Baby und Familie

Wie gut, dass es Harry Potter gibt. Denn prominente Brillenträger wie er haben das ehemals verpönte Nasenfahrrad bei Kindern populärer gemacht. Die Zeiten der "Brillenschlange"-Hänseleien sind hoffentlich größtenteils vorbei. Der Trend bei der Optik geht sogar in die andere Richtung: je auffälliger, desto besser! Außer der Stilfrage gibt es zu Kinderbrillen jedoch einiges zu beachten.

Kinder: Auch zum Augenarzt?

Laut Professor Hermann Dieter Schworm, Facharzt für Augenheilkunde aus München, benötigen etwa zehn bis 20 Prozent aller Kinder eine Brille, um Sehfehler auszugleichen. Doch nicht jedes dieser Kinder trägt eine. Den Eltern fallen die Sehprobleme ihrer Kleinen nicht immer rechtzeitig auf. "In seltenen Fällen werden Eltern durch vermehrtes Blinzeln oder Zukneifen der Augen ihrer Kinder aufmerksam", sagt Schworm. "Es gibt kein zuverlässiges Kriterium für gutes oder schlechtes Sehen. Deshalb sollten Eltern mit ihren Kindern unbedingt innerhalb der ersten drei Lebensjahre eine Untersuchung beim Augenarzt durchführen lassen." Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) empfiehlt bereits eine Augenkontrolle bei sechs bis zwölf Monate alten Kindern, wenn familiär ein erhöhtes Risiko für Schielen, Fehlsichtigkeit oder erbliche Augenerkrankungen vorliegt. Achtung: Anders als für die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt müssen die Kassen die Kosten hier nicht unbedingt übernehmen. Informieren Sie sich also gegebenenfalls vorab bei Ihrer Krankenkasse oder Ihrem Augenarzt, ob sie diese Untersuchung selbst bezahlen müssen.

Auch bei einigen Vorsorgeuntersuchungen wie der U5 (6. bis 7. Lebensmonat) sowie bei der U7a (34. bis 36. Lebensmonat) prüft der Kinderarzt die Sehfunktionen.  Häufig bieten Augenärzte gegen Gebühr einen Geräte-Suchtest auf  Augenveränderungen an. Bei Auffälligkeiten überweist der Kinderarzt den  kleinen Patienten an den Augenarzt. "Viele Sehfehler sind verborgen und  können nur durch spezielle augenärztliche Untersuchungen festgestellt  werden", erklärt Schworm. Deswegen kann eine gezielte Untersuchung beim  Augenarzt gerade bei familiärer Vorbelastung sinnvoll sein.

Kinderbrille sollte biegsam und leicht sein

Muss das Kind künftig eine Sehhilfe tragen, sollten es die Eltern auf  jeden Fall bei der Wahl der Brille mitentscheiden lassen. Und keine  Angst: Inzwischen gibt es Kinderbrillen in allen Formen und Farben.  Neben der ästhetischen Komponente sind Passform und Verarbeitung  wichtig. Achten Sie darauf, dass die Brille stabil und leicht ist.  Empfehlenswert: Bügel mit Federscharnieren. Die brechen nicht ab, selbst  wenn man sie nach hinten biegt.

Für manche Kinder ist eine Brille mit elastischen Bügeln ideal,  sogenannten Sportbügeln, die passgenau hinter dem Ohr sitzen. "Außerdem  verschreiben wir Kunststoffgläser, damit bei einem Sturz keine  Glassplitter das Auge verletzen können," so Schworm. "Die Augen sollten  durch die Mitte des Glases schauen, und die Gläser verhältnismäßig klein  und möglichst rund oder oval geformt sein." Häufig wählen Eltern zu  große Fassungen. Das bedeutet nur unnötiges Gewicht auf der Nase.  Deshalb: Suchen Sie sich einen Optiker, der mit dem Anpassen von  Kinderbrillen Erfahrung hat. Für jede Altersgruppe gibt es die passenden  Modelle.

Brille: Positive Einstellung der Eltern hilft dem Kind

Trotzdem: Gerade am Anfang ist die Brille ein Fremdkörper im Gesicht   Ihres Kindes, an den es sich gewöhnen muss. Dazu braucht es positives   Feedback. Hier sind die Eltern gefordert: Wenn Sie die Brille als   Einschränkung oder Handicap wahrnehmen, wird es Ihr Kind sehr   wahrscheinlich auch tun. "Der größte Fehler ist, wenn eine Mutter neben   ihrem Kind ihr eigenes  Unbehagen über die Brillenverordnung zum   Ausdruck bringt oder gar in  Tränen ausbricht," berichtet der Experte   aus eigener Erfahrung. "Dann  ist nicht mehr damit zu rechnen, dass das   Kind unbefangen an das Thema  herangeht." Deswegen ist ein möglichst   normaler Umgang mit dem neuen Hilfsmittel ganz wichtig.

"Die Brille sollte routinemäßig wie auch die Kleidung jeden Morgen    angezogen werden", sagt Schworm. Bauen Sie dabei keinen Druck auf.    Aussagen wie "Wenn du die Brille nicht aufsetzt, gibt es keine    Süßigkeiten mehr" bringen meist nichts – nur, dass das Brilletragen dann    negativ besetzt wird. Besprechen Sie im Vorfeld kurz mit den    Erzieherinnen oder Lehrkräften diese Neuerung, damit sie möglichen    Unsicherheiten sensibel begegnen können. Die Erfahrung des Augenarztes    ist: "Je jünger die Kinder sind, desto schneller gewöhnen sie sich an    die Brille." Gerade die Kleinen sind da glücklicherweise oft sehr    pragmatisch: Schon nach kurzer Zeit stellen sie fest, dass sie mit der    Brille besser sehen können und tragen sie aus diesem Grund gerne.

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