Implantate: Hochwertiger Zahnersatz, aber teuer

Wer sich künstliche Zahnwurzeln einsetzen lässt, braucht in der Regel Geduld und muss sich auf hohe Kosten einstellen. Was Sie über Zahnimplantate wissen sollten
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 26.10.2016

Makelloses Lächeln: Implantate wirken wie echte Zähne

CD/ImageSource/Aging Beauty

Immer öfter setzen Zahnärzte Implantate ein. Sie dienen als künstliche Zahnwurzel und werden im Kieferknochen fest verankert. Sie sehen Schrauben oder Stiften ähnlich und bestehen in den meisten Fällen aus Titan. Auf der Ersatzwurzel lassen sich Kronen, Brücken und Prothesen befestigen. Bevor Sie sich für diese Art von Zahnersatz entscheiden, gilt es, einige Fragen zu klären.

Wann kommt ein Zahnimplantat infrage?

Ein Implantat kommt beispielsweise in Betracht, wenn ein einzelner Zahn verloren gegangen ist. Fehlen mehrere Zähne, zum Beispiel die hinteren Backenzähne, ist ein festsitzender, durch Implantate gestützter Zahnersatz eine Alternative zur herausnehmbaren Teilprothese. "Auch Menschen mit schlecht sitzenden Prothesen können von Implantaten profitieren", sagt Dr. Gerhard M. Iglhaut, Zahnarzt aus Memmingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Denn die künstlichen Wurzeln geben einer Prothese neuen Halt.

Künstliche Wurzel: Ein Zahnimplantat sieht aus wie eine Schraube und wird im Knochen verankert

Mauritius Images/Alamy

Haben Implantate gegenüber anderem Zahnersatz Vorteile?

Studien zeigen, dass Patienten, die Implantate tragen, mit ihrem Zahnersatz zufriedener sind als solche mit anderen Zahnersatzformen. Dies gilt insbesondere für Prothesen. "Die Krone auf einem Implantat fühlt sich wie ein natürlicher Zahn an, sitzt fest und lässt unbeschwertes Kauen zu", erklärt Iglhaut. Ein weiterer Vorteil: Ersetzt der Arzt einen einzelnen Zahn durch ein Implantat, bleiben die Nachbarzähne in der Regel unversehrt. Wird die Lücke dagegen mit einer herkömmlichen Brücke geschlossen, muss der Zahnarzt die Nachbarzähne zum Teil abschleifen. Sind diese unbehandelt und gesund, geht dadurch wertvolle Zahnsubstanz verloren.

Was kann gegen das Einsetzen eines Zahnimplantats sprechen?

Menschen mit Diabetes, deren Blutzucker schlecht eingestellt ist, müssen erst mit dem Hausarzt klären, ob für sie ein Implantat infrage kommt. Unter Umständen muss der Patient erst die Zuckerkrankheit in den Griff bekommen, bevor der Zahnarzt die Kunstwurzeln einsetzen kann. Bestimmte Medikamente, etwa Blutgerinnungshemmer oder Mittel gegen Osteoporose, können den Eingriff verkomplizieren. Auch Herzkrankheiten können gegen ein Implantat sprechen. Deshalb unbedingt im Vorfeld mit Haus- und Zahnarzt mögliche Risiken klären!

Wie läuft die Implantation ab? Warum dauert der Prozess so lange?

Wer sich für ein Zahnimplantat entscheidet, braucht meistens viel Geduld. Zunächst muss der Zahnarzt feststellen, ob genügend Knochensubstanz vorhanden ist. Fehlt ein Zahn, bildet sich der Kieferknochen an dieser Stelle im Laufe der Zeit zurück. Reicht die Knochenmasse nicht aus, wird sie wieder aufgebaut.

Das Implantat wird meistens unter örtlicher Betäubung eingesetzt. Nach dem Eingriff muss das Implantat mit dem Kieferknochen verwachsen. Abhängig vom Ort der Implantation heilt das Implantat vom Zahnfleisch verdeckt oder offen. Üblicherweise wird die Zahnlücke mit einem vorläufigen Zahnersatz versorgt. Die Einheilphase dauert unterschiedlich lange – in der Regel zwischen drei und sechs Monate. Ist die implantierte Schraube gut eingewachsen, passt der Arzt den endgültigen Zahnersatz an, der später auf der Kunstwurzel sitzt.

Bei einer sogenannten Sofortimplantation setzt der Zahnarzt das Implantat unmittelbar nach dem Entfernen des Zahns ein. "Meistens geht der Zahnverlust jedoch mit einer Entzündung einher, die vor der Implantation erst abheilen muss", meint Dr. Sabine Köhler, Zahnärztin aus Aachen. Das heißt, meistens kann erst frühestens nach sechs Wochen die Zahnlücke mit einem Implantat versehen werden. Wichtig: Sofortimplantation bedeutet nicht automatisch Sofortbelastung. Selbst wenn ein Implantat direkt eingesetzt werden kann, muss es zunächst einheilen, bevor es der Patient belasten kann. Nur in bestimmten Fällen ist dies sofort möglich.

