Honig verspricht bessere Wundheilung

Ärzte setzen verstärkt auf medizinischen Honig, um Wunden zu behandeln. Allmählich verstehen sie auch, warum er so gut hilft

von Xenia Schleuning, aktualisiert am 16.03.2016

Naturmedizin? Handelsüblicher Honig aus der Küche eignet sich eher zum Süßen

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Professor Arne Simon ist Experte für den medizinischen Nutzen von Honig. Der Spezialist für krebskranke Kinder am Universitätsklinikum des Saarlandes verwendet Honig häufig als Wundauflage. Zum Beispiel wenn sich Wunden nach einer Operationen entzünden und langsam heilen – was bei seinen jungen Patienten immer wieder passiert, wenn ihr Immunsystem durch die Chemotherapie geschwächt ist.

"In solchen Fällen nutzen wir medizinischen Honig, da er einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden hat", sagt Simon. Unter anderem heilen die Wunden mit dem speziellen Medizinhonig ohne weitere Komplikationen ab, wie der Spezialist aus langjähriger Erfahrung weiß. Auch ist der Verbandswechsel nicht so schmerzhaft wie bei anderen Wundauflagen, weil der Honig die Wunde reinigt und feucht hält. Gerade bei Kindern, die durch eine schwere Erkrankung wie Krebs belastet sind, fallen solche Unterschiede ins Gewicht.


Medizinischer Honig: Die braune Paste ist eine wirksame Wundauflage

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Honig schützt die Wunde, reinigt und heilt

Die Wirksamkeit des Honigs beruht auf drei Eigenschaften: Er schützt die Wunde, reinigt sie und heilt. Der dickflüssige Honig bildet auf der verletzten Stelle einen Film, der eine Schranke gegen neue Bakterien bildet. Außerdem fördert sein hoher Zuckergehalt die Bildung von säuberndem Wundsekret. Keimen entzieht die zuckrige Masse Wasser: Sie können sich nicht mehr vermehren. Für die direkte Heilwirkung des Honigs sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand Stoffe wie Wasserstoffperoxid und Methylglyoxal ausschlaggebend, welche die Bakterien in der Wunde abtöten.

Wirksamkeit immer besser belegt

Besonders Kliniken schätzen Honig bei der Wundbehandlung zunehmend. Denn gegen Honig scheinen die Bakterien bislang keine Widerstandskraft – eine Resistenz – entwickeln zu können. Ein entscheidender Vorteil in Zeiten, in denen viele herkömmliche Antibiotika gegen verbreitete Krankenhauskeime nichts mehr bewirken.

Selbst viele Skeptiker sind inzwischen überzeugt. Zum Beispiel Professor Axel Kramer vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin in Greifswald. Noch 2004 hielt er es für unangebracht, den medizinischen Honig bei der Behandlung von Wunden zu empfehlen. Heute, sagt er, habe sich seine Meinung dazu von Grund auf geändert. Die neueren wissenschaftlichen Ergebnisse hätten die Vorteile des Honigs eindeutig belegt.

Manuka-Honig als Basis fürs Medizinprodukt

Je nach Honigsorte unterscheidet sich aber die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe deutlich – folglich auch deren medizinische Wirksamkeit. Wichtiger Lieferant für Heilzwecke ist der neuseeländische Manuka-Honig. Seine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung soll die anderer Sorten übertreffen. Damit aus dem Naturprodukt medizinischer Honig wird, erhält es eine Behandlung mit Gamma-Strahlen. Deren Radioaktivität macht es steril und haltbar. So entsteht ein Medizinprodukt mit Zulassung für die Wundbehandlung. Wie Experte Simon betont, erfordert der Einsatz von Honig auf Wunden einiges an Erfahrung: "Eine erfolgversprechende Anwendung bei chronischen Wunden muss immer in ein umfassendes professionelles Wundmanagement eingebunden sein." Um die Versorgung größerer oder schlecht heilender Wunden sollte sich stets ein Arzt kümmern.

Honig zur Selbsthilfe eher bei Halsweh

Weiterhin bewährt ist auch normaler Honig – und zwar als traditionelles Heilmittel bei Halsweh. Zwar bekämpft er nach allgemeiner medizinischer Meinung nicht die Ursache der Schmerzen. Aber er sorgt dafür, dass sich ein wunder, trockener Hals für kurze Zeit erheblich angenehmer anfühlt. Der Grund: Er regt den Speichelfluss an, besonders wenn man ihn in heißer Milch trinkt.

Wann ist Vorsicht bei Honig geboten?

Aktuell berichtet eine Studie des Bundesamtes für Risikobewertung, dass manche Honige geringe Mengen an toxischen Pyrrolizidinalkaloiden enthalten – Stoffe, die in größeren Mengen krebserregend sein können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält einen durchschnittlichen Verzehr – eine normale Portion enthält etwa 20 Gramm – von Honig allerdings für unbedenklich. Laut offizieller Empfehlungen sollten insbesondere Kleinkinder, Kinder, Schwangere und Stillende keine großen Mengen zu sich nehmen.

Davon unabhängig ist Honig für Babys unter zwölf Monaten ungeeignet. Es besteht die Gefahr, dass Bakterien, die aus der Umwelt in den Honig gelangt sein können, eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen – den sogenannten Säuglingsbotulismus. Das ist in den ersten Lebensmonaten problematisch, weil das Immunsystem bei Babys erst noch reift. Ab einem Jahr ist Honig in normalen Verzehrmengen unbedenklich.


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