3-D-Drucker können Gegenstände Schicht für Schicht aus Kunststoff, Keramik oder Metall aufbauen. So entstehen zu überschaubaren Kosten Einzelstücke mit individuellen Maßen – Zahnkronen zum Beispiel, Schuhleisten, Puppenköpfe oder Maschinenbauteile. Warum sie mit dem 3-D-Drucker eine Unterarmgehstütze hergestellt hat, erzählt Veronika Selmaier aus Hohenpolding im Interview; sie studiert Ingenieurspädagogik an der Hochschule Landshut.

Frau Selmaier, Sie haben im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit eine Unterarmgehstütze hergestellt, die mehr bietet als die Exemplare aus dem Sanitätshaus. Was genau haben Sie entwickelt?

Veronika Selmaier: Die Standardgehstützen sind Massenprodukte, die man nur in der Länge verstellen kann. Meine Gehstütze dagegen wird perfekt angepasst. So entspricht die Handablage hundertprozentig dem individuellen Handabdruck und ist zudem gepolstert. Spezielle Dämpfungselemente fangen Stöße ab, und für mehr Sicherheit im Dunkeln können vorne und hinten kleine Lampen angebracht werden; auch die Farbe ist frei wählbar. Meine Gehstütze lässt sich also so gestalten wie man es wünscht.

Für wen eignet sich eine Gehstütze nach Maß?

Eine Unterarmgehstütze eignet sich besonders für Menschen, die auf eine dauerhafte Benutzung angewiesen sind. Wenn man längere Zeit damit herumlaufen muss, sollte die Gehstütze möglichst komfortabel sein. Sonst könnten weitere gesundheitliche Probleme durch die Nutzung selbst entstehen. Ist die Gehstütze nach den eigenen Wünschen und Maßen gefertigt, ist sie nicht nur komfortabler, sondern sieht auch besser aus. Das macht es leichter, sie zu akzeptieren.

Die meisten Bauteile Ihrer Gehstütze haben Sie mit einem 3-D-Drucker hergestellt. Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe die Länge und den Umfang des Unterarms und das Gewicht einer Testperson gemessen, ihren Handabdruck gescannt und mit den Daten einen 3-D-Drucker gefüttert. Der hat mit speziellen Kunststoffen die Handablage und das Oberteil gedruckt; nur das Unterteil ist ein Rohr aus Carbon. Inklusive der Lampen wiegt meine Gehstütze dadurch auch 15 Prozent weniger als ein Standardexemplar aus der Massenproduktion.

Wie sind Sie auf die Idee für die 3-D-gedruckte Gehstütze gekommen?

Ich hatte vorher ein Praxissemester in der Konstruktion von Ventilatoren und Motoren für Lüfter gemacht und dort selbst Bauteile konstruiert. Das fand ich sehr interessant und wollte daher meine Bachelorarbeit in der Konstruktion machen. Auf die Gehstütze kam ich, weil sie einen Mehrwert hat und den Menschen vielleicht wirklich etwas bringt.Meine Gehstütze aus dem 3-D-Drucker wäre eigentlich sofort einsatzbereit.

Veronika Selmaier, Absolventin des Studienganges Ingenieurpädagogik der Hochschule Landshut hat die maßgefertigte Gehstütze entworfen.

Veronika Selmaier, Absolventin des Studienganges Ingenieurpädagogik der Hochschule Landshut hat die maßgefertigte Gehstütze entworfen.

Wo kann eine Gehstütze aus dem 3D-Drucker kaufen?

Im Moment nirgendwo, kein Hersteller bietet meines Wissens dergleichen an. Die 3-D-Gehstütze ist ein Forschungsprojekt. Bevor sie in den Verkauf gehen könnte, müsste eine Zertifizierungsstelle wie der TÜV sie abnehmen. Das ist momentan aber nicht geplant.

Wird das Sanitätshaus um die Ecke in absehbarer Zeit eine solche Gehstütze nach Maß herstellen können?

Das glaube ich nicht, denn um die 3-D-Gehstütze individuell anzupassen, muss die Konstruktionsdatei für den Drucker verändert werden. Das wird im Sanitätshaus um die Ecke nicht gehen. Dort könnten aber die Maße der Person genommen und an einen Dienstleister übermittelt werden, der dann die Gehstütze druckt und zusammenbaut. Ob Sanitätshäuser diesen Service bieten werden, wird die Zukunft zeigen.

Frau Selmaier, vielen Dank für das Interview.

Zur Person:

Veronika Selmaier ist Absolventin des Studienganges Ingenieurpädagogik der Hochschule Landshut. Ihre Bachelorarbeit hat Prof. Dr.-Ing. Raimund Kreis betreut; er lehrt Konstruktion und Entwicklung sowie Technische Mechanik an der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die 3D-Drucke wurden in Zusammenarbeit mit Prof. Dr.-Ing. Norbert Babel realisiert; er leitet das Labor für Additive Fertigung der Fakultät Maschinenbau.

 

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