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Zeit zum Lernen: Tipps für Fremdsprachen

Sie wollten schon lange Ihre Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren? Dafür ist die Corona-Zwangspause die Gelegenheit. Der Online-Kurs ist aber nicht immer der beste Weg. Was sind die Alternativen?

von Von Elena Burbach, dpa, 06.04.2020
Frau liest ein Buch

Dem eigenen Lerntyp entsprechen: Wer gerne Bücher liest, kann durch fremdsprachige Literatur viel lernen


Die alten Schulbücher im Regal erinnern an ein lange aufgeschobenes Vorhaben: Endlich die eigenen Fremdsprachenkenntnisse auffrischen. Zahlreiche Online-Kurse und Sprach-Apps versprechen dabei Hilfe. Doch wer eine neue Sprache erfolgreich lernen will, sollte mehr tun.

Klare Ziele definieren

Damit es diesmal wirklich klappt, ist es wichtig, ein klares Ziel zu definieren. Das rät Britta Hufeisen, Leiterin des Sprachenzentrums an der Technischen Universität Darmstadt. Lernwillige sollten sich darüber bewusst werden, ob sie Texte schreiben wollen, ihre Grammatikkenntnisse verbessern, ihre Lesekompetenz stärken oder echte Kommunikation erlernen wollen. Sprachsoftware kann dabei je nach Ziel nur bedingt helfen: «Alles, was echter Diskurs ist - also Kommunikation, bei der es darum geht, sich inhaltlich weiterzuentwickeln - das schafft ein reiner Softwarekurs nicht.»

Wer hingegen neue Wörter pauken möchte, ist mit einfachen Apps zum Abfragen von Vokabeln gut beraten, meint Lars Kilian, Redaktionsleiter von wb-web, dem Weiterbildungs-Portal des Deutschen Institut für Erwachsenenbildung. Für Fortschritte im Business-Englisch sind Kurse mit Tutoren besser.

Strategische Rollenspiele

Empfehlenswert sind auch sogenannte Serious Games, rät Jörg Roche vom Institut für Deutsch als Fremdsprache an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Diese Form von Online-Lern-Spiel verfolgt einen handlungsorientierten Ansatz, bei dem Nutzer in strategischen Rollenspielen Aufgaben lösen müssen. Die Spiele sind in vielen Fremdsprache und teils kostenfrei verfügbar.

So müssen Anwender in einem Simulationsspiel zum Beispiel als Bürgermeister ein Klimakonzept für eine fiktive Gemeinde erstellen oder den Energiehaushalt berechnen. Durch den großen Kommunikationsanteil eignen sich die Spiele gut für den Spracherwerb.

Gerade Anfängern empfiehlt Roche, sich über ihre Interessen einer Sprache «entdeckend» zu nähern. Wenn man sich zum Beispiel für Autos, Kleider oder Fußball interessiert, kann es hilfreich sein, sich darüber auf einer fremdsprachigen Webseite zu informieren.

Den eigenen Lerntyp kennen

Die falsche Herangehensweise und fehlende Erfolgserlebnisse können schnell frustrieren. Um die Motivation hoch zu halten, hilft es, den eigenen Lerntypen zu kennen. «Niemand lernt nur auditiv, kognitiv oder haptisch, aber wir haben natürlich Präferenzen», sagt Hufeisen.

Die könne man am besten durch Selbstbeobachtung einschätzen. Wenn man zum Beispiel gerne Bücher liest, kann es je nach Lernstand sinnvoll sein, mit fremdsprachiger Literatur zu lernen. Wer gerne auditiv lernt und sein Hörverständnis schulen möchte, sucht sich Podcasts.

Sprache im Kontext verstehen

Roche empfiehlt, sich mit Medien in einer Fremdsprache auseinanderzusetzen, die auch kulturellen Kontext enthalten. Denn: «Entscheidend für die kompetente Nutzung jeder Sprache ist der kulturelle Kontext des Sprachgebrauches. Kontextlose Sprache mit Drill-and-Kill-Methoden zu lernen, ist mühsam und sinnlos.» Wer nur Vokabeln büffelt, ohne wirklich zu verstehen, wie sie eingesetzt werden, hat wenig gewonnen. Aber es hilft schon, einen fremdsprachigen Film mit Untertiteln zu schauen.

Bei ähnlichen Wörtern anfangen

Selbst Anfänger sollten nicht vor solchen Methoden zurückschrecken: Sie sollten sich nur einfachere Themen oder Medien suchen und darauf aufbauen.

Eine neue Sprache könne man sich zum Beispiel über international ähnliche Wörter erschließen, erklärt Roche. Die Grenzen von Deutsch in andere Sprachen gingen mittlerweile fließend ineinander über. So finden sich viele deutsche Begriffe im Englischen wieder und umgekehrt. Mit etwas Disziplin und Mut können sich Lernwillige auf dieser Grundlage dann weiterhangeln. «So haben wir schließlich auch unsere Muttersprache gelernt.»

Online-Tandempartner suchen

Wer eine Sprache aus der Schulzeit wieder auffrischen will, hat es leichter. Dabei hilft das Strategiewissen aus früheren Lernerfahrungen. «Man erinnert sich daran, wie man früher Vokabeln gelernt hat und kann darauf zurückgreifen», sagt Hufeisen.

Der interaktive Austausch ist beim Spracherwerb entscheidend. Sprachtandem-Plattformen im Netz machen das relativ einfach. Dabei finden sich Lerninteressierte zusammen, die sich gegenseitig eine Sprache beibringen, erklärt Roche. Über Social Media oder andere Kanäle kann man auch einfach von zu Hause ins Gespräch kommen. Wichtig ist, dass sich die Tandempartner auf ein gemeinsames Interesse einigen.

Lernzeiten festlegen

«Lernen ist und bleibt ein anstrengender Prozess», so Kilian. Online eine Sprache zu lernen, wirke vielleicht abwechslungsreicher, bunter oder lebendiger, habe aber auch seine Tücken: «Ein oft beschriebener Effekt nennt sich «Lost in Hyperspace». Sprich, Lernende lassen sich ablenken, driften im Internet ab, klicken sich durch die Links und verirren sich im Netz.»

Kilian empfiehlt, entsprechende Lernzeiten frei zu halten und unter Umständen längere Lernphasen einzuplanen, etwa um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Auch eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Ziele sei ratsam. Dafür gebe es zwar viele Angebote, «aber die eigentliche Prüfung findet im Leben statt». Ob sich der Aufwand also gelohnt hat, stellt sich dann im nächsten internationalen Business-Meeting oder Urlaub heraus.


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