Die Schadstoffbelastung der Luft ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit und ist schädlich für Mensch und Natur. Laut Umweltbundesamt hat die Belastung mit Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol oder Blei in den vergangenen 20 Jahren zwar deutlich abgenommen – die Feinstaubbelastung hingegen stellt noch immer ein großes Problem dar. In vielen deutschen Großstädten werden die europaweit geltenden Grenzwerte für Feinstaub an mehr Tagen im Jahr überschritten, als es zulässig ist.
Was ist Feinstaub?
Feinstaub (Englisch Particulate Matter, kurz PM) wird auch als Schwebstaub bezeichnet, weil seine feinen Teilchen so leicht sind, dass sie nicht sofort zu Boden sinken, sondern in der Luft schweben. Die winzigen Partikel sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, nur bei bestimmten Wetterlagen wird Feinstaub als eine Art Dunstglocke sichtbar. Feinstaub wird in Mikrometer – das ist ein Millionstel Meter – gemessen. Als PM10 werden alle Teilchen bezeichnet, die kleiner als zehn Mikrometer sind. In Europa darf der PM10-Jahresmittelwert 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten, der PM10-Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden.
Vereinfacht kann man sagen: Je kleiner die Staubkörner, desto gefährlicher sind sie für den Menschen, weil sie umso tiefer in die Lunge eindringen können. Hinzu kommt, dass Feinstaub mit Schwermetallen oder anderen krebserregenden Substanzen behaftet sein kann.
Wie entsteht Feinstaub?
Feinstaub kann natürliche Quellen haben, zum Beispiel die Emissionen von Vulkanen und Meeren, Bodenerosion oder Waldbrände. Auch Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen, Algen oder Zellteile können Feinstaub verursachen. Die gefährlichere Art ist aber der durch menschliches Handeln erzeugte Feinstaub. Laut Umweltbundesamt sind die größten Quellen von Menschen verursachten Feinstaubs der Straßenverkehr, Kraft- und Fernheizwerke, Müllverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnungen, Landwirtschaft und Tierhaltung sowie bestimmte Industrieverfahren. Feinstaub entsteht durch Verbrennungsprozesse oder durch chemische Reaktionen zum Beispiel von Schwefel- und Stickstoffoxiden, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen in der Atmosphäre. Allein in Deutschland gelangen jährlich mehr als 100.000 Tonnen Feinstaub in die Luft.
Wie wirkt sich Feinstaub auf die Gesundheit aus?
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich das Einatmen von Feinstaub negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass selbst kleine Feinstaubkonzentrationen den Körper schädigen. Am größten ist die Belastung aber in Großstädten. „Die feinen und ultrakleinen Stäube sind für die menschliche Gesundheit besonders wirkungsrelevant“, sagt Professor Thomas Eikmann, Direktor des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Gießen. Größere Staubkörner werden über die Atemwege ausgeschieden. Je kleiner die Partikel jedoch sind, desto tiefer gelangen sie in die Atemwege und können beim Ausatmen nicht mehr ausgeschieden werden. „Sehr kleine Partikel können außerdem über die Lungenbläschen in die Blutbahn gelangen und sich so im Körper verteilen“, erklärt Eikmann. Da Atmung und Blutkreislauf sehr eng miteinander verbunden sind, kann die Schädigung des Atemtrakts auch das Herz-Kreislaufsystem in Mitleidenschaft ziehen. „Durch das Eindringen von Feinstaub kann die Fließfähigkeit des Blutes beeinträchtigt werden, dadurch kann das Herzinfarktrisiko steigen. Ja sogar auf das Gehirn und das Zentralnervensystem kann Feinstaub schädlich wirken“, warnt Experte Eikmann. Aus Statistiken sei erkennbar, dass in Gegenden mit hoher Feinstaubbelastung mehr Menschen Herzinfarkte erleiden und dass das Herzinfarktrisiko sinke, wenn sich die Luftqualität verbessere, so der Umweltmediziner.
Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation zeigen, dass mit Feinstaub belastete Luft in verkehrsreichen Gebieten die Lebenserwartung in Deutschland um etwa zehn Monate verkürzt. Dabei führen nicht nur tageweise erhöhte Konzentrationen zu Gesundheitsschäden, sondern gerade längerfristige geringe Feinstaubmengen wirken sich negativ aus – ohne dabei zunächst spezifische Krankheitssymptome hervorzurufen.
Was bringen Umweltzonen?
Grün, Gelb, Rot: In den meisten deutschen Großstädten gibt es inzwischen Umweltzonen, in die nur noch Fahrzeuge mit Feinstaubplakette hineinfahren dürfen. Die Plaketten in den Ampelfarben geben an, wie stark das jeweilige Fahrzeug die Umwelt belastet. Grün steht für wenig Emission, gelb für eine mittlere Emission, Fahrzeuge mit starkem Schadstoffausstoß tragen rote Plaketten. Für Dieselfahrzeuge ohne Rußpartikelfilter gibt es gar keine Plakette, da diese besonders viel Feinstaub verursachen.
Schrittweise dürfen in den nächsten Jahren nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette die Umweltzonen befahren. Vom Umweltbundesamt heißt es: Die erwartete Wirksamkeit einer Umweltzone hänge von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich sei eine Reduzierung des Jahresmittelwertes für PM10-Feinstaub um bis zu zehn Prozent möglich. Die Anzahl der Tage im Jahr, an denen die Höchstmengen für Feinstaub überschritten werden, könnte um etwa 20 Tage reduziert werden.
Sprich: Umweltzonen verringern die Feinstaubkonzentration und damit die Belastung für den Menschen. Um Grenzüberschreitungen ganz zu vermeiden, wären jedoch strengere Mittel nötig. Modellrechnungen geben zum Beispiel an, dass 60 bis 80 Prozent weniger Verkehr an den besonders belasteten Straßen in Deutschland notwendig wäre, damit die Höchstgrenzen nicht mehr überschritten würden. Ein Fahrverbot wäre in Deutschland aber wohl gesellschaftlich nicht durchsetzbar und würde das öffentliche Leben in Großstädten stark einschränken. Immerhin: Laut Umweltbundesamt ist durch das Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge ohne Rußpartikelfilter die Dieselrußbelastung in vielen Städten bereits deutlich zurückgegangen.
Fazit: Wie gefährlich ist Feinstaub wirklich?
„Feinstaub ist eines der größten Umweltprobleme in Deutschland“, sagt Eikmann. Durch Umweltzonen, bessere Filteranlagen und die scharfen europaweiten Grenzwerte bekomme man das Problem allmählich in den Griff. Fakt ist: Feinstaub ist selbst in geringen Konzentrationen gesundheitsschädlich und sollte daher nicht unterschätzt werden. Und: Jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, weniger Feinstaub zu produzieren. Zum Beispiel, indem man weniger Auto fährt und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften umsteigt. Wer auf sein Auto nicht verzichten kann oder möchte, sollte langsamer fahren und auf Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch und Feinstaubausstoß achten oder sein altes Auto mit einem Partikelfilter nachrüsten.
Simone Herzner / www.apotheken-umschau.de;
13.02.2012
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