Wie wirkt sich das Wetter auf den Kreislauf aus?

Müde, schlapp, schwindlig... Auch das Wetter kann solche Beschwerden auslösen. Die Biometeorologin Christina Koppe erklärt, wie uns Hitze und Kälte beeinflussen

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 20.04.2016

Ein Sommerregen kann erfrischend wirken. Ein aufziehendes Tiefdruckgebiet macht manchen aber auch zu schaffen

iStock/ebstock

Fühlen wir uns mal wieder müde und schlapp, finden wir schnell einen Schuldigen: das Wetter. Es ist zu heiß, zu kalt, zu nass oder zu windig – nur selten ist das Wetter so, wie wir es uns wünschen. Alles Einbildung? "Nein, das Wetter wirkt sich tatsächlich auf den menschlichen Organismus aus", sagt Dr. Christina Koppe, Biometeorologin beim Deutschen Wetterdienst. Allerdings gibt es neben dem Wetter auch viele andere Gründe für Müdigkeit und Schlappheit, so die Expertin.


Vor allem dem Kreislauf können Hitze und Kälte zu schaffen machen. Ist es heiß, gibt der Körper Wärme ab, um seine Körperkerntemperatur bei etwa 37 Grad Celsius zu halten. Das geschieht, indem wir schwitzen. "In diesem Zusammenhang stellen sich die äußeren Gefäße in der Haut weit, um Wärme nach außen zu transportieren", erklärt Koppe. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr werde dem Blut Wasser entzogen, die Blutmenge verringere sich und der Blutdruck sinke kurzzeitig ab, so Koppe weiter. Wer darauf empfindlich reagiert oder ohnehin eher niedrigen Blutdruck hat, der fühlt sich bei Hitze unwohl. Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen können sich einstellen – man fühlt sich schlapp.


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Kälte kann den Blutdruck erhöhen

Bei kalten Temperaturen gibt der Organismus möglichst wenig Wärme ab. Die Blutgefäße in der Haut werden eng gestellt, die Durchblutung in Armen und Beinen lässt nach. Dadurch bleibt der Körperstamm, der die lebenswichtigen Organe umgibt, warm. "Durch die verengten Hautgefäße muss das Herz das Blut gegen einen erhöhten Widerstand in den Kreislauf pumpen", erläutert die Expertin. Dadurch steige der Blutdruck an, was sich auf Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonie) ungünstig auswirken kann. In den kalten Wintermonaten nimmt auch die Gefahr für einen Herzinfarkt zu.

Hitze und Kälte beeinflussen zudem das Blut. Ist es heiß, wird das Blut unter Umständen dicker, weil ihm vermehrt Flüssigkeit durch Schwitzen entzogen wird. Ist es kalt, bilden sich verstärkt manche Blutgerinnungsfaktoren. "Deshalb erhöhen beide Temperaturbereiche das Risiko für eine Thrombose", so Koppe.

April-Wetter: Starke Temperaturunterschiede belasten

In den meisten Fällen sind es starke Temperaturschwankungen, die wir Menschen spüren. Steigen oder sinken die Temperaturen beispielsweise an einem Tag um mehrere Grad, kann sich der Körper nicht sofort anpassen. Er braucht dafür etwas Zeit. Zugleich spielen Feuchtigkeit und Wind eine Rolle. Koppe nennt eine typische Wetterlage, die den Kreislauf belasten kann: Ein Tiefdruckgebiet nähert sich von Westen und bringt warme und feuchte Luft vom Atlantik mit. Wind und Dauerregen gehen damit einher.

Wer merkt, dass er sich bei starken Wetterwechseln, bei Hitze oder eisiger Kälte unwohl fühlt, weil der Kreislauf verrückt spielt, kann gegensteuern. "Der Körper kann sich Wettereinflüssen schneller anpassen, wenn wir ihn trainieren", rät Koppe. Das bedeutet: Regelmäßig an der frischen Luft bewegen und sich nicht von schlechtem Wetter abschrecken lassen. Ein täglicher Spaziergang regt den Kreislauf an und hilft Menschen mit niedrigem Blutdruck, aber auch denen mit zu hohem Blutdruck. Auch Saunagänge und Wechselduschen härten den Körper ab.

"Wer an einer Herz-Kreislauf-Krankheit leidet, sollte vorher mit dem Arzt absprechen, welche Abhärtungsmaßnahmen sich für ihn eignen", empfiehlt die Biometeorologin. Weil auch andere Ursachen hinter einer vermeintlichen Wetterfühligkeit stecken können, ist es generell ratsam, Beschwerden zunächst vom Arzt abklären zu lassen und die passende Therapie mit ihm zu planen.



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