Video: Fußball-WM und Public Viewing

Warum ist Public Viewing so beliebt? Warum werden zur Fußball-Weltmeisterschaft selbst Sport-Muffel zu glühenden Fans? Psychologen erklären, warum die Fuball-WM die Massen begeistert

von Redaktion: Corinna Hilss, Kamera: Ramiro Medina, Schnitt: Thomas Erichsen Text: Sophie Kelm, aktualisiert am 26.08.2014
Produktion: W&B

 

Spätestens zu sportlichen Großereignissen wie einer Weltmeisterschaft bricht in Deutschland das Fußball-Fieber aus. Seit dem Sommermärchen 2006 gehört Public Viewing einfach dazu. Die Münchner Psychologin Cordula Leddin hat sich mit der Begeisterung für Public Viewing beschäftigt und erklärt in unserem Video, warum das gemeinsame Fußballschauen einen solchen Reiz auf viele Menschen ausübt und warum wir als Teil einer großen Masse Emotionen oft intensiver erleben.

Brasilianische Rezepte: Jetzt in der Apotheken Umschau


Garnelen in Kokosmilch, Käse-Bällchen, Bohneneintopf: Brasilianische Rezepte für perfekte Fußball-Abende finden Sie in Ihrer Apotheken Umschau, Ausgabe 15. Juni 2014, ab Seite 84. Das Heft ist jetzt in Ihrer Apotheke erhältlich.


Die Psychologie des Public Viewings

Es ist eng. Es ist heiß. Es riecht nach schwitzigem Fan im Trikot. Statt auf die Leinwand hat man Blick auf den Zwei-Meter-Mann mit Hut. Klingt das verlockend? Nein? Ist es aber! Gemeinsam Fußball gucken ist gerade bei großen Turnieren wie Europa- oder Weltmeisterschaften eine der liebsten Beschäftigungen der Deutschen. Was verleitet die Massen zum Rudelgucken? Sportpsychologe Dr. Thomas Teubel aus Berlin: "Beim Public Viewing können Erwachsene ihren Emotionen freien Lauf lassen. Das ist befreiend! Im normalen Leben traut sich das heute fast niemand mehr."

Erhebendes Gemeinschaftsgefühl

Die eigenen Gefühle spiegeln sich in den anderen Fans. Das peitscht die Emotionen hoch. Gemeinsam erlebt man eine Welle der Euphorie. "Der Mensch hat ein sehr starkes Bedürfnis, zu einer Gruppe zu gehören. Und zwar besonders zu einer attraktiven", erklärt Teubel. Da die Deutsche Elf eine sehr erfolgreiche Mannschaft ist, sonnt man sich gerne in ihrem Ruhm. "Das steigert das eigene Selbstwertgefühl."

Deshalb heißt es nach einem erfolgreichen Spiel auch gerne "WIR haben gewonnen!". Sollte das Nationalteam allerdings versagen, hört man: "DIE haben verloren."

Wer alleine zu Hause guckt, wird sich dem Team nie so zugehörig fühlen, wie im durchgeschwitzten Arm des Nebenmanns vor der Großleinwand. Also auch kein kollektiver Siegestaumel. Der Wunsch nach dem Wir-Gefühl erklärt auch die plötzlich erwachende Verkleidungsfreude erwachsener Menschen. "Mit Hüten, Fähnchen und Trikots kann man wunderbar die Zugehörigkeit und die starke Identifizierung mit der Mannschaft signalisieren", erklärt Teubel.

Die Kehrseite: Erdrückender Gruppenzwang

Das Zusammengehörigkeitsgefühl hat aber auch eine Kehrseite: Wer nicht zum Public Viewing geht, der schließt sich aus, macht sich zum Außenseiter. Viele Menschen empfinden Gruppendruck, sie wollen nichts verpassen. Wenn alle Arbeitskollegen zusammen Deutschland anfeuern und ein einzelner fehlt, kann er später nicht mitreden.

Public Viewing heißt auf Englisch "öffentliche Aufbahrung"

Public Viewing gibt es seit der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 – es ist sozusagen eine "deutsche Erfindung". Das erklärt auch, warum der englische Begriff etwas unglücklich gewählt ist. Was der Deutsche mit "öffentlich Fußballschauen" übersetzt, heißt im Englischen "öffentliche Aufbahrung eines Toten". Das tut der Beliebtheit des Massenspektakels aber keinen Abbruch. Teubel ist überzeugt: "So lange die Deutschen erfolgreich spielen, bleibt das gemeinsame Fußball schauen so beliebt."

Unsere Experten


Sportpsychologe Dr. Thomas Teubel

W&B/Privat

Diplom-Psychologin Cordula Leddin

Produktion: W&B


Bildnachweis: W&B/Privat, fotolia / Contrastwerkstatt, Produktion: W&B

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Spezials zum Thema

Gruppe trainiert

Sport: Gesund und fit in jedem Alter

Ob Joggen, Walken, Radfahren oder Schwimmen: Regelmäßiges Training hält fit, jung und aktiv. Lesen Sie, wie positiv sich Bewegung auf Ihre Gesundheit auswirkt »

Wie entspannen Sie sich im Urlaub am besten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages