, um falsche Messwerte zu vermeiden. Die Apotheke kann dazu beraten, welches Gerät sich für das Alter des Kindes eignet.

Funktionsweise: Ein Infrarotsensor misst die Wärmestrahlung des Trommelfells. Die Ohrtemperatur liegt wegen der Nähe zum Blutkreislauf des Gehirns nahe bei der tatsäch­lichen Körperkerntemperatur. Der Messwert wird auf einem Display digital angezeigt.

Messgenauigkeit: Gut bis mittel. Die Qualität der Messung hängt von der Erfahrung desjenigen ab, der misst. "Lassen Sie sich die Handhabung beim Kinderarzt zeigen", so Julia Bark. Wird das Thermometer nicht exakt positioniert, kann das Ergebnis Eltern in trügerischer Sicherheit wiegen. Der kleine Patient sollte vor dem Messen nicht auf dem jewei­ligen Ohr liegen, da dies das Ergebnis verfälschen kann.

Vorteile: Messung in wenigen Sekunden, die Messstelle ist leicht zugänglich. Recht hygienisch, besonders wenn eine Schutzkappe zum Einsatz kommt, die nach jeder Messung ge­wechselt wird. Manche Geräte speichern mehrere zurückliegende Messwerte. Oder die Ergebnisse können über eine App verwaltet werden.

Nachteile: Die schwierige Handhabe für Laien (außer bei Geräten, die mit Licht und Signalton anzeigen, wenn die Position stimmt). Die Messgenauigkeit hängt von der Anatomie des Ohres ab. Das Kind muss stillhalten. Bei Ohrentzündungen ungeeignet. Meist teurer als viele Glas- und Digitalthermometer.

Messung an der Stirn mit dem Stirnthermometer

Anwendung: Je nach Bauart des Geräts wird der Sensor sanft über die Stirn gerollt oder unterhalb der Schläfe angesetzt. Einige Geräte funktionieren ohne Hautkontakt.

Geeignet für: Alle Altersgruppen.

Funktionsweise: Ein Infrarotsensor ermittelt die Temperatur an Stirn oder Schläfe, ein zweiter Sensor misst die Umgebungstemperatur. Daraus errechnet das Gerät die Körpertemperatur.

Messgenauigkeit: Mittel. Größere Abweichungen sind möglich. Bei kontaktloser Messung sind die Ergebnisse unzuverlässiger.

Vorteile: Ergebnis innerhalb weniger Sekunden. Man kann Fieber ­messen, während das Kind schläft. ­Hy­gienisch, da nicht in Körperöffnungen gemessen wird.

Nachteile: Je nach Gerät geringe Messgenauigkeit. Es ist meist relativ teuer.

Besondere Thermometer

Bluetooth-Klebepad

Bei kleinen Patienten, deren Körper­temperatur ständig überwacht werden muss, kann die Bluetooth-­Variante mit Klebepad eine Lösung sein. Hierbei wird ein Kunststoffpad, das aussieht wie ein großes Pflaster, unter einer Achsel auf die Haut geklebt. Das dazugehörige Steuer­gerät wird in wenigen Metern Entfernung positioniert. Kunststoffpad wie Steuergerät müssen sich eine Zeit lang an die Raumtemperatur "gewöhnt" haben, bevor die erste Messung vorgenommen werden kann. Gebrauchsanweisung beachten!

Schnullerthermometer

Ein integrierter Sensor im Nuckel misst die Temperatur im Mund und zeigt den Wert digital an. "Allerdings sind die Messwerte sehr un­genau, und das Kind muss den Schnuller etwa fünf Minuten ununterbrochen im geschlos­­senen Mund behalten", sagt Apothekerin Julia Bark.

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