Welche Risiken bestehen während der Einheilungsphase und danach?

Damit das Implantat fest mit dem Knochen verwächst, dürfen Sie es – besonders in der frühen Einheilungsphase – nicht zu früh belasten. "Sonst kann das Implantat verloren gehen", warnt Iglhaut. Essen Sie anfangs nur weiche Kost und putzen Sie die Zähne vorsichtig. Klären Sie mit dem Zahnarzt, auf was Sie achten sollten.

Unter ungünstigen Umständen besteht die Gefahr, dass sich das Zahnfleisch oder sogar das Knochengewebe um das Implantat herum entzündet. Mediziner sprechen dabei von einer Periimplantitis, die im schlimmsten Fall den Verlust des Implantats bedeutet. Ursache sind meist Bakterien, die sich auf dem Zahnersatz ablagern und Plaque bilden. Wenn Sie den Zahnbelag nicht regelmäßig und gründlich entfernen, können die Keime ins Zahnfleisch eindringen und es entzünden. Deshalb gilt eine effektive Mundhygiene als bester Schutz vor der gefürchteten Periimplantitis. Grundsätzlich haben Raucher ein höheres Risiko, eine Periimplantitis zu bekommen. Auch Patienten mit einer aggressiven Parodontitis erkranken eher daran, erläutert Köhler.

Unklar ist, ob das Material der Kunstwurzeln – das Titan – eine Periimplantitis begünstigen kann. Das Immunsystem des Körpers könnte, so lautet eine Vermutung, auf Abbauprodukte des Stoffs reagieren und möglicherweise eine Entzündung auslösen.

Wie lange hält ein Zahnimplantat?

Studien zeigen, dass nach zehn Jahren noch über 80 Prozent der Implantate funktionieren. Wird ein einzelner Zahn ersetzt, liegen die Erfolgsraten sogar noch höher. Geht ein Zahnimplantat verloren, passiert dies meistens im ersten Jahr nach dem Einsetzen. Daneben spielt es eine Rolle, welches Implantatsystem der Arzt verwendet hat, wie lange und dick die Schrauben sind und wo sie im Gebiss eingesetzt wurden. Wer seine Zähne nicht gründlich pflegt, verkürzt die Lebensdauer der künstlichen Wurzel.

Welche Kosten entstehen?

Zahnimplantate sind teuer. Haben Patienten keine Zusatzversicherung, die eine Implantatbehandlung abdeckt, müssen sie die Kosten größtenteils selbst tragen. Die gesetzlichen Krankenkassen leisten nur einen Festzuschuss zum Zahnersatz. "Pro Implantat fallen zwischen 1500 und 3000 Euro an", so Iglhaut. Der hohe Preis erklärt sich durch die hochwertigen Materialien und den erheblichen Aufwand, bis die Behandlung abgeschlossen und das Implantat mit Zahnersatz versorgt ist. Im Vorfeld wird der Zahnarzt deshalb einen Heil- und Kostenplan erstellen. Ebenso sollten Patienten klären, welche zusätzlichen Beträge möglicherweise noch anfallen können.

Woran erkennt man einen guten Implantologen?

Grundsätzlich darf jeder Zahnarzt Implantate einsetzen. Iglhaut rät jedoch: "Achten Sie darauf, dass Ihr Zahnarzt eine Fortbildung in Implantologie bei einer wissenschaftlichen Gesellschaft absolviert hat." Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie vergibt beispielsweise Zertifikate, wenn der Zahnarzt eine eineinhalbjährige Fortbildung mit mehreren Kursen absolviert hat. Köhler empfiehlt: "Der Arzt sollte Sie umfassend beraten und Ihnen auch Alternativen zum Implantat anbieten." Sie schlägt außerdem vor, Freunde und Bekannte zu fragen, mit welchem Implantologen sie zufrieden waren.

Was Patienten mit Zahnimplantaten beachten sollten

Damit ein Zahnimplantat lange hält, ist gründliche Zahnpflege das A und O. Experten sagen, dass die Zahnbürste alleine nicht ausreicht. Zusätzlich sollten Sie Zahnseide und/oder Zwischenraumbürstchen benutzen, um den Zahnbelag an schwer zugänglichen Stellen zu entfernen. Es gibt spezielle Produkte für Implantatträger. Gehen Sie außerdem regelmäßig zur Kontrolle und "lassen Sie eine professionelle Zahnreinigung machen", erläutert Köhler. Wer an Diabetes leidet, sollte darauf achten, den Blutzucker im Griff zu haben. Sonst könnte die Zuckerkrankheit die Haltbarkeit des Implantats negativ beeinflussen.


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