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Fast zwei Jahrzehnte lang litt Chantal an Emetophobie – der krankhaften Angst vorm Erbrechen. „Man weiß ja eigentlich, dass man nicht stirbt, wenn man sich übergeben muss“, sagt sie. „Aber gefühlt war es das Schlimmste überhaupt für mich.“

Die Angst bestimmte ihren Alltag über Jahre. Es reichte ein Kaffeefleck auf dem Boden, der aussah wie Erbrochenes. Oder einen Einkaufswagen anzufassen – sofort war sie da, die Angst sich angesteckt zu haben und sich schließlich übergeben zu müssen. „Das triggert dich so sehr, dass du anfängst zu schwitzen, das Herz rast und schließlich wird dir übel. Und dann denkst du: Siehste, angesteckt“, berichtet die 34-Jährige.

Auslöser in der Kindheit

Die Phobie begann in Chantals Grundschulzeit. Dabei habe sie sich nur selten übergeben müssen. Das ist aber typisch für Betroffene. „Selbst mit Magen-Darm-Infekt habe ich das so kontrolliert und unterdrückt, die Angst war einfach zu groß“, erinnert sich Chantal. Das letzte Mal übergeben habe sie sich mit 16.

Hinter der Emetophobie steckt mehr als Ekel. Es ist oft die Angst, die Kontrolle zu verlieren – darüber, was im Körper geschieht. „Man kann nicht planen, wann, wo oder wie lange es passiert. Diese Unberechenbarkeit war für mich unerträglich.“ So wich sie vielen Dingen aus: kein Alkohol auf Partys, Reisen nur in sichere Länder, strikte Routinen. Alles, um das vermeintlich Unkontrollierbare unter Kontrolle zu bringen.

Erst ein Bruch mit dem Vater heilte sie | no stigma!

Das Leiden hat einen Namen

Dass das, worunter sie litt, einen Namen hat und sich gut behandeln lässt, fand Chantal erst im Erwachsenenalter in einem Urlaub heraus: „Ich lag nachts wach und hatte panische Angst, weil sich bei einer Bootstour jemand übergeben hatte. Dann habe ich gegoogelt und gesehen, dass diese Angst Emetophobie heißt. Ich war so erleichtert.“

Aber auch dann dauerte es nochmal ein paar Jahre, bis Chantal sich entschied, eine Therapie zu machen: „Ich war verlobt und wollte Kinder. Ich wusste aber: Mit dieser Angst kann ich das nicht“, erzählt Chantal unter Tränen. Zum Glück musste die junge Frau nicht lange auf einen Therapieplatz warten und begann schon zwei Wochen später an ihrer Angst vorm Erbrechen zu arbeiten.

Heilen und helfen

In der Therapie lernte Chantal, wo ihr Kontrollbedürfnis herrührt – aus einem schwierigen Verhältnis zu ihrem Vater, aus Erwartungen und Bindungen, die nie verlässlich waren. „Ich konnte nicht kontrollieren, ob mein Vater da ist oder nicht. Das hat Spuren hinterlassen.“

Heute sagt Chantal: „Ich habe keine Emetophobie mehr.“ Die Angst, die sie so lange gefangen hielt, ist verschwunden, in dem Moment, wo sie losließ und sich akzeptierte, mit ihrer Empfindsamkeit. Inzwischen hilft sie anderen, ihre Phobie zu überwinden. Mit ihrem Podcast „Ausgebrochen – Angstfrei“ und Gruppen- und Einzelcoachings.

Wie Rezepte für Erbrochenes bei der Therapie helfen können, wie Chantal andere Betroffene unterstützt und was ihr allerschlimmster Tiefpunkt war, erfahren Sie im neuen Talkformat „behind the mind“ auf dem YouTube-Kanal von „no stigma!“.