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Mit 35 Jahren ist Moritz Hürtgen bereit, endlich alt zu werden – aber bitte so gut wie möglich. Der Ex-Chefredakteur des Satiremagazins Titanic testet für die Apotheken Umschau ab sofort Dinge, die sein Leben hoffentlich verlängern – sei es Fitness im Wald oder Nüsse essen wie ein Eichhörnchen. Im aktuellen Teil testet er Heilfasten.

Es ist schon ein paar Jahre her, da hatte ich die fixe Idee, dass ich es mit einer Fastenkur versuchen sollte. Meine Motivation war damals, meine Abhängigkeit von kohlenhydratreichen Mahlzeiten zu durchbrechen. Nie wieder Nudeln! Oder zumindest weniger.

Den Darm entschlacken

Die Menschen fasten aus verschiedenen Gründen: um Gott zu gefallen, um den Göttern in Weiß zu gefallen, um Schönheitsidealen zu entsprechen oder aus frivoler Lust an der Selbstkasteiung. In meinem Fall kam alles zusammen. Ich begab mich in eine Heilfastenkur. Die genauen Spielregeln kannte ich nicht. Zum Beispiel versäumte ich es, zu Beginn mit Glaubersalz abzuführen, um den Darm ordentlich durchzuspülen. Es heißt ja immer wieder, dass Fasten den Körper entschlacke. Von allerlei Unrat befreie. Als ob es in den dunkelsten Ecken des Darmes so aussieht wie in einer WG-Küche. Kann man dem Darm nicht zutrauen, dass er den Putzplan einhält? Muss man selbst mit dem Kärcher durch?

Und so hatte ich anfangs durchaus Schiss vor dem, was mein Darm preisgeben würde. So viel bin ich bereit zu verraten: Es kam nichts zum Vorschein, bei dem ich den Eindruck hatte, dass es schon lange in mir vor sich hingegammelt hätte wie ein vergessenes Pausenbrot im Ranzen.

Ich hatte mit mir selbst abgemacht, dass neben Wasser noch Tee, Säfte und Brühen erlaubt seien. Meine Bürogemeinschaft hatte ich, um Spott vorzubeugen, im Dunkeln gelassen. Wie naiv! Es fiel schon an Fastentag eins auf, dass ich mittags nicht fröhlich Pasta verschlang, sondern nüchtern meine Brühe nippte. „Wie ein Mönch“, wurde gescherzt. Und still wie ein Klosterschüler dachte ich mir, dass sie nur spotten sollten, während sie sich weltlichen Genüssen hingaben. Das brauchte ich nicht auf dem Weg zur Erleuchtung.

Verfall in alte Muster

Leider war ich nicht nah an der Offenbarung, sondern eher futterneidisch. Die ersten Tage waren hart. Ich musste mich arg beherrschen. Ab Tag drei aber fühlte ich mich regelrecht überlegen, wenn mir jemand mit einem prallen Dürüm entgegenkam. Wie verfressen war auch ich lange Zeit gewesen?

Ich fühlte mich so leicht, dass ich drohte, abzuheben. Auf den Boden der Tatsachen holten mich am fünften Tag heftige Bauchschmerzen. Meinem Darm schien was zu fehlen. Einen Tag hielt ich noch durch, dann fing ich wieder an zu essen. Frisches Obst, Gemüse aus der Pfanne und – ach, warum eigentlich nicht – ein paar Nudeln dazu. Und noch ein paar hinterher. Ich bin heute wieder schwer von Pasta abhängig.