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Johanniskraut: Pflanzliches Mittel gegen Depression

Johanniskraut wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen eingesetzt. Johanniskrautöl, auch Rotöl genannt, kann Hautprobleme lindern

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 30.12.2019

Johanniskraut – kurz erklärt

Es gibt zahlreiche Johanniskraut-Arten. Als Medizin dient das Tüpfel-Johanniskraut, lateinisch: Hypericum perforatum. Es kann in depressiven Phasen die Stimmung aufhellen und beruhigen. Die Wirkung tritt nicht sofort ein. Johanniskraut kann mit vielen Arzneimitteln wechselwirken.

Johanniskraut

Welche Inhaltsstoffe kommen in Johanniskraut vor?

Als Arznei wird das ganze Kraut genutzt, also alle Pflanzenteile außer der Wurzel. Es enthält unter anderem rote Farbstoffe – die Naphthodianthrone –, zu denen die Substanzen Hypericin und Pseudohypericin gehören. Außerdem finden sich sogenannte Phloroglucinderivate in der Pflanze, insbesondere Hyperforin, sowie Flavonoide.

Gegen was hilft Johanniskraut?

  • Depressionen

Johanniskraut ist ein häufig angewandtes pflanzliches Antidepressivum, das die Stimmung aufhellen und nervöse Unruhe lindern kann. Vermutlich sind die Substanzen Hyperforin und Hypericin dafür verantwortlich. Wie genau sie Einfluss auf die Psyche nehmen, ist aber noch nicht ganz klar.

Wie gut Johanniskraut gegen eine depressive Verstimmung wirklich hilft, ist nach wie vor umstritten, da die Studien dazu zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dennoch hat sich der Einsatz des Heilkrauts bei einer vorübergehend auftretenden leichten bis mittelschweren Depression etabliert. Bitte klären Sie die Einnahme aber vorher mit dem Arzt ab!

  • Hautprobleme

Johanniskrautöl, wegen seiner Farbe auch Rotöl genannt, hat leicht entzündungshemmende Eigenschaften. Es soll kleine Wunden schneller verheilen lassen sowie bei Verstauchungen, Prellungen und leichten Verbrennungen helfen. Einmassiert in die Haut soll es zudem leichte Muskelschmerzen lindern. Diese traditionellen Einsatzgebiete beruhen auf Erfahrungswerten und nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Wann tritt die Wirkung ein? Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Johanniskraut gibt es unter anderem als Tablette, Kapsel, Tee und Tinktur. Es wirkt nicht sofort nach der ersten Gabe auf die Psyche. Mehrere Wochen können vergehen, bis sich ein positiver Effekt zeigt. Außerdem müssen die Präparate ausreichend hoch dosiert werden. In Johanniskraut-Tee kommen die Inhaltsstoffe in zu niedriger Konzentration vor, um eine stimmungsaufhellende Wirkung zu erzielen. Deshalb raten Experten davon ab.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Johanniskraut kann mit zahlreichen Medikamenten wechselwirken und zu teils gefährlichen Interaktionen führen. Es schwächt die Wirkung der anderen Mittel ab. Dies gilt unter anderem für Arzneimittel, die gegen HIV/AIDS helfen, die das Blut verdünnen (zum Beispiel Phenprocoumon), für bestimmte Krebsmittel, Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten und die Antibabypille. Johanniskraut darf nicht mit anderen Antidepressiva kombiniert werden.

Schwangere und Stillende sollten auf die Einnahme von Johanniskraut verzichten, ebenso Kinder und Jugendliche.

Der Inhaltsstoff Hypericin kann die Haut lichtempfindlicher machen und zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen führen, wenn Sie ihn innerlich anwenden. Johanniskraut kann selten zu Magen-Darm-Beschwerden, allergischen Hautreaktionen und Müdigkeit führen.

Wichtig: Lassen Sie sich zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten der Heilpflanze in der Apotheke beraten.

Quellen:

European Medicines Agency (EMA): Hyperici herba. Online: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/hyperici-herba (Abgerufen 12/2019)

National Center for Complementary and Integrative Health (NIH): St. John’s Wort. Online: https://nccih.nih.gov/health/stjohnswort/ataglance.htm (Abgerufen 12/2019)

Wichtl M: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2016

DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression: S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015. Online: https://www.leitlinien.de/nvl/depression