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Retardtabletten richtig einnehmen

Diese Tabletten setzen ihre Wirkstoffe verzögert frei. Sie haben dadurch viele Vorteile – bedürfen aber oft intensiver Beratung

von Barbara Kandler-Schmitt, 21.08.2020
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Nachgelesen, wie es richtig geht: Manche Tabletten darf man nicht teilen. Die Verpackung gibt Hinweise, wie die Arzneien eingenommen und dosiert werden sollen


Vorteil Apotheke

Retardtabletten gehören zu den beratungsintensivsten Arzneiformen. "Durch Anwendungsfehler kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen", warnt Dr. Claus Biechele, Apothekeninhaber aus Schwäbisch Gmünd.

Die Pluspunkte

  • Retardtabletten geben Wirkstoffe verlangsamt ab. Plötzliche, hohe Konzentrationen im Organismus werden so vermieden. "Durch die verzögerte Aufnahme des Medikaments kann das Risiko von auftretenden Nebenwirkungen deutlich minimiert werden", erläutert Apotheker Biechele.
  • Die Mittel enthalten meist die komplette Tagesdosis und setzen diese über den Tag verteilt frei. "Der Patient muss also nur ein- bis zweimal täglich an die Einnahme denken," sagt Biechele.

Das steckt drin

Retardtabletten enthalten oft hoch­wirksame Arzneistoffe, die Patienten längere Zeit oder dauerhaft gegen chronische Erkrankungen einnehmen müssen. "Bei Retardpräparaten lassen sich Wirkort und Wirkzeit präziser festlegen", erklärt Apotheker Biechele. "Durch die aufwendigere Herstellung sind retardierte Arzneiformen allerdings teurer als unretardierte Formen."

In der Regel nicht teilbar

Viele Patienten sind es gewohnt, ihre Tabletten im Fall einer reduzierten
Dosis zu teilen. Dies ist bei Retardtabletten meist nicht möglich: "Wer die Tablette teilt oder auflöst, provoziert einen sogenannten Dumping-Effekt: Der gesamte Wirkstoff wird auf einmal freigesetzt", sagt Biechele. Dadurch nehme die Wirkdauer des Medikaments ab, und es drohe ­eine Überdosierung.

Unterschiedliche Möglichkeiten

Bei Retardtabletten sichern Hilfsstoffe eine verzögerte Freisetzung des Arzneistoffs.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Nicht teil-, aber in Wasser auflösbar sind sogenannte Multiple-Unit-Pellet-Systeme. Der Wirkstoff steckt hier in Mikrokügelchen, die magensaftresistent überzogen und anschließend zu einer Tablette verpresst wurden. Die Patienten können die Tablette in Wasser zerfallen lassen und trinken. "Fragen Sie aber vorher unbedingt Ihren Apotheker, und beachten Sie die Angaben des Herstellers im Beipack­zettel", rät Apotheker Biechele.

Richtig anwenden

Der Wirkstoff wird verzögert freigesetzt. "Bis zum Wirkeintritt benötigt der Patient etwas Geduld", betont Biechele. Retardarzneimittel eignen sich deshalb nicht, um akute Beschwerden zu lindern.

Die Tabletten mit aufrechtem Oberkörper und einem Glas Wasser unzerkaut schlucken. Für Patienten mit Schluckproblemen hat die Apotheke Tipps und Hilfsmittel auf Lager: So lassen sich Kapseln leichter schlucken, wenn man den Kopf dabei nach vorne beugt. Und spezielle Gel-Überzüge machen Tabletten gleitfähiger.

Wie aufbewahren?

Um den speziellen Überzug und somit die verzögerte Wirkstofffreisetzung nicht zu gefährden, sollten Retardtabletten kühl und trocken gelagert werden und keinem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sein.