Sodbrennen stoppen, Speiseröhrenkrebs verhindern

Rauchen, Alkohol, Magensäure – verschiedene Faktoren können Speiseröhrenkrebs begünstigen. Ärzte erklären, ab wann Sodbrennen gefährlich wird

von Dr. Reinhard Door, aktualisiert am 08.03.2016

Saures Aufstoßen: Nimmt Sodbrennen überhand, kann es Krebs begünstigen

W&B/Marcel Weber

Mit rund 7000 Fällen pro Jahr in Deutschland zählt Speiseröhrenkrebs bislang zu den eher seltenen Tumoren. Trotzdem rückt er immer mehr in den Fokus von Experten: Er gehört zu jenen Krebsarten, deren Häufigkeit ständig zunimmt. Und momentan sehen die Überlebenschancen für Betroffene vergleichsweise schlecht aus. Therapeutische Fortschritte sind also umso wichtiger.

Ihre neuesten Erkenntnisse haben Magen- und Darmspezialisten jetzt in einer aktualisierten Leitlinie zusammengetragen. Darin beschreiben sie unter anderem sanftere Behandlungsmethoden im frühen Stadium. Ganz oben in dem Papier aber steht die Vorbeugung. Dazu muss man zunächst wissen, dass Speiseröhrenkrebs in zwei Formen auftritt. Bei der bisher häufigeren liegen die Risiken auf der Hand: Sie wird vor allem durch Rauchen und viel Alkohol begünstigt. Bei der anderen Form, die stark zunimmt, ist die Sache komplexer.


An ihrem Anfang steht Magensäure, die in Richtung Mund hochsteigt. Dieser Reflux verursacht Sodbrennen, oft auch eine Entzündung. Um sich dagegen zu schützen, baut die Speiseröhre bei manchen Menschen einen Teil ihrer Innenwand um – zu einer nach ihrem Entdecker benannten "Barrett-Speiseröhre". Ein "Barrett", wie Mediziner salopp sagen, hat das Potenzial, sich zu Krebs zu wandeln.

Sodbrennen behandeln

Muss nun jeder Angst haben, der gelegentlich Sodbrennen erlebt? Sollte man gleich per Endoskop die Speiseröhre spiegeln lassen? "Das ist zu diesem Zeitpunkt überflüssig und sogar kontraproduktiv", sagt Professor Herbert Koop, Koordinator einer 2014 veröffentlichten Leitlinie zum Reflux. Überflüssig, weil Speiseröhrenkrebs sich nicht von heute auf morgen bildet. Und kontraproduktiv, weil eine akut entzündete Speiseröhre die Diagnose erschwert.

"Klare Ansage: Erst einmal sollte man Patienten gegen den Reflux behandeln, vor allem um ihre Beschwerden zu mildern", betont Koop. Und zwar mit einem Mittel aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer. Diese drosseln die Produktion von Magensäure. Nur wenn sich damit das Sodbrennen dauerhaft nicht bessert, sollten Betroffene sich in den Schlund schauen lassen.

Ein "Barrett" ist kein Grund zur Panik

Entdeckt der Arzt nichts Verdächtiges, ist es damit getan: "Man geht davon aus, dass sich schon relativ früh ein Barrett entwickelt, daher ist eine spätere Entstehung eher unwahrscheