Nasenbluten (Epistaxis)

Nasenbluten sieht meistens dramatischer aus, als es ist, und nur selten muss ein Arzt eingreifen. Erste Hilfe, Ursachen, Vorbeugung, Therapie

Trockene Nasenschleimhäute im Winter, ein bohrender Fingernagel, heftiges Schnäuzen oder Niesen, Herumtoben mit den Kindern – oft genügen schon solche Kleinigkeiten, um sich sozusagen eine blutige Nase zu holen. Dass es so leicht zu Nasenbluten kommt, hängt mit der üppigen Durchblutung unseres Riechorgans zusammen. Vor allem vorne auf der Nasenscheidewand blutet es häufiger. Dort liegt ein feingesponnenes Gefäßnetz in der Schleimhaut, der sogenannte Locus Kiesselbachi. Wegen der oberflächlichen Lage sind die Äderchen an dieser Stelle äußerst verletzlich. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen seines Entdeckers ab, ein deutscher Hals-Nasen-Ohrenarzt aus dem 19. Jahrhundert.

Symptome, Komplikationen

Nasenbluten kann einen wirklich in Angst und Schrecken versetzen. Häufig ist es aber harmlos. Bis das rote Rinnsal wieder versiegt, dauert es allerdings schon ein paar Minuten. Was man bei Nasenbluten tun sollte, steht im Kapitel „Erste Hilfe, Selbsthilfe“.

Wenn der Blutstrom nicht zum Stillstand kommt, kann die Blutungsquelle weiter oben oder hinten in der Nase liegen. Das Blut fließt dann teilweise in den Rachen herunter und wird leichter verschluckt, auch bei aufrechtem Oberkörper. In dieser Haltung, die man bei Nasenbluten möglichst immer einnehmen sollte – dazu Nasenflügel gleich mit den Fingern gut zusammendrücken – lässt sich Blut, das weiter vorne aus der Nase kommt, meistens ausspucken. Und das ist allemal besser, als es herunterzuschlucken, denn Blut im Magen löst Übelkeit und Erbrechen aus. Auch dazu mehr im Kapitel „Erste Hilfe, Selbsthilfe“.

Wann zum Arzt?

In der Mehrzahl der Fälle ist Nasenbluten harmlos. Ein erkennbarer Grund fehlt oft. Wenn es „gewohnheitsmäßig“ und ohne Anhaltspunkte für eine ernste Ursache auftritt, gerade auch bei Kindern, sprechen Ärzte von habituellem Nasenbluten. Aber Achtung: Kommt die Blutung innerhalb von fünfzehn bis 20 Minuten (Kinder: zehn Minuten) nicht zum Stillstand, suchen Sie bitte unverzüglich einen Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Arzt auf.

Häufig hängt Nasenbluten mit Schnupfen bei einer Erkältung oder Grippe zusammen. Oder die Schleimhäute sind schlicht zu trocken – etwa im Winter, wenn wieder kräftig eingeheizt wird. Auch allergischer Schnupfen fördert Nasenbluten. Ein Arzt sollte genauer nachsehen, wenn die Nase wiederholt grundlos blutet, also auch ohne alltägliche Begleitumstände wie Schnupfen, Allergie, Heizungsluft & Co.

Bei Nasenbluten, das unter einer Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder bei bekannter Blutgerinnungsstörung auftritt, muss der Arzt unbedingt checken, was los ist. Und: Wurde jemand schon einmal zeitnah wegen Nasenblutens behandelt, sollte er sich bei einer erneuten Blutung möglichst umgehend wieder in die Obhut seines HNO-Arztes begeben.

Dringlich ist ärztlicher Rat außerdem, wenn die Nase ein unangenehm riechendes Sekret mit auffälliger gründlicher Farbe oder Blutspuren absondert.

Nicht zuletzt ist der HNO-Arzt der richtige Ansprechpartner bei verstopfter und blutungsanfälliger Nase, behinderter Nasenatmung oder starkem Trockenheitsgefühl in der Nasenhöhle.

Auch ist es ratsam, bei (wiederholtem) Nasenbluten den Blutdruck kontrollieren zu lassen. Ärzte empfehlen, ab Mitte 30 alle zwei Jahre den kostenlosen Herz-Kreislauf-Check beim Arzt zu machen. Das verbessert die Chance, einen erhöhten Blutdruck rechtzeitig zu regulieren, ganz erheblich.

Diagnose und Therapie

Der Arzt versucht, die Blutungsquelle zu orten, indem er mit einem speziellen Instrument – einem Rhinoskop oder Endoskop – in die Nase blickt und sie ausleuchtet. Leichtere Blutungen stillt er beispielsweise durch Ätzung mit Silbernitrat oder eine elektrische Verödung. Bleibt dies erfolglos oder ist die Blutungsquelle nicht erkennbar, legt er eine Tamponade in beide Nasenhöhlen ein (mehr dazu im Kapitel „Therapie“). Teilweise kommen statt Tamponaden auch Ballonkatheter zum Einsatz. Bei Bedarf kontrolliert der Arzt verschiedene Blutwerte und stabilisiert den Kreislauf mit einer Flüssigkeit, die er über eine Vene zuführt. Eine stärkere Blutung weiter oben oder hinten in der Nasenhöhle kann eine sogenannte Bellocq-Tamponade notwendig machen. Sie wird im hinteren Nasen-Rachen-Raum platziert. Mitunter lässt sich eine Blutung nur durch eine notfallmäßige Operation beherrschen. So kann das Leck zum Beispiel über ein Endoskop oder einen Gefäßkatheter verschlossen werden. Manchmal folgt auf die erste Blutstillung noch ein Eingriff, um das Problem endgültig zu beheben, zum Beispiel der Verschluss eines Lochs in der Nasenscheidewand. Anschließend braucht die Nasenschleimhaut stets gute Pflege mit einer geeigneten Salbe und viel Feuchtigkeit (siehe auch Kapitel "Vorbeugung").

Blutanalysen und bildgebende Verfahren, zum Beispiel Röntgen, Ultraschall (Sonografie) und komplexere Techniken wie Comutertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) vertiefen die Diagnostik bei speziellen Problemen der Nase oder Nasennebenhöhlen, beispielsweise Verletzungen, Entzündungen und Geschwülsten. Die weitere Behandlung richtet sich jeweils nach dem Befund.

Mitunter müssen Ärzte anderer Fachrichtungen mit einbezogen werden, um den Grund für das Nasenbluten herauszufinden und die Therapie fortzuführen.

Was sind die Ursachen?

Bei weitem am häufigsten liegen sie in der Nase selbst. Viel seltener sind Erkrankungen, die auch zu Blutungen und weiteren Störungen in anderen Organen führen können, der Grund für Nasenbluten.

Nase und Nasennebenhöhlen

Drucksteigerung in der Nase, mechanische Manipulationen: Plötzliche Druckveränderungen in der Nase bringen empfindliche Äderchen im vorderen Bereich leicht zum Platzen und lösen so einen kleinen Blutschwall aus. Wer sich also gerne heftig trompetend die Nase schnäuzt, läuft Gefahr, „Rot zu sehen“. Ähnlich verhält es sich bei Manipulationen mit bohrenden Fingerspitzen.

Verstopfte Nase durch abschwellende Schnupfenmittel (Tropfen, Sprays): Werden die Mittel gegen eine verstopfte Nase länger als eine Woche angewandt, verändert sich die Nasenschleimhaut. Dadurch hält die Schwellung an, und die Nase ist nun dauernd verstopft. So bleiben die Medikamente ständig in Reichweite. Und schädigen womöglich die Schleimhaut: Sie trocknet aus, kann bluten, verkümmern.

Verletzungen, Fremdkörper, Nasenstein: Ein Sturz oder ein Schlag auf den Kopf sind typische Auslöser von Brüchen des Nasenbeines oder der Scheidewand. Manchmal wird die Nase bei einem Schädelbasisbruch mit verletzt. Jedes Mal kann Nasenbluten auftreten. Ein Fremdkörper, der über ein Nasenloch eingedrungen ist, führt mitunter ebenfalls zu Nasenbluten, gerade bei Kindern. Dass Ablagerungen in der Nase oder ein liegen gebliebener Fremdkörper sogar verkalken und so zu einem Nasenstein werden, klingt erstaunlich, kommt aber vor.

Operationen im Nasen-Rachen-Raum und im Bereich der Nebenhöhlen: Blutungen und Blutergüsse – Blutansammlungen im Gewebe, zum Beispiel in der Nasenscheidewand – gehören hier zu den üblichen Risiken. Der Arzt informiert den Patienten genau darüber, bevor dieser sein Einverständnis zu dem Eingriff gibt.

Knöcherne Sporne oder Leisten der Nasenscheidewand: Leichte Unebenheiten und Verkrümmungen der Nasenscheidewand sind ganz normal. In die Nasenhöhle ragende Sporne oder Knochenleisten können die empfindliche Schleimhaut der nahe gelegenen Nasenmuschel verletzen, sodass sie blutet.

Loch in der Nasenscheidewand: Risikofaktoren für die sogenannten Septumperforationen sind zum Beispiel wiederholte Verödungsmaßnahmen bei Nasenbluten, eine ausgetrocknete oder geschädigte Nasenschleimhaut, vereitertes Knorpelgewebe in der Scheidewand nach einem Bluterguss oder einer Verletzung, bestimmte chronische Immunkrankheiten wie die Wegener-Granulomatose (siehe unten) und ätzende Chemikalien. Falls das Loch Beschwerden macht, dann diese: Nasenbluten, Krusten in der Nase, pfeifendes Atemgeräusch oder behinderte Nasenatmung.

Barotrauma der Nasennebenhöhlen: Der Wortstamm „baró“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Gewicht oder Last. Ein Barometer misst zum Beispiel den Luftdruck. Bei gestörtem Ausgleich von Luftdruckunterschieden kommt es manchmal zu Schleimhautblutungen in den Nebenhöhlen. Dann kann auch Blut aus der Nase austreten.

Tumoren: Gut- und bösartige Geschwülste (Tumoren) der Nasenhöhle oder in einer Nasennebenhöhle sind insgesamt selten der Grund von Nasenbluten. Vereinzelt steckt ein sogenanntes juveniles Nasenrachenfibrom dahinter – eine gutartige Geschwulst, an der ausnahmslos männliche Jugendliche erkranken. Nasenbluten ist hier das Leitsymptom.

Andere Ursachen

Innere Erkrankungen mit erhöhter Blutungsneigung

Einige innere Erkrankungen gehen mit einer vermehrten Blutungsneigung einher und können dann auch Nasenbluten auslösen. Das sind zum einen Störungen der Blutgerinnung. Zum anderen kommen bestimmte Gefäßerkrankungen infrage. Dabei können zum Beispiel die kleinsten Äderchen, die Kapillaren, durchlässiger werden. Anders als Blutungen aus einem größeren Gefäß sind Kapillarblutungen eher mäßig ausgeprägt. Sie zeigen sich als Stippchen oder Flecken auf der Haut, zum Beispiel vorne am Unterschenkel, oder es kommt zu Schleimhautblutungen, darunter Nasenbluten. Angeborene Fehlbildungen von Gefäßen können zu Blutungen in verschiedenen Organen führen.

Störungen der Blutgerinnung

Die Blutgerinnung ist ein hoch kompliziertes System, das vielfältigen Einflüssen unterliegt. Schwächen sie die Gerinnung oder ist sie defekt, kann die Blutungsbereitschaft zunehmen. Dann sind unter anderem Schleimhautblutungen wie Nasenbluten, auch auf beiden Seiten, möglich.

Medikamente: Arzneistoffe namens Cumarine und neuere Stoffe wie zum Beispiel Dabigatran hemmen die Blutgerinnung und können die Blutungsneigung erhöhen. Ähnliches gilt für Medikamente, die auf die Blutplättchen einwirken, etwa Clopidogrel oder Acetylsalicylsäure. Einsatzgebiet dieser Medikamente sind Herz- und Gefäßerkrankungen (Acetylsalicylsäure in diesem Fall in einer niedrigen Dosis täglich). Zu den leichteren Nebenwirkungen gehören gelegentliches Nasenbluten, Zahnfleischbluten und Blutergüsse nach Verletzungen.

Mangel oder verminderte Wirkung von Vitamin K: Vitamin K hat unter anderem wichtige regulierende Funktionen bei der Blutgerinnung. Ein Mangel ist selten, da auch die natürliche Darmflora das Vitamin liefert. Starke Unterernährung, extrem einseitige Diäten oder eine ausgeprägte Störung im Verdauungstrakt können manchmal aber doch ein Defizit nach sich ziehen. Gerinnungshemmende Medikamente wie die Cumarine (siehe auch oben) verringern die Wirkung von Vitamin K. Solche und andere Arzneimitteleffekte spielen bei Nasenbluten eine größere Rolle als Vitaminmangel. Zu den Symptomen siehe vorhergehender Abschnitt.

Bluterkrankheit (Hämophilie): Bluterkrankheiten sind seltene Erbkrankheiten. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blutungen nach einer Zahnextraktion oder verstärkte Regelblutungen überraschen bei leichter Hämophilie kaum. Je nach Ausprägung der Hämophilie sind aber auch stärkere Blutungen möglich: großflächig in der Haut, Muskel- und Gelenkblutungen. Erste Anzeichen gibt es bereits bei Babys, meist wenn sie mobiler werden und sich versehentlich irgendwo stoßen.

Von Willebrand-Jürgens-Syndrom: Häufigste erbliche Blutgerinnungsstörung. Die für die Blutstillung wichtigen Blutplättchen funktionieren hier nicht richtig, weil bestimmte Gerinnungsstoffe entweder fehlen oder zu wenig aktiv sind. Das betrifft vor allem den von Willebrand-Faktor. Die Schwere des Blutungsrisikos hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. In erster Linie treten wiederholte Schleimhautblutungen auf, vor allem Nasenbluten und Zahnfleischbluten. Es kommt auch zu verstärkten Regelblutungen. Bei Verletzungen, nach einem Eingriffoder einer Geburt, sind stärkere Blutungen möglich. Schon kleinere Wunden können erheblich bluten.

Mangel an Blutplättchen: Ist die Bildung der Blutplättchen im Knochenmark gestört, entsteht ein Mangel. Er kann auch auftreten, wenn sie vorzeitig im Körper abgebaut werden. Beides zusammen ist ebenfalls möglich. Es gibt viele verschiedene Ursachen in der einen oder anderen Richtung, unter anderem Virusinfekte, Erkrankungen des Knochenmarks, der Leber oder Milz, Leukämie, Chemotherapie bei Krebs, Immunerkrankungen wie die Werlhof-Krankheit. Eine leichte Abnahme der Blutplättchen bleibt nicht selten symptomlos. Je nach zugrunde liegender Erkrankung und je nachdem, wie intakt die Gefäße sind und wie gut die übrige Gerinnung klappt, kann ein Mangel zu punktförmigen Hautblutungen, spontanen Schleimhautblutungen wie zum Beispiel Nasenbluten, blauen Flecken oder stärkeren Blutungen bei Verletzungen und Operationen führen.

Gefäßkrankheiten

Auch die unterschiedlichsten Gefäßkrankheiten können Blutungen auslösen. Hier einige Beispiele:

Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung der Schlagadern (Arterien). Dabei kommt es zu Ablagerungen in der Gefäßwand. Sie verliert an Elastizität und verdickt sich, die Lichtung wird enger. Das kann den Blutfluss behindern und die Durchblutung verschlechtern. Empfindliche Organe wie Herz und Gehirn sind dann besonders gefährdet für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Nicht zuletzt können die Gefäßveränderungen bei Arteriosklerose auch zu Bluthochdruck und Nasenbluten führen.

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
: Bluthochdruck macht anfangs wenig Beschwerden. Nasenbluten kann gelegentlich ein Anzeichen sein. Möglicherweise begünstigt ein deutlich erhöhter Blutdruck auch Blutungen aus dem hinteren Nasengewölbe. Nicht selten nehmen die Patienten zur Vorbeugung von Durchblutungsstörungen noch ein blutverdünnendes Medikament ein, was wiederum Nasenbluten Vorschub leistet.

Purpura Schönlein-Henoch: Hinter diesem Namen stecken krankhafte Immunreaktionen im Bereich der kleinen Blutgefäße. Dazu kann es zum Beispiel nach einer Grippe oder durch ein Medikament kommen. Betroffen sind überwiegend Kinder. Zu den Symptomen gehören flächenhafte Schleimhautblutungen.

Osler-Krankheit (Morbus Osler): Bei dieser Erbkrankheit treten meistens ab der Pubertät Blutungen aus Gefäßknötchen oder Blutschwämmchen (Fachbegriff: Hämangiome) auf. Die Gefäßveränderungen sind oft in der Mundschleimhaut oder Haut sichtbar. Nasenbluten ist ein Leitsymptom.

Wegener-Granulomatose: Autoimmunkrankheit, bei der sich kleine und mittelgroße Blutgefäße entzünden. Im Bindegewebe entstehen Knötchen (Granulome), in denen sich kleine Geschwüre bilden. Unter anderem tritt chronischer blutiger Schnupfen auf.

Mangel an Vitamin C (Skorbut): Fehlt der wohl bekannteste „stickstoffgebundene Lebensstoff (Vit-amin!)“, verschlechtert sich nach einiger Zeit das Bindegewebe. Kleinste Gefäße werden brüchig. Die Folgen sind zahlreich, unter anderem kommt es zu Zahnfleisch- und Nasenbluten, Entzündungen und Blutungen der Haut. In Europa gehört Skorbut praktisch der Vergangenheit an.

Infektionskrankheiten mit Fieber und Blutungen (hämorrhagisches Fieber): Denguefieber, Ebolafieber, Lassafieber, Gelbfieber & Co. sind gefürchtete Virusinfektionen, die bei uns vor allem der Tropenmediziner kennt. Die gefährlichen Erreger sind vor allem in Afrika, Südmerika und Südostasien beheimatet (endemisch). Übertragen werden sie durch Insektenstiche, Zeckenbisse und Tierexkremente. Zu den Symptomen gehören hohes Fieber, schwere Blutungen, darunter auch Nasenbluten, und lebensbedrohliche Organschäden. Gegen Gelbfieber gibt es eine Impfung. Ansonsten heißt es, sich gegen Insekten zu schützen und die Hygiene-Empfehlungen für Tropenreisende zu beachten.

Schwangerschaft

Schwangere Frauen haben relativ häufig eine verstopfte Nase, hin und wieder auch Nasenbluten. Es ist gut, sicherheitshalber beim nächsten Vorsorgetermin den Frauenarzt davon in Kenntnis zu setzen (mehr dazu im Kapitel „Schwangerschaft“).

Weitere Informationen zu den möglichen Hintergründen von Nasenbluten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), Diagnose und Therapie in den entsprechenden Kapiteln.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Entwarnung, jedenfalls fürs Erste: Meistens ist bei Nasenbluten nämlich nur ein kleines Gefäß innen auf der vorderen Nasenscheidewand geplatzt, und es hört bald wieder zu bluten auf.

Blutungen aus dem hinteren Nasenbereich sind dagegen manchmal schwerer zu stillen. Blutet es sehr stark, dann ist das ein Notfall. Alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst (Telefon 112 europaweit, Rettungsleitstelle). Das gilt auch bei Kreislaufschwäche oder einem Kollaps, bei Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit. Hier muss möglichst verhindert werden, dass Blut in die Atemwege gelangt (siehe nächster Abschnitt).

Erste Hilfe im Notfall

Bewusstlosigkeit, Atmung funktioniert: Betroffenen in die stabile Seitenlage (siehe Bild links und Link unten) bringen. Diese Lagerung hilft zu vermeiden, dass der Bewusstlose an Blut, Erbrochenem oder seiner eigenen Zunge erstickt. Atmung und Puls kontrollieren, bis der Rettungswagen eintrifft.

Bewusstlosigkeit, Atemstillstand: Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen: Betroffenen auf dem Rücken lagern, 30-mal den Brustkorb in der Mitte mit dem Handballen (Hand auf Hand auflegen) kräftig zusammendrücken, zweimal Atemspende, zum Beispiel Mund-zu-Nase-Beatmung (trainierte Ersthelfer). Untrainierte Helfer sollten sich vor allem auf die ergiebige Herzdruckmassage konzentrieren.

Kopfverletzung: Mögliche Anzeichen für einen Schädelbasisbruch bei einem Verletzten sind der Austritt klarer oder rötlicher Flüssigkeit (Hirnwasser, Blut) aus Nase oder Ohr, starke Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, Erbrechen, bläuliche Verfärbungen um die Augen. Bis der Rettungswagen eintrifft, Atmung und Bewusstsein beobachten, Oberkörper des Verletzten erhöht lagern, Wunden nur sauber abdecken und nicht weiter berühren. Bei Bewusstseinsverlust stabile Seitenlagerung (siehe oben) auf der verletzten Seite, damit eventuell austretende Flüssigkeit besser ablaufen kann. Falls der Schädel stark verformt ist, Betroffenen auf der unverletzten Seite lagern.

Mehr zur ersten Hilfe hier.


Selbsthilfe – so geht's


Wenn Sie, Ihr Kind oder jemand in Ihrem Umfeld unvermittelt Nasenbluten bekommt, aber sonst keine Anzeichen für einen Notfall vorhanden sind, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Aufrecht hinsetzen oder Oberkörper des Betroffenen hochlagern.
  • Kopf nach vorne beugen und Stirn abstützen, damit das Blut nach vorne aus der Nase fließen kann. Halten Sie ein Gefäß oder Tuch unter die Nase. Ruhig durch den Mund ein- und ausatmen (lassen).
  • Volle zehn Minuten ununterbrochen mit Daumen und Zeigefinger den oder die Nasenflügel – den weichen Teil der unteren Nase – gut zusammendrücken. Ausnahme: nach einer Verletzung dick geschwollene oder verformte Nase, sie könnte gebrochen sein.
  • Erst danach vorsichtig kontrollieren, ob die Blutung zum Stillstand gekommen ist.
  • Kühlen: einen Eisbeutel oder ein feuchtes kaltes Handtuch oder eine in leichten Stoff eingewickelte Kühlkompresse (cool pack / cold pack aus dem Eisfach, falls vorhanden, auch eine Sofort-Kältekompresse) in den Nacken oder über die Nasenwurzel unter der Stirn legen. Die Kälte bewirkt, dass sich die Gefäße zusammenziehen. Das fördert die Blutstillung.
  • Achtung: Kommt die Blutung innerhalb von fünfzehn bis 20 Minuten nicht zum Stillstand, suchen Sie bitte zügig einen Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Arzt auf.
  • Bei Kindern: In Panik verfällt nicht nur der eine oder andere Erwachsene, der Blut sieht. Besonders Kinder geraten leicht außer sich, wenn sie zum ersten Mal mit Nasenbluten zu tun haben. Einige von ihnen und ihre Eltern werden die Erfahrung machen, dass es in der Zeit des Wachstums immer wieder mal vorkommt. Bleiben Sie ruhig, dann beruhigt sich auch Ihr Nachwuchs. Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, trösten Sie es liebevoll und erklären sie ihm, warum sie ihm kurz die Nase oder ein Nasenloch zuhalten und den Nacken kühlen müssen.
    Es darf sich beim Hinsetzen nach vorne abstützen oder auch etwas zurücklehnen. Versuchen Sie, es dabei etwas abzulenken, erzählen Sie ihm eine kleine Geschichte. Ansonsten gelten die Ratschläge oben.
    Wenn die Blutung nach zehn bis fünfzehn Minuten nicht aufhört, müssen Sie das Kind unverzüglich zum Hals-Nasen-Ohren(HNO-)arzt oder Kinderarzt bringen.

Wichtig:

  • Nicht den Kopf nach hinten beugen: Es besteht sonst die Gefahr, Blut zu verschlucken. Das löst nicht nur Übelkeit und Brechreiz aus, sondern erschwert es auch, die Stärke der Blutung einzuschätzen.
  • Nicht hinlegen: Bei eintretender Bewusstlosigkeit und Reflexverlust besteht die Gefahr, dass Blut in die Atemwege gelangt. Das kann schwere Komplikationen nach sich ziehen.
  • Niemals die Nase mit Mullstreifen, Taschentüchern, Watte oder ähnlichem zustopfen. Die Gefahr ist groß, dass die Wunde wieder aufreißt, wenn Sie den Stopfen entfernen.
  • Nach Stillstand der Blutung nicht gleich wieder die Nase schnäuzen. Noch einige Stunden nach der Blutung kann sich durch den erhöhten Druck beim Nasenputzen ein frisch gebildeter Schorf wieder lösen, sodass das Blut aufs Neue fließt. Gehen Sie auf Nummer sicher und halten Sie sich bis zu zwölf Stunden damit zurück.

Was passiert beim Hals-Nasen-Ohrenarzt?

Blutverlust kann einen Betroffenen sehr schwächen. Daher prüft der HNO-Arzt im Akutfall als erstes den körperlichen Zustand des Patienten, seinen Blutdruck und Puls. Selten wird es erforderlich sein, den Kreislauf durch Gabe von Flüssigkeit über die Blutbahn zu stärken, oder notfallmäßig eine Blutprobe zur Analyse ins Labor zu schicken.

Es folgt sofort die Untersuchung der Nase. Dazu weitet der Arzt mit einem Spreizinstrument (Rhinoskop) vorsichtig das Nasenloch und leuchtet mit einer Lichtquelle den vorderen Bereich der Nasenhöhle aus (vordere Rhinoskopie). Ins Blickfeld rücken dabei die untere Scheidewand und untere Nasenmuschel, eine dünne Knochenleiste im Nasengewölbe, die mit einer gefäßreichen Schleimhaut, einer Art Schwellkörpergewebe, überzogen ist. Auch die Eingänge zu den Nebenhöhlen sind teilweise erkennbar. Ein Nasenendoskop – in Form eines dünnen, starren oder schlauchförmigen optischen Gerätes – kann noch mehr. Die Sicht reicht mit dem flexiblen Instrument von den hinteren Bereichen der Nasenhöhle über den Rachen und Kehlkopf bis in die Luftröhre. Bei starkem Nasenbluten kann das Nasenendoskop auch zur Therapie dienen (siehe entsprechendes Kapitel). Vor der Untersuchung betäubt der Arzt die Schleimhaut örtlich. Eventuell verabreicht er auch ein abschwellendes Nasenspray.

Falls nötig, schließen sich ergänzende Maßnahmen an, etwa Bluttests und bildgebende Verfahren. Ultraschall (Sonografie) ist häufig sehr aussagekräftig bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und Schleimhautschwellungen in der Tiefe des Nasengewölbes. Weitere bildgebende Verfahren sind Röntgenaufnahmen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT). Letztere stellen die Nasennebenhöhlen und den Nasen-Rachen-Raum detailgenau dar: Während die CT auch eine Beurteilung der Gesichtsknochen und der vorderen Schädelbasis erlaubt, lassen sich mit der MRT die Weichteile besonders gut erkennen.

Eventuell überprüft der HNO-Arzt auch, ob das Riechen funktioniert und wie luftdurchgängig die Nase ist. Bei Bedarf untersucht er den Gehörgang, das Trommelfell und das Gehör.

Bei einer starken Blutung ist manchmal notfallmäßig ein Gefäßverschluss über einen Kathetereingriff unter Röntgen- oder computertomografischer Kontrolle notwendig. Diesen Eingriff führen Röntgenärzte (Radiologen) durch.

Nicht zu vergessen ist, dass der Arzt, sobald Zeit dafür ist, auch Angaben zur Krankengeschichte, zu den persönlichen Lebensgewohnheiten und zum Beruf des Patienten aufnimmt, wenn sie für die Diagnose hilfreich sind. So kann zum Beispiel die Beobachtung, dass schon kleinste Verletzungen relativ lange bluten, auf eine krankhafte Blutungsneigung hinweisen.

Schritt für Schritt zur Diagnose

Falls der HNO-Arzt die Ursache außerhalb seines Fachgebietes vermutet, wird er den Patienten entsprechend weiterleiten. Meistens geht es dann um Krankheiten aus der inneren Medizin. Um ihnen auf die Spur zu kommen, stehen spezielle Bluttests, Untersuchungen der Lungen, Nieren, feingewebliche Untersuchen von Gewebeproben (Biopsien) und anderes mehr zur Verfügung. In den Ursachen-Kapiteln kommen von Fall zu Fall entsprechende Maßnahmen zur Sprache.

Störungen der Blutgerinnung nehmen sich Hämostaseologen in den entsprechenden Zentren an Medizinischen Universitätskliniken oder Kinderkliniken an. Mit Erkrankungen des Blutes befassen sich Fachärzte namens Hämatologen / Onkologen. Für Kinderkrankheiten sind Pädiater zuständig. Bei Verletzungen muss bisweilen auch ein Augenarzt, ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Unfall- oder Neurochirurg hinzugezogen werden – zur Diagnose wie Therapie.

Leichtere Blutungen aus dem Locus Kiesselbachi, dem gefäßreichen Gebiet im vorderen Nasenbereich, die von selbst nicht zum Stillstand kommen, lassen sich durch Ätzen mit Silbernitrat beheben. Alternativ bietet sich zum Beispiel eine Verödung mit Strom oder Laser an (Elektro- oder Laserkoagulation). Ist das nicht erfolgreich oder die Blutungsquelle nicht erkennbar, legt der HNO-Arzt eine vordere Tamponade in beide Nasenhöhlen ein. Dazu dient ein salbengetränkter Mullstreifen, der sich beim Tamponieren in Falten legt und das Naseninnere ausfüllt. Oder auch ein vorgefertigtes Schaumstoffteil, das bei Kontakt mit Flüssigkeit, zum Beispiel Blut, aufquillt.

Wenn es heftiger blutet, beispielsweise aus der hinteren Nasenhöhle, ist mitunter eine hintere Tamponade (sogenannte Bellocq-Tamponade) notwendig. Dabei platziert der Arzt einen an zwei Doppelfäden befestigten, etwa kastaniengroßen Tupfer aus feinem Mull im hinteren Nasen-Rachenraum. Die vorderen Haltefäden werden dann aus der Nase herausgezogen und unter dem Nasenloch über einen Tupfer verknüpft. Die hinteren Fäden werden aus dem Mund geleitet und außen auf der Haut befestigt. Die Prozedur erfordert nicht selten eine kurz Betäubung.

Statt Tamponaden kommen manchmal auch mit Wasser oder Luft auffüllbare Ballonkatheter zum Einsatz.

Wegen des Risikos von Druckgeschwüren sollten Tampons und Ballons aber nur möglichst kurz, etwa zwei bis drei Tage, liegenbleiben. Die Ballons entlastet der Arzt ab dem zweiten Tag. Wegen der erhöhten Infektionsgefahr erhält der Patient manchmal vorbeugend ein Antibiotikum.

Mitunter lässt sich eine Blutung nur durch einen notfallmäßigen Eingriff beherrschen. So kann das Leck zum Beispiel über einen Gefäßkatheter verschlossen werden (Embolisation). Im äußersten Fall, wenn zum Beispiel ein größeres Gefäß blutet, muss der Arzt es abbinden (Ligatur): endoskopisch mit einem Clip oder über einen operativen Zugang.

Manchmal folgt auf die erste Blutstillung noch eine weitere Operation, um die Blutungsursache endgültig zu beheben, zum Beispiel der Verschluss eines Lochs in der Nasenscheidewand.

Im Anschluss braucht die Nasenschleimhaut stets gute Pflege mit einer geeigneten Salbe und viel Feuchtigkeit (siehe auch Kapitel "Vorbeugung").

Die genannten Blutstillungsverfahren sind auch bei Blutungen während oder nach Operationen im HNO-Bereich häufig praktizierte Maßnahmen.

Ist der Blutdruck sehr stark erhöht, wird ihn der Arzt – gegebenenfalls in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Hausarzt – behutsam mit einem Medikament senken. Zugleich ist aber die schnelle Blutstillung wichtig, nicht zuletzt, weil sich die meist stark verunsicherten Betroffenen danach schnell wieder beruhigen. Die weitere Kontrolle und Therapie erfolgt dann in einer Klinik für Innere Medizin oder, falls vertretbar, ambulant durch den betreuenden Arzt oder Kardiologen.

Bei Verletzungen ist je nach Hergang eine umfassende Behandlung in einer geeigneten Klinik notwendig. Mithin richtet sich die Therapie immer nach der auslösenden Ursache. Mehr dazu in den beiden Ursachen-Kapiteln.

Warum so häufig blutige Nasen?

Spontanes Nasenbluten hängt oft mit dem „Locus Kiesselbachi“ zusammen, einem oberflächlich gelegenen Gefäßgeflecht auf der Scheidewand vorne in der Nase. Vieles, was der Schleimhaut zusetzt, kann Nasenbluten in diesem Bereich begünstigen, zum Beispiel Entzündungen und Infektionen. Zu den örtlichen Ursachen gehören natürlich auch Operationen oder Verletzungen der Nase und Nasennebenhöhlen. Ein wichtiges Gefäß in der Nase ist die Keilbein-Gaumen-Schlagader. Sie, aber auch andere Adern, sind selten einmal für stärkere Blutungen aus dem hinteren oder oberen Nasengewölbe verantwortlich, sei es bei einer Verletzung, sei es bei stark erhöhtem Blutdruck.

Ursachen von Nasenbluten in der Nase und in den Nasennebenhöhlen

Drucksteigerungen in der Nase: Wer sich zu stark die Nase schnäuzt, läuft Gefahr, ein zartes Äderchen vorne in der Nase zum Platzen zu bringen und einen kleinen Blutschwall auszulösen.

Trockene Nase: Ist das Raumklima durch Heizungsluft oder eine Klimaanlage sehr trocken, verlieren die Schleimhäute in den Atemwegen Feuchtigkeit und werden schlechter durchblutet. Die Schleimhaut ist gereizt, die Gefäße sind verletzlicher. Dadurch bluten sie leichter. Auch abschwellende Schnupfenmittel können die Nase austrocknen. Da trockene Schleimhäute Krankheitserreger wie Viren und Bakterien schlechter abwehren, haben diese leichteres Spiel.

Erkältung und Grippe mit Schnupfen: Eine Nasenentzündung (akute Rhinitis) durch einen Virusinfekt (Erkältung und Grippe) mit Schnupfen gehört zu den häufigsten Atemwegserkrankungen. Die entzündete Nasenschleimhaut schwillt an. Auch dabei kann es zu Nasenbluten kommen.

Allergien: Bei Heuschnupfen oder allergischem Schnupfen durch andere Allergieauslöser ist die Nasenschleimhaut aufgrund der allergischen Reaktion ebenfalls entzündet und blutet leichter.

Verstopfte Nase durch abschwellende Schnupfenmittel (Tropfen, Sprays): Keine Frage – bei verstopfter Nase erleichtern sie schlagartig das Atmen. Doch schon nach einwöchiger Anwendung verändert sich die Schleimhaut feingeweblich und in ihrer Funktion. Sobald der abschwellende Effekt nachlässt, schwillt sie wieder an. Die Betroffenen greifen daher erneut zum Spray oder Tropffläschchen und geraten nicht selten in eine Abhängigkeit. Zudem ist das Risiko hoch, dass die Schleimhaut austrocknet und auf Dauer verkümmert. Denn Inhaltsstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin wirken nicht nur abschwellend und sekrethemmend, sondern vermindern auch die Durchblutung.
Diagnose und Therapie: Anhaltender Schnupfen oder eine verstopfte Nase sind immer gute Gründe, bald zum HNO-Arzt gehen. Er stellt die Diagnose anhand der Krankengeschichte und einer Rhinoskopie. Bei trockener Nase empfehlen sich Spülungen mit Kochsalz- oder Meersalzlösungen (Nasendusche), Inhalationen mit Salzwasser und Pflege mit einer geeigneten Nasenalbe. 

Was man selbst vorbeugend oder gegen die Beschwerden bei einer trockenen Nase tun kann, steht im entsprechenden Kapitel („Vorbeugung“).

Weitere Informationen außerdem in den Beiträgen Schnupfen, Heuschnupfen / allergischer Schnupfen, Erkältung, Grippe.

Verletzungen: Ein Sturz, Stoß oder Schlag kann einen offenen oder geschlossenen Bruch des Nasenbeines oder der Nasenscheidewand verursachen. Manchmal geht die Nase auch bei einer Schädel-Hirn-Verletzung mit zu Bruch. Zu den möglichen Folgen gehört jeweils Nasenbluten.
Symptome: Reißt die Nasenschleimhaut ein, blutet es heftig aus der Nase. Sind durch die Gewalteinwirkung Knochen- und Knorpelteile verschoben, steht die Nase schief, die seitliche Wand ist eingedrückt. Wenn der Nasenrücken durch einen Bluterguss stark angeschwollen ist, kann eine leichte Verformung zunächst verborgen bleiben. Durch einen Bluterguss in der Nasenscheidewand wird die Atmung durch die Nase teilweise oder vollständig behindert. Die Nase schmerzt und es besteht ein starkes Druckgefühl.
Diagnose und Therapie erfolgen je nach Art und Ausmaß der Verletzung in einer HNO-Klinik, eventuell auch in einer Klinik für Unfallchirurgie oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Operationen im Nasen-Rachen-Raum oder der Nebenhöhlen: Bei einer Mandeloperation (Entfernen der Rachen- und Gaumenmandeln, Fachbegriff: Adeno-Tonsillektomie) ist bis über eine Woche danach eine Blutung möglich. Um diese Zeit löst sich meistens der Schorf, und dann kann es wieder heftiger bluten – in den Rachen und aus dem Mund. Das wird manchmal mit Nasenbluten verwechselt. Operationen der Nasenscheidewand, Nasenmuscheln oder Nebenhöhlen ziehen mitunter ebenfalls Blutungen nach sich.
Therapie: Blutstillende Maßnahmen durch den HNO-Arzt (siehe auch Kapitel „Therapie“), unter Umständen Nachoperation.

Knöcherne Sporne und Leisten der Nasenscheidewand: Leichte Unebenheiten und Verkrümmungen der Nasenscheidewand sind eigentlich ganz normal. Stark hervorstehende Sporne oder Knochenleisten können die empfindliche Schleimhaut der Nasenmuschel verletzen, sodass sie blutet.
Diagnose: „Formfehler“ des Nasengrüstes haben oft eine äußere wie innere Seite. Das heißt, äußerlich sichtbare Verformungen sind mit inneren Veränderungen verbunden und umgekehrt. Der HNO-Arzt denkt hier also ganzheitlich. Knochensporne oder -leisten auf der Scheidewand und durch sie verursachte Blutungen stellt er fest, indem er mittels Rhinoskop oder Endoskop Einblick in die Nasenhöhle nimmt.
Therapie: Operative Begradigung (sogenannte Septorhinoplastik).

Loch in der Nasenscheidewand (Nasenseptum- oder Septumperforation): Risikofaktoren sind wiederholtes Veröden von Gefäßen bei Nasenbluten, eine Operation der Nasenscheidewand, eine ausgeprägt trockene oder geschädigte Nasenschleimhaut, vereitertes Knorpelgewebe im Nasenseptum nach einer Verletzung, bestimmte chronisch-entzündliche Krankheiten, zum Beispiel die Wegener-Granulomatose (siehe unten), ätzende Chemikalien und anderes mehr.
Zu den Symptomen gehören Nasenbluten, Krusten in der Nase, behindertes Atmen durch die Nase.
Therapie: Je nach Lage, Größe und Beschwerden durch den Defekt – er kann auch symptomlos sein – wird dieser nicht behandelt oder aber operativ verschlossen. Der HNO-Arzt hat hier verschiedene Techniken zur Hand.

Barotrauma der Nasennebenhöhlen: Unter einem Barotrauma versteht man körperliche Störungen und Verletzungen durch Luftdruckunterschiede. Wenn die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum geschwollen sind, zum Beispiel bei einer Erkältung, kann der Druckausgleich zwischen den lufthaltigen, teils miteinander verbundenen Zonen des Nasen-Rachen- und Nebenhöhlen-Raumes erschwert sein. Auch größere Polypen behindern den Druckausgleich. In ausgeprägten Fällen kommt es in den Nebenhöhlen dann zu Schleimhautblutungen und zum Austritt von Blut aus der Nase. Relevant ist das zum Beispiel beim Tauchsport.
Weitere mögliche Symptome: Schmerzen über oder hinter dem Augen, im Bereich der Wange oder Schmerzen im Oberkiefer („Zahnschmerzen“), Kopfschmerzen.
Erste Hilfe: Hinsichtlich Nasenbluten siehe Kapitel „Erste Hilfe, Selbsthilfe“. Gegen Schmerzen hilft ein Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol. Niesen, Nasenschnäuzen und Husten vermeiden, sicherheitshalber gleich zum Arzt gehen.

Tumoren der Nase und Nasennebenhöhlen: Gut- und bösartige Geschwülste der Nasenhöhle oder in einer Nasennebenhöhle gehören zu den seltenen Geschwulsterkrankungen. Sie können sich zum Beispiel aus der obersten Deckschicht oder aus den Drüsenzellen der Schleimhaut entwickeln. Daneben gibt es noch verschiedene andere Tumorarten.
Gutartig sind zum Beispiel das gefäßreiche, juvenile Nasenrachenfibrom, das ausnahmslos bei männlichen Jugendlichen auftritt, und das sogenannte invertierte Papillom. Letzteres kann jedoch benachbartes Knochengewebe zerstören und sich mitunter in einen bösartigen Tumor verwandeln.
Symptome (gutartige Geschwülste): Nasenbluten auf der erkrankten Seite, Ausfluss aus der Nase, behinderte Nasenatmung, Kopfschmerzen, eventuell Belüftungsstörung zum Mittelohr hin (sogenannte Tubenfunktionsstörung; unter Tube verstehen Mediziner den Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum).
Diagnose: Spiegelung der Nase (Endoskopie). Anders als beim invertierten Papillom entnimmt der Arzt bei einem juvenilen Nasenrachenfibrom wegen der erhöhten Blutungsgefahr keine Gewebeprobe für die Diagnose. Weiterführende endoskopische und bildgebende Verfahren dienen zum Ausschluss anderer Geschwulstarten, zum Beispiel gutartiger Polypen (Adenoide).
Therapie: Falls ein Nasenrachenfibrom stärkere Beschwerden macht, ist es sinnvoll, die Geschwulst zu entfernen. Wegen der erhöhten Blutungsgefahr müssen zuvor „kritische“ Gefäße über einen Katheter verschlossen werden. Ein invertiertes Papillom entfernt der HNO-Arzt von vornherein, da es relativ aggressiv wächst. Anschließend sind regelmäßige Nachkontrollen notwendig.

Zu den bösartigen Geschwülsten gehören das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom, aber auch andere Tumorarten. Auslösende Faktoren: Tabakrauch, Schnupftabak, Alkohol beim Plattenepithelkarzinom, Hartholzstäube beim Adenokarzinom. Letzteres ist eine anerkannte Berufskrankheit bei Holzarbeitern. An bösartigen Krebserkrankungen der Nasenhöhle und Nebenhöhlen erkranken überwiegend Männer. Solange sie noch klein sind, machen die Tumoren keine Beschwerden. Daher werden sie meistens erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt.
Symptome: Die Krankheitszeichen hängen von der Lage und Größe des Tumors ab. Falls er zum Beispiel in den Boden einer Kieferhöhle und von dort in den Zahnbereich und die Mundhöhle wächst, kommt es zu Beschwerden am Gaumen, Zahnschmerzen oder Problemen mit der Prothese. Befindet sich der Tumor in der Nasenhöhle, behindert er die Atmung durch die Nase und kann eitrig-blutigen Ausfluss und Nasenbluten verursachen. Möglich sind auch starke Kopfschmerzen oder Doppelbilder. Außerdem können sichtbare Schwellungen und einseitige Schwerhörigkeit auftreten. Am Hals vergrößern sich unter Umständen Lymphknoten. Mögliche Allgemeinsymptome sind ungewollte Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, Fieber.
Diagnose: Angaben zur individuelle Krankengeschichte, insbesondere zur Berufstätigkeit und zum Gebrauch von Genussmitteln, sind für die Diagnose sehr wichtig, natürlich auch mögliche örtliche Beschwerden und eine sorgfältige körperliche Untersuchung. Die Spiegelung der Nase (Endoskopie) liefert weitere Informationen. Bildgebende Verfahren können die Diagnose erhärten.
Therapie: Bösartige Tumoren werden so weit wie möglich entfernt, eventuell nachbestrahlt. Teilweise schließt sich eine Chemotherapie an. Regelmäßige Kontrollen (Nachsorge) sind fester Bestandteil des Therapieplans.

Einige innere Erkrankungen gehen mit einer krankhaft vermehrten Blutungsneigung (Fachausdruck: hämorrhagische Diathese) einher und können dann auch Nasenbluten auslösen. Das sind zum einen Störungen der Blutgerinnung. Zum anderen kommen Gefäßerkrankungen infrage. Dabei geht es häufiger um die kleinsten Gefäße, die Kapillaren. Sie werden verletzlicher oder durchlässiger. Allerdings führt das nur selten zu stärkeren Blutungen.

Störungen der Blutgerinnung

Die Blutgerinnung ist ein kompliziertes, fein ausbalanciertes System, das den Körper vor zu wenig und zu viel Gerinnung schützt. Diese läuft in mehreren Phasen ab. Anfangs sind vor allem die Blutplättchen gefordert. Ihnen fällt die Aufgabe zu, im verletzten Bereich einen ersten Pfropfen zu bilden. Gleichzeitig zieht sich das blutende Gefäß vorübergehend etwas zusammen. In der nächsten Phase kommen die körpereigenen Gerinnungsfaktoren ins Spiel. Sie bilden einen dichten Verschluss, der fest mit den Wundrändern verklebt. Später wird der Schorf abgebaut.

Je nachdem, welche Einflüsse an welchem Punkt überwiegen, kann die Gerinnung verstärkt oder vemindert sein. Im letzteren Fall können leichter spontane Blutungen auftreten. Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel Schleimhautblutungen in Form von Nasenbluten, auch auf beiden Seiten, Zahnfleischbluten, rötlichem Urin. Oder es kommt zu Hautblutungen in Gestalt kleiner Punkte oder Flecken. Sie zeigen sich meistens vorne an den Unterschenkeln oder am Gesäß. Bei einer Verletzung oder Operation kann es unerwartet stark bluten. Dass eine innere Blutung oder Gehirnblutung auftritt, ist insgesamt eher selten. Mögliche Folgen einer verstärkten Blutungsneigung sind eine Blutarmut oder, bei akutem, sehr starkem Blutverlust, ein Kreislaufschock. Hier die wichtigsten Ursachen:

Medikamente: Cumarine sind Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen (sogenannte Antikoagulanzien), indem sie das für die Gerinnung wichtige Vitamin K überspielen. Sie heißen daher auch Vitamin-K-Antagonisten. Antagonisten sind Gegenspieler. Das in diesem Zusammenhang übliche Wort „Blutverdünnung“ ist eigentlich nicht zutreffend. Der richtige Fachbegriff lautet „Antikoagulation“. In Deutschland wird als Cumarin häufig Phenprocoumon eingesetzt. Zahlreiche Medikamente können die Wirkung von Cumarinen verstärken. Inzwischen stehen auch neue Arzneistoffe zur Hemmung der Gerinnung für bestimmte Behandlungsituationen (zum Beispiel zum Thromboseschutz nach Gelenkersatz an der Hüfte oder am Knie) zur Verfügung, etwa Dabigatran.
Andere gerinnungshemmende Arzneimittel wie Clopidogrel beeinflussen die gerinnungsaktiven Blutplättchen. Dies gilt auch für Acetylsalicylsäure, die zu den nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehört. Die genannten Medikamente werden bei Herz- und Gefäßkrankheiten eingesetzt (Acetylsalicylsäure hier in einer niedrigen Dosis täglich). Daneben gibt es weitere Stoffe, die die Gerinnung hemmen, zum Beispiel Heparin. Der Arzt wird bei einem Patienten mit Nasenbluten immer prüfen, ob ein gerinnungshemmendes Medikament verantwortlich ist. Vielleicht liegt auch eine Wechselwirkung zwischen mehreren Medikamenten vor, die dazu führt, dass die Blutungsneigung zunimmt.
Symptome: Zu den leichteren Zeichen erhöhter Blutungsneigung gehören gelegentliches Nasenbluten, Zahnfleischbluten und Blutergüsse nach Verletzungen. Gehen Sie in diesen Fällen, insbesondere auch, wenn sich der Urin rötlich oder braun verfärbt, sogleich zum Arzt. Das git auch, wenn Sie schwarzen Stuhl oder Blutauflagerungen bemerken.
Diagnose: Die Blutgerinnung wird anhand verschiedener Tests überprüft. Einer davon – und sehr aussagekräftig – ist die Bestimmung der sogenannten Prothrombinzeit. Sie dient vor allem unter der Behandlung mit Cumarinen dazu, die Dosis zu steuern. Dabei arbeiten Ärzte heute bevorzugt mit dem sogenannten INR-Wert, einem internationalen Standard, der es ermöglicht, die Ergebnisse aus verschiedenen Labors miteinander zu vergleichen. Je größer der INR-Wert ist, umso langsamer gerinnt das Blut. Vielen Patienten ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Quick-Wert“ geläufig, eine umgerechnete Angabe in Prozent, die aber von Labor zu Labor unterschiedlich ausfallen kann. Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, den INR- (und Quick-)Wert mit einem entsprechenden Gerät selbst zu messen. Meistens lassen Patienten aber den Wert vom Arzt kontrollieren.
Therapie: Bei einer Cumarin-Überdosierung reduziert der Arzt die Dosis oder setzt das Medikament bis auf Weiteres ab. Zusätzlich verabreicht er eventuell Vitamin K. Um bei einer schweren oder bedrohlichen Blutung unter einer Antikoagulanzien-Therapie deren Wirkung schnell aufzuheben, setzen Ärzte sogenanntes Prothrombinkonzentrat ein. Es enthält die von Vitamin K abhängigen Gerinnungsfaktoren.

Mangel oder verminderte Wirkung von Vitamin K: Vitamin K spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung. Wir nehmen es als Vitamin K1 über viele Lebensmittel auf, insbesondere grünes Gemüse wie Kohl und Spinat. Daneben findet sich der wichtige fettlösliche Stoff in Milch und Milchprodukten, Fleisch, Eiern, Obst und Getreide. Darmbakterien stellen Vitamin K2 her. Bestimmte Medikamente zur Blutverdünnung, die Cumarine (siehe oben), setzen die Wirkung von Vitamin K im Gerinnungssystem herab und damit die Blutgerinnung. Ein Vitamin-K-Mangel ist eher selten. Dazu bedarf es zum Beispiel einer starken Unterernährung oder extrem vitaminarmen Diät. Oder die Versorgung mit dem Vitamin ist durch eine Störung der natürlichen Darmflora bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen oder Einnahme von Antibiotika gefährdet. Auch ausgeprägte Leber- und Gallenerkrankungen verhindern mitunter, dass das Vitamin aus dem Darm ins Blut gelangt.
Symptome: Fehlt Vitamin K, dann sind Nasenbluten, Zahnfleischbluten, blaue Flecke und Blut im Urin möglich. Ansonsten stehen Symptome der jeweils zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund. Neugeborene und voll gestillte Säuglinge im ersten Lebensmonat haben einen natürlichen Vitamin-K-Mangel und damit verbunden ein erhöhtes Risiko für Gehirnblutungen. In Deutschland wird daher zurzeit die Prophylaxe mit Vitamin-K-Tropfen empfohlen.
Diagnose: Symptome möglicher Grunderkrankungen bei Vitamin-K-Mangel sind richtungsweisend für die Diagnose. Zu Blutungen, darunter Nasenbluten, kommt es allerdings weitaus häufiger durch Unregelmäßigkeiten bei der Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzienbehandlung, siehe oben).
Therapie: Fehlendes Vitamin K wird ersetzt.

Bluterkrankheiten (Hämophilien): Hämophilie umfasst unterschiedliche, erbliche (angeborene) sowie im Laufe des Lebens erworbene Gerinnungsstörungen. Beide Gruppen sind selten. Die erbliche Form betrifft überwiegend Männer. Nach Angaben von www.haemophilie.org (siehe Kapitel Literatur) ist aber etwa nur einer von 5000 Jungen betroffen. Frauen können Überträgerinnen sein, erkranken selbst aber fast nie. Die Hämophilie A mit Fehlen des Gerinnungsfaktors VIII ist die schwerste und häufigste Form. Manchmal ist der Faktor zwar nachweisbar, aber weniger aktiv. Das kann unterschiedlich ausgeprägte Hämophilie-A-Formen zur Folge haben. Bei der insgesamt noch selteneren Hämophilie B fehlt der Faktor IX, oder er ist inaktiv. Daneben gibt es noch andere erbliche Hämophilien. Bei den ebenfalls seltenen erworbenen Formen bildet der Körper aus verschiedenen Gründen Immunstoffe (Antikörper) gegen Gerinnungsfaktoren.
Symptome: Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blutungen nach einer Zahnextraktion oder verstärkte Regelblutungen sind mitunter Anzeichen einer leichten Hämophilie. Eine Wunde kann nachbluten, da sie sich langsamer oder nicht richtig verschließt. Bei schweren Formen treten flächige Blutungen auf, häufig in Gelenken, Muskeln und Haut. Auch ist die Gefahr innerer Blutungen erhöht.
Diagnose: Die Familiengeschichte gibt wichtige Hinweise, ebenso die Art der Blutung. Die Gerinnungszeit des Blutes ist verlängert, und damit auch ein Suchtest im Blut für Gerinnungsstörungen namens partielle Thromboplastinzeit (PTT). Im Blut lässt sich zudem feststellen, ob die Gerinnungsfaktoren VIII und IX fehlen oder zu wenig aktiv sind.
Therapie: Die Behandlung läuft in enger Anbindung an ein Hämophiliezentrum. Je nach Ausprägung wird der Gerinnungsfaktor bei Bedarf zur Behandlung einer Blutung oder dauernd ersetzt. So lässt sich ein Mindestmaß an Gerinnung erreichen. Der Arzt spricht hier von einer Substitutionstherapie. Die Betroffenen können sich „ihren“ Gerinnungsfaktor heute nach entsprechender Schulung auch alleine spritzen und dadurch ein weitgehend normales, selbstständiges Leben führen. Manchmal setzt der Arzt zusätzlich ein Präparat ein, das den Wundpfropfen vor der natürlichen Auflösung schützt. Oder, im Falle leichterer Blutungen bei Hämophilie A, auch den Stoff Desmopressin (DDAVP). Der künstlich hergestellte Abkömmling eines körpereigenen Hormons erhöht die Blutspiegel des Gerinnungsfaktors VIII und des Willebrand-Faktors (siehe unten). Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, zum Beispiel bei Nasenbluten, ist Tranexamsäure örtlich als Gel oder in Tablettenform.

Willebrand-Syndrom (von Willbrand-Jürgens-Syndrom): Neben der Hämophilie gibt es noch weitere Störungen im Gerinnungssystem. So können beispielsweise die Blutplättchen (Fachbegriff: Thrombozyten) nicht richtig funktionieren, weil bestimmte körpereigene Gerinnungsstoffe fehlen oder zu wenig aktiv sind. Dabei geht es vor allem um den von Willebrand-Faktor. Das damit verbundene von Willebrand-Syndrom ist die häufigste angeborene Gerinnungsstörung. Sie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und kommt in verschiedenen Formen vor. Wie hoch die Blutungsneigung ist und welche Art von Blutungen auftreten, hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Die leichten Formen überwiegen.
Symptome: In erster Linie kommt es zu wiederholten Schleimhautblutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verstärkten Regelblutungen. Nach einem Eingriff oder einer Entbindung können stärkere Blutungen auftreten. Teilweise sind Muskel- und Gelenkblutungen wie bei einer Hämophilie möglich.
Diagnose und Therapie: Bestimmung der sogenannten Blutungszeit, Gerinnungstest, spezielle Analysen des von-Willebrand-Faktors und weitere Laboruntersuchungen. Die Behandlung richtet sich nach der genauen Form der Erkrankung. Ein Präparat mit dem Gerinnungsfaktor VIII und dem Willebrandfaktor kommt zum Beispiel bei den Formen 1, 2 und 3 infrage, dazu ein Arzneistoff namens Tranexamsäure. Teilweise setzt der Arzt auch das Medikament Desmopressin ein (siehe jeweils oben: Hämophilie).

Mangel an Blutplättchen: Es gibt angeborene und erworbene Ursachen für einen Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie), zudem die Ursache „unbekannt“. Hier kommen mitunter Störungen des Immunsystems ins Spiel. Grundsätzlich kann die Bildung im Knochenmark beeinträchtigt sein, oder die zirkulierenden Plättchen werden beschleunigt abgebaut. Ärzte sprechen hier von erhöhtem Umsatz. Beide Störungen kommen auch kombiniert vor.
Es sind zahlreiche Faktoren bekannt, die das Knochenmark und damit die Bildung der Blutplättchen behindern können. Dazu gehören eine angeborene Form der Blutarmut, Virusinfekte, Chemikalien, eine Strahlenbehandlung, Leukämien und andere Krebserkrankungen. Immunologische Störungen wie beispielsweise die Werlhof-Krankheit, deren Ursache unklar ist, führen zum beschleunigten Abbau der Blutplättchen. Möglich ist das auch bei Erkrankungen der Leber oder Milz, verstärktem Abbau oder „Umsatz“ von Blutplättchen infolge bestimmter akuter Krankheiten oder durch verschiedenste Medikamente (darunter beispielsweise Acetylsalicylsäure, Antibiotika, Psychopharmaka).
Die Symptome richten sich nach der Ausprägung und Ursache im Einzelnen. Einen mäßigen Mangel an Blutplättchen toleriert der Körper meistens gut, wenn die Gerinnung und die Gefäße ansonsten intakt sind. Manchmal kann es jedoch zu Nasen- oder Zahnfleischbluten, verlängerten Regelblutungen, kleinen Blutergüssen und punktförmigen oder kleinflächigen Blutungen in der Haut kommen. Sie lassen sich bei der Untersuchung mit einem durchsichtigen Spatel nicht wegdrücken. Bei ausgeprägtem Mangel sind jedoch schwere Blutungen möglich.
Diagnose, Therapie: Eine Thrombozytopenie liegt vor, wenn der Wert von 140.000 / Mikroliter unterschritten wird (Erwachsene). Die Thrombozyten werden beim Anfertigen eines Blutbildes im Labor ausgezählt. Um die Diagnose stellen zu können, sind meistens noch ergänzende Untersuchungen nötig. Danach kann die Therapie beginnen. Ist die Zahl der Blutplättchen sehr niedrig, sodass das Blutungsrisiko stark erhöht ist oder spontane Blutungen auftreten, ist im Vorfeld schon eine Übertragung von Blutplättchen (sogenanntes Thrombozytenkonzentrat) möglich. Die weitere Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Gefäßerkrankungen

Auch hier lassen sich verschiedenste Krankheiten unter dem Stichwort „mögliche Ursache von Nasenbluten“ zusammenfassen:

Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Bei dieser chronischen Erkrankung der Schlagadern (Arterien) kommt es zu Ablagerungen in der Gefäßwand. Sie verliert an Elastizität und verdickt sich, die Lichtung wird enger. Das kann den Blutfluss und damit die Durchblutung verschlechtern. Empfindliche Organe wie Herz und Gehirn sind besonders gefährdet für bedrohliche Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Weitere ernsthafte Komplikationen sind das Raucherbein oder eine Aussackung an der Körperschlagader (Aortenaneurysma). Häufig verursachen die Gefäßveränderungen  Bluthochdruck. Nicht zuletzt können sie zu Nasenbluten führen.

Es gibt verschiedene Formen der Arteriosklerose, je nachdem, ob eher eher die großen oder die kleinen Gefäße betroffen sind. Auch bei der ganz natürlichen Alterung der Adern spielt Verkalkung eine Rolle. Doch hat nicht jeder ältere Mensch verkalkte Gefäße. Von einem bekannten Arteriosklerose-Forscher stammt der Satz: „Der Mensch ist so jung wie seine Gefäße“. Wer gesund lebt, hat in der Tat gute Chancen, dass die Gefäße und damit auch Körper und Geist lange fit bleiben. Eher das Gegenteil bewirken Rauchen, Fettstoffwechselstörungen – vor allem erhöhtes Cholesterin –, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) und Bewegungsmangel: Diese Herz-Kreislauf-Risikofaktoren fördern Verkalkungen.
Symptome, Diagnose, Therapie: Sie hängen jeweils von den Begleitumständen, Grunderkrankungen und möglichen Folgekrankheiten ab. Gefäßpulse lassen sich teilweise schlechter oder nicht bei der Untersuchung tasten. An der Netzhaut sind Gefäßveränderungen bei der Spiegelung des Augenhintergrundes (Ophthalmoskopie oder Funduskopie) erkennbar. Ob andere Gefäßbereiche ebenfalls betroffen sind, zum Beispiel an den Beinen oder am Hals – hier verlaufen Arterien, die den Kopf versorgen –, zeigt sich dann genauer bei der Untersuchung mit Ultraschall (sogenannter Gefäßdoppler). Ein gesünderer Lebensstil einschließlich Rauchverzicht ist absolut empfehlenswert, auch dann, wenn schon erste Gefäßschäden bestehen und der Arzt eine spezielle Behandlung eingeleitet hat. 

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Bluthochdruck macht anfangs wenig Symptome. Manchmal kommt es zu Unwohlsein, Müdigkeit, Schwindel. Nasenbluten kann bisweilen ein Anzeichen sein, auch bei Kindern und in der Schwangerschaft. Ein plötzlicher Druckanstieg in den Gefäßen, die möglicherweise durch den Hochdruck und / oder eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) angegriffen und weniger widerstandsfähig sind, kann als Auslöser infrage kommen. Nicht selten nehmen die Patienten auch ein gerinnungshemmendes Medikament ein, was Nasenbluten zusätzlich Vorschub leistet. Offenbar begünstigt ein deutlich erhöhter Blutdruck zudem Blutungen aus dem hinteren Nasengewölbe.
Blutdruckmessen gehört bei Patienten mit Nasenbluten immer zu den ersten Maßnahmen beim Arzt. Ist der Druck erhöht, kümmert sich nach der Blutstillung ein Internist oder Kardiologe um die weitere Therapie.

Mehr Informationen im Beitrag „Bluthochdruck“.

Purpura Schönlein-Henoch: Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu krankhaften Immunreaktionen im Bereich kleinerer Blutgefäße. Manchmal geht eine Grippe voraus, oder es liegt bereits eine andere Erkrankung des Immunsystems vor. Gelegentlich entwickeln sich die entzündlichen Gefäßveränderungen nach Einnahme bestimmter Medikamente. Es gibt auch die Variante „Auslöser unbekannt“. Typisch sind punktförmige bis flächenhafte Hautblutungen. Manchmal treten auch Schleimhautblutungen auf. Betroffen sind überwiegend Kinder.
Symptome: Mitunter blutet es auf beiden Seiten aus der Nase. Im Vordergrund stehen allerdings Schwellungen und stippchen- oder blasenförmige Hautblutungen an den Unterschenkeln, Füßen, am Unterbauch, bei Jungen auch im Hodenbereich. Die Gelenke können anschwellen und schmerzen. Blutiger Urin und Bluthochdruck weisen auf eine Beteiligung der Nieren hin, blutiger Stuhl auf eine Entzündung von Darmgefäßen.
Diagnose, Therapie: Der Kinderarzt stellt die Diagnose anhand der Symptome. Meistens ist keine Therapie nötig, sondern es genügt Bettruhe während des akuten Stadiums. Es dauert oft nur wenige Tage. Bei schweren Formen, die meist langwieriger verlaufen, erkranken innere Organe wie der Darm oder die Nieren. Dann kann zum Beispiel eine Gewebeentnahme aus der Niere nötig sein, um die Diagnose zu sichern und eine Therapie einzuleiten. Dabei geht es um recht starke Medikamente, die die Immunreaktionen unterdrücken, unter anderem Kortison. Ein zu hoher Blutdruck wird medikamentös gesenkt.

Osler-Krankheit (Morbus Rendu-Osler-Weber): Bei der Erbkrankheit treten meistens ab der Pubertät Blutungen aus sogenannten Gefäßknötchen (Blutschwämmchen oder Hämangiomen) auf. Sie beruhen auf unregelmäßigen Erweiterungen am Übergang hauchdünner Arterien in feinste Venen, dem Gefäßgebiet der Kapillaren. Die roten, unregelmäßig fleckigen „Schwämmchen“ sind oft schon mit bloßem Auge im Gesicht, in der Mundschleimhaut oder an den Fingern sichtbar. Sie lassen sich mit einem durchsichtigen Spatel bei der ärztlichen Untersuchung wegdrücken.
Symptome: Nasenbluten ist ein Leitsymptom, da die Gefäßknötchen häufig auch in der Nasenschleimhaut vorkommen. Jedoch sind manchmal auch innere Organe oder das Gehirn mitbetroffen und blutungsgefährdet. Alles in allem sind ernsthafte Blutungen aber eher selten.
Diagnose: Aufschluss gibt einmal die individuelle Krankengeschichte. Da die Erkrankung erblich ist, kann zum anderen die Familiengeschichte aufschlussreich sein. Der Kapillarresistenztest (Rumpel-Leede-Test) weist auf eine verminderte Kapillarfestigkeit hin. Der Arzt prüft bei wiederholtem Nasenbluten auch, ob eine Blutarmut vorliegt. Mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren lassen sich gegebenenfalls Gefäßanomalien auch in anderen Organen feststellen. Die Diagnose beruht auf einer Genanalyse im Blut.
Therapie (Nasenbluten): Blutstillung durch eine Nasentamponade oder Verödung. Nachhaltiger ist eine Transplantation eines kleinen Stückchens körpereigener Haut. Gute Nasenpflege hilft außerdem, Blutungen vorzubeugen. Mehr dazu in den Kapiteln„Therapie“ und „Vorbeugung“.

Wegener-Granulomatose: Diese Autoimmunkrankheit führt dazu, dass sich kleinere und mittelgroße Blutgefäße entzünden. Im Bindegewebe entstehen Knötchen (Granulome), in denen sich kleine Geschwüre bilden. Zuerst sind der Nasen-Rachen-Raum, hier insbesondere auch die Nasenscheidewand, die Bronchien und die Lungen betroffen. Später können sich die Entzündungen ausdehnen und vielfältige Krankheitserscheinungen verursachen, zum Beispiel an den Nieren, Gelenken, Augen und Nerven. Dabei treten auch Fieberschübe, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Nachtschweiß als Zeichen der den Körper insgesamt betreffenden Erkrankung auf.
Symptome (HNO-Bereich): chronischer, oft blutiger und eitriger Schnupfen, starke Krusten und Borken in der Nase, entzündete Nasennebenhöhlen, Ohrentzündungen, die auch auf den Knochenfortsatz hinter dem Ohr (Mastoid) übergreifen können, Kopfschmerzen. Später kann sich der Nasenrücken verformen („Sattelnase“).
Diagnose: Klinische Befunde, Blutanalysen, Gewebeproben, bildgebende Verfahren.
Therapie (HNO-Bereich, Atemwege): Die Behandlung erfolgt in der Regel zunächst mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), unter anderem Kortison, und sogenannten Zytostatika wie Methotrexat. Zytostatika hemmen die Zellteilung. Nach Rückbildung des Krankheitsbildes (Remission) oder deutlicher Besserung schließt sich eine Erhaltungstherapie an. Dabei kommen ebenfalls die genannten Medikamente zur Anwendung. Die Dosis kann niedriger sein, oder es wird eine veränderte Kombination bevorzugt. Dabei setzt der Arzt manchmal auch Trimethoprim-Sulfamethoxazol, ein spezielles Antibiotikum, zusammen mit Methotrexat ein.

Mangel an Vitamin C (Skorbut): Vitamin-C-Mangel schwächt nach einiger Zeit das Bindegewebe, weil der Aufbau von Kollagen gestört wird. Die feinen Kapillargefäße werden brüchig. Die Folge sind unter anderem kleinfleckige Kapillarblutungen in der Haut und in anderen Körperbereichen. Im Gegensatz zu Regionen dieser Welt, wo Menschen noch an schwerer Unterernährung leiden, gehört der Skorbut heute bei uns der Vergangenheit an. Denn wir können uns an einer großen Auswahl an Obst, Zitrusfrüchten und Gemüse erfreuen, und dies das ganze Jahr über. Der tägliche Vitamin-C-Bedarf liegt bei 100mg; 20mg des verfügbaren Vitamins genügen schon, um die Mangelkrankheit zu vermeiden. Aber nicht nur der Mangel, sondern auch überhöhte Zufuhr ist der Gesundheit offenbar nicht förderlich.
Symptome: Vitamin-C-arme Ernährung über etwa zwei bis vier Monate macht richtig krank. Unter anderem kommt es zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), Zahnfleischwucherung, Zahnfleischbluten, Zahnausfall, einer Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) sowie Nasenbluten. Wunden heilen schlecht, die Betroffenen sind erschöpft, müde und vermehrt anfällig für Infektionen. Auch können schmerzhafte Blutungen unter der Knochenhaut auftreten.
Therapie: Die Behandlung besteht in der Einnahme von Vitamin C und richtet sich ansonsten nach den Symptomen.

Schwanger – für viele Frauen beginnt mit dieser Gewissheit eine neue, beglückende Zeit. Kleinere körperliche Wehwehchen und Probleme lassen sich da meistens gut wegstecken, die Freude auf das Kind macht alles wett. Schließlich ist frau nicht krank, sondern „nur“ schwanger. Eine verstopfte Nase (Rhinopathia gravidarum) und Nasenbluten sind solche typischen Schwangerschaftsbeschwerden. Das Bindegewebe lockert sich unter dem Östrogeneinfluss auf – auch in den Gefäßen. Die Schleimhäute sind stärker durchblutet als sonst und geschwollen. So kommt es zu einer verstopften Nase, die zu allem Überfluss manchmal auch noch leichter blutet.

Die verstopfte Nase raubt den künftigen Eltern nicht selten den Schlaf: Ihr, weil das behinderte Atmen in jedem Fall unangenehm ist und die Schleimhaut im Rachen austrocknet. Ihm, weil sie dazu noch schnarcht. Ein trockener Rachen begünstigt auch Halsschmerzen und Halsentzündungen. Die Schwellungen in der Nase erhöhen zudem das Risiko einer Nebenhöhlenentzündung.

Besser über die Runden kommen

Die lästigen Beschwerden erfordern viel Geduld, denn sie legen sich erst wieder nach der Entbindung. Gute Nasenpflege mit einer geeigneten Nasensalbe, Spülen mit isotoner Kochsalzlösung (Nasendusche, siehe Kapitel „Vorbeugung“), Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper und körperliche Bewegung helfen meistens, besser durchzuatmen. Gewöhnungsbedürftig, aber oft ganz nützlich: sogenannte Nasenflügelheber in Form elastischer Pflaster oder flexibler Spangen, Schnarchzapfen oder Nasenschmetterlinge aus Silikon.

Informieren Sie beim nächsten Kontrolltermin sicherheitshalber den Frauenarzt. Er wird prüfen, ob vielleicht ein Hals-Nasen-Ohrenarzt sich des Problems annehmen sollte. Denn außer der Schwangerschaft selbst gibt es natürlich auch andere Ursachen für eine verstopfte Nase, erst recht für Nasenbluten (mehr dazu in den Ursachen-Kapiteln).

Was zu tun ist, wenn die Nase blutet, steht im Kapitel „Erste Hilfe, Selbsthilfe“.

Gut befeuchtete Atemwege verschaffen Wohlbefinden und helfen, Krankheitserreger abzuwehren – in der Nase, im Hals, in den Nebenhöhlen, Bronchien und in der Lunge. Wahrlich keine schlechte Bilanz.

Unsere Tipps

Vermeiden Sie heftiges „Trompeten“, also starkes Schnäuzen, und natürlich auch Nasenbohren. Beides tut der verletzlichen Nasenschleimhaut nicht gut.

Ein ein angenehm feuchtes und frisches Raumklima lässt die Schleimhaut im gesamten Atemtrakt aufleben. Problematisch sind bei uns vor allem die Wintermonate. Wir verbringen zu viel Zeit in überheizten Räumen und sind dafür meist zu wenig an der frischen Luft. Unserem Körper bekommt das nicht so gut.

Rchtiges Heizen und Befeuchten ist natürlich ein Riesenthema. Hier nur so viel: In optimal temperierten Wohnräumen sollten etwa 21 Grad Celsius herrschen, zum Schlafen im kuscheligen Bett reichen 18 Grad Zimmertemperatur. Die als angenehm empfundene relative Luftfeuchtigkeit beträgt zwischen 40 und 60 Prozent. Wie es bei Ihnen zu Hause um die Raumluft bestellt ist, verrät Ihnen ein Hygrometer. Mit etwas Spürsinn testen Sie es auch selbst. Stimmt der Feuchtepegel, hört der Hals auf, morgens zu kratzen. In den Rachen abgesunkenes Sekret ist locker und lässt sich leicht herauslösen. Die Haut fühlt sich samtiger an, und die Augen brennen nicht. Dies gilt natürlich unter der Voraussetzung, dass sonst keine Störungen oder Erkrankungen vorliegen.

Wenn die Luft bei Ihnen zu trocken und staubig ist und Sie stark an zu trockenen Schleimhäuten der Atemwege leiden, empfiehlt sich eventuell eine Investition in ein Befeuchtungssystem oder sogar ein Inhaliergerät (siehe unten). Die Apparate müssen allerdings regelmäßig gemäß Gebrauchsanleitung gereinigt werden. Lassen Sie sich hinsichtlich des Inhalierens auch von Ihrem HNO-Arzt und in Ihrer Apotheke beraten.

Grünpflanzen in der Wohnung verbessern zwar ebenfalls die Luftfeuchtigkeit, aber Sie sollten es damit nicht übertreiben, gerade auch, wenn Sie allergisch sind. Feuchte Erde kann zum Beispiel ein Nährboden für Schimmelpilze sein.

Auch innerlich können Sie für Ihre Nase etwas tun: Trinken Sie immer genügend Flüssigkeit tagsüber. Zwei Liter dürfen es schon sein, sofern Ihr Arzt nichts dagegen hat.

Zur sanften Pflege der Nase gibt es zum Beispiel spezielle Salben oder Sprays aus der Apotheke, die einen Wirkstoff wie Dexpanthenol (eine Vorstufe des Vitamins Pantothensäure) enthalten. Arbeiten Sie nicht mit normalen Cremes oder Pflegeölen; die legen womöglich die feinen Flimmerhärchen lahm, und damit den Sekrettransport. Auch Nasensprays mit isotonischer Kochsalzlösung oder Meersalz sorgen für ein gutes Klima im Naseneingang.

Spülungen mit Nasenduschen, ein uraltes Hausmittel übrigens, sind zum Beispiel bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Schnupfen, allergischem Schnupfen (Heuschnupfen, siehe auch unten) oder trockener und borkiger Nase sinnvoll. Die Maßnahme unterstützt den Selbstreinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut. So wird dem Spülen auch ein gewisser vorbeugender Effekt gegen Atemwegsinfekte zugeschrieben. In Apotheken gibt es Packungen mit Behälter (zertifiziertes Medizinprodukt) und portioniertem Nasenspülsalz wie auch fertige isotone Salzlösungen (0,9 prozentig, entsprechend etwa den Verhältnissen im Blut). Keinesfalls nur mit Wasser spülen, das trocknet die Schleimhaut nur noch mehr aus.
Möchten Sie Selbstversorger sein? Dann können Sie die Kochsalzlösung auch eigenhändig herstellen. Lösen Sie 0,9 Gramm Speisesalz, etwa einen halben Teelöffel, in 100 Milliliter abgekochtem, lauwarmem Wasser (oder neun Gramm auf 1 Liter) auf. Die Lösung jedoch nur einen Tag lang aufheben. Achtung: Sie darf niemals in der Nase brennen.

Sie können es übrigens auch zum Inhalieren benutzen. Hier stellt sich dann noch die Frage: Dampfinhalator oder Ultraschallvernebler? Dazu erfahren Sie mehr unter: Richtig inhalieren – so geht’s.

Lassen Sie sich bei diesen Fragen aber immer auch genau von Ihrem HNO-Arzt beraten.

Was tun bei verstopfter Nase? In der Schwangerschaft zum Beispiel können Sie sich wenig davor schützen. Gute Pflege, Befeuchten, viel trinken, sich bewegen lindert die Beschwerden oft, und viele Schwangere kommen damit schon recht gut klar. Abschwellende Schnupfenmittel sind nur sehr beschränkt einsatzfähig. Aber auch außerhalb der Schwangerschaft gibt es ein ganz klares zeitliches Limit von einer Woche für diese Medikamente, denn auf Dauer ist die Schleimhaut und damit auch der Geruchssinn in Gefahr. Kortisonhaltige Nasentropfen oder -sprays haben bei längerer Anwendung ebenfalls gesundheitliche Risiken. Das dürfte aber für eine medizinisch gut begründete, kurze Anwendung in der Schwangerschaft wohl keine Rolle spielen. Mehr dazu im Kapitel „Andere Ursachen“.

Ernähren Sie sich vitaminreich, vor allem mit viel frischem Obst und Gemüse. Bei tierischen Nahrungsmitteln, industriell hoch verarbeiteten Getreideprodukten, die nicht einmal mehr ansatzweise Ballaststoffe aus dem vollen Korn enthalten, können Sie sparen. Wenn Sie dann auch noch süßer Verführung und Alkohol widerstehen (gelegentliche Ausnahmen erlaubt!), verbessern Sie Ihre Energiebilanz und Gewichtskurve rasant.

Bewegen Sie sich ausreichend, gerne auch im Freien. Das tut Herz, Gefäßen und dem Blutdruck gut und sorgt auch für angenehme Frische der Nase. Minimum: dreimal 30 Minuten pro Woche, zum Beispiel strammes Gehen, Laufen oder Walking. Der Atem fließt freier, gerade auch in der frischen Luft. Wer das positiv empfinden kann, entspannt sich automatisch. Und dieser Effekt überträgt sich auf die Gefäße und den Kreislauf genauso wie auf eine aufgetriebene, zu Blutungen neigende Nasenschleimhaut. Warum sollte dieses hochempfindliche, feinnervige Organ nicht auch einen Riecher für Anspannung und Entspannung, negative und positive Energien haben?

Bei Allergien wird dazu geraten, möglichst die Auslöser zu meiden. Im Alltag ist das oft nur sehr eingeschränkt machbar. Eine Immuntherapie oder sogenannte „Allergieimpfung“ kann jedoch die allergischen Atemwegsbeschwerden zum Beispiel bei Heuschnupfen, Milbenhausstaub- und Schimmelpilzallergie (gegen die Sorte Alternaria) deutlich mildern. Damit schonen Sie auch die Nase und deren feine Gefäße.

Falls Sie ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen oder an einer Blutgerinnungsstörung leiden, sind Mittel mit Acetylsalicylsäure zur Schmerzlinderung in der Regel tabu. Bitte beachten Sie auch mögliche Wechselwirkungen wie verstärkte Gerinnungshemmung, wenn Sie außer einem entsprechenden Präparat noch weitere Arzneimittel einnehmen. Fragen Sie hierzu ausdrücklich auch Ihren Arzt und den Apotheker.

Zum Schluss: Dass Rauchen der Feind aller Schleimhäute und Gefäße ist, dürfte nun wirklich kein Geheimnis mehr sein.

  • Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
    Herausgegeben von Rudolf Probst, Gerhard Grevers, Heinrich Iro
    Thieme Verlag KG, 3., korrigierte und aktualisierte Auflage 2008
  • HNO-Ärzte im Netz
    Herausgegeben vom Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.
    www.hno-aerzte-im-netz.de
  • A. Viktor, S. Linke, C. Dahlmann
    Crashkurs Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
    Urban & Fischer/Elsevier, 2. Auflage 2007
  • MedlinePlus/U.S. National Library of Medicine/NIH National Institutes of Health
    Nosebleed
    http://www.entnet.org/healthinformation/nosebleeds.cfm
  • G. Herold und Mitarb.
    Innere Medizin, 2010
  • Deutsche Hämophilie-Gellschaft
    www.dhg.de
  • Baxter Deutschland: Informationen rund um die Hämophilie
    www.haemophilie.org
  • Der Internist, Band 51, Heft 9, September 2010

Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de / Apotheken Umschau, 20.08.2013