Toxisches Schocksyndrom: Was ist das?

Wenn Tampons oder bestimmte Verhütungsmittel zu lange in der Scheide bleiben, können sich giftige Stoffe bilden. Wie gefährlich das Toxische Schocksyndrom ist

von Dr. Claudia Osthoff, 21.07.2016

Vergessen ist gefährlich: Tampons sollte man regelmäßig wechseln


Giftbildende Keime verursachen das Toxische Schocksyndrom

Die manchmal auch Tamponkrankheit genannte Erkrankung im Rahmen der Menstruation entsteht durch giftige Stoffe (Toxine) von Bakterien namens Staphylokokken, die eigentlich zur normalen Flora der Haut und Schleimhäute – vor allem in der Nase und Scheide – gehören. Nur einzelne Stämme können mitunter solche Gifte (Toxine) bilden. Die genauen Zusammenhänge sind noch unklar.

Zu lange in der Scheide liegende, extrem saugfähige Tampons begünstigen aber offenbar die Vermehrung von Keimen, etwa der gefürchteten Toxinbildner. Ihre Gifte können schnell in den Kreislauf gelangen. In der Folge kommt es zu plötzlichem Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Muskelschmerzen, Blutdruckabfall, Schwindel und Benommenheit. Im weiteren Verlauf kann ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag auftreten.

Extrem selten ist ein TTS auch beim Gebrauch des Diaphragmas oder der Verhütungskappe möglich, hier auch ohne Menstruationsblutung. Ausschlaggebend ist eine zu lange Benutzungsdauer: beim Diaphragma über 24 Stunden, bei der Verhütungskappe über 48 Stunden.

Was tun?

Den Tampon oder das Diaphragma / die Verhütungskappe sofort entfernen, wenn plötzlich unklares Fieber und andere Beschwerden wie beschrieben auftreten. Sich unverzüglich zum Arzt bringen lassen oder je nach Zustand den Notarzt alarmieren. Blutdruck kontrollieren lassen! Die rechtzeitige Gabe von Antibiotika kann das Krankheitsbild stoppen. Umgehende Beobachtung und Behandlung in der Klinik ist aber erforderlich, um bedrohliche Komplikationen zu vermeiden.

Übrigens: Bei Wundinfektionen, etwa nach Verbrennungen, können prinzipiell alle Betroffenen, besonders auch Kinder, an einem TTS erkranken.

Vorbeugung

Hatte eine Frau schon einmal ein TSS, sollte sie die auslösenden Mittel wie Tampons oder intravaginale Barrieren zur Verhütung nicht mehr verwenden. Es gibt offenbar eine bestimmte, individuelle Anfälligkeit – eher bei jüngeren Frauen –, während die Mehrzahl der Frauen damit keinerlei Probleme hat. Vermutet wird, dass die Anfälligkeit mit einer Unreife des Immunsystems zusammenhängt.

Zu große Sorgen sind aber unbegründet. Erstens ist das Problem ausgesprochen selten, und es ist behandelbar. Zweitens kann man dem Risiko durch umsichtiges, hygienisches Verhalten vorbeugen. Das heißt: Tampons wie empfohlen regelmäßig wechseln, ein Diaphragma oder Ähnliches nur so lange wie nötig in der Scheide belassen, anschließend gut säubern und hygienisch aufbewahren. Vor dem Einführen immer Hände waschen. Für die Nacht den Tampon erneuern oder durch eine Binde ersetzen. Auch die Verpackungen der Tampons informieren über die richtige Anwendung.