Stirnhöhlenentzündung: Nur leicht schnäuzen

Oft entwickelt sich eine Stirnhöhlenentzündung aus einem Schnupfen. So verschaffen Sie sich Linderung

von Barbara Kandler-Schmitt, 07.12.2017
Stirnhöhlen Ultraschall-Untersuchung

Ultraschall: Dr. Dirk Heinrich untersucht die Stirnhöhlen


Angefangen hat es mit einem Schnupfen – und jetzt das! Hinter der Stirn pulsieren stechende Schmerzen, die beim Bücken, Husten oder Niesen zur Tortur werden. Was ist passiert?

Die geschwollene Nasenschleimhaut und das vermehrt produzierte Sekret haben die Verbindungsgänge zwischen Nasen- und Stirnhöhlen verschlossen (siehe Grafik). "Das Sekret staut sich vor allem in den Stirnhöhlen und bildet einen Nährboden für Erreger", erklärt der Präsident des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Dr. Dirk Heinrich.

 

Stirnhöhle

Bei manchen Menschen begünstigen zudem anatomisch bedingte Engstellen in der Nasenhöhle eine Entzündung ­– etwa verkrümmte Nasenscheidewände, vergrößerte Nasenmuscheln oder neu gebildete Nasenpolypen. "Diese verlegen die Eingänge zu den Nebenhöhlen und verursachen zunächst akute Infekte, die schnell chronisch werden können", sagt der Hamburger HNO-Arzt Heinrich. Und aus einem Heuschnupfen kann sich eine allergisch bedingte Nebenhöhlenentzündung entwickeln.  

Beengte Verhältnisse

Treten Schmerzen und Druckgefühl erstmals auf, rät Heinrich, zum HNO-Arzt zu gehen. "Dieser kann bei einer Nasenspiegelung feststellen, ob Eng­­stellen vorliegen, die Entzündungen begünstigen." Auch durch eine Ultraschall­untersuchung seien die Stirnhöhlen gut zu beurteilen. Bei anatomischen Veränderungen können weiterführende Untersuchungen wie Computer- oder Kern­spintomografie notwendig werden. 

Die Behandlung orientiert sich an der jeweiligen Ursache: "Bei Nasenpolypen helfen kortisonhaltige Sprays", sagt Experte Heinrich. Manchmal müssen sie aber auch operativ entfernt werden. Bei einer allergischen Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) ­behandeln Ärzte zunächst die Allergie. Und bei Infekten haben sich folgende Strategien bewährt:

Belüften

Die wichtigste Maßnahme bei akuter Sinusitis besteht für HNO-Arzt Heinrich in ­einer ausreichenden Belüftung der Stirnhöhlen: Abschwellende Nasentropfen erleichtern die Atmung und verhindern einen Sekretstau in den Nebenhöhlen. Wegen der Gewöhnungsgefahr sollten sie aber höchstens eine Woche lang verwendet werden. Sonst schwillt die Schleimhaut umso stärker an, sobald die Wirkung nachlässt. Außerdem trocknen die Präparate bei längerer Anwendung die Nasenschleimhaut aus. 

Befeuchten

Um die Nasenschleimhaut feucht zu halten, empfiehlt Experte Heinrich, viel zu trinken – am besten Wasser, Kräutertee oder Saftschorle. Auch Inhala­­tionen mit Wasserdampf befeuchten die Schleimhäute. Als Zusätze eignen sich Salzlösungen und antimikrobielle ätherische Öle aus Eukalyptus oder Thymian. Ob sie einen zusätzlichen Effekt haben, konnte aber in Studien bislang nicht eindeutig gezeigt werden. Mit feuchten Tüchern über der Heizung lässt sich die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöhen. 

Spülen

Nasenspülungen und -duschen mit physiologischer Kochsalzlösung zeigten in Stu­dien positive Effekte: Sie lassen die Schleimhaut abschwellen, fördern den Abfluss des Sekrets und spülen Krankheitserreger weg. Allerdings empfinden manche Anwender die Prozedur als unangenehm. 

Lösen

Pflanzliche Schleimlöser verflüssigen das Nasensekret, sodass es besser abfließen kann. Zudem töten sie Keime, hemmen Entzündungen und verkürzen so den Krankheitsverlauf. "Antibiotika sind dagegen nur selten erforderlich, weil die Infekte zunächst meistens durch Viren bedingt sind", betont HNO-Arzt Heinrich. "Bevor der Arzt ein Antibiotikum verordnet, sollte er durch einen Abstrich oder andere Tests sicherstellen, dass tatsächlich Bakterien im Spiel sind."  

Richtig Nase putzen

Es entspricht nicht ganz unserer Vorstellung von guter Kinderstube – doch für Heinrich ist die Sache klar: "Naseputzen begünstigt Nebenhöhlen- und Mittel­ohrentzündungen." Statt kräftig ins Taschentuch zu schnäuzen, empfiehlt er: "Hochziehen oder das heraustropfende Sekret vorsichtig abtupfen." Klingt eklig – aber Heinrichs Erklärung leuchtet durchaus ein: "Beim Schnäuzen verengt sich die Nasenöffnung, wodurch Druck aufgebaut wird. Deshalb wird das Sekret nicht nur ins Taschentuch, sondern auch nach oben in die Nebenhöhlen gedrückt." Beim Hochziehen entstehe dagegen ein Unterdruck, sodass das Sekret eher aus den Nebenhöhlen gezogen wird und über den Rachen in den Magen läuft. "Und dort werden sämtliche Keime durch die Magensäure vernichtet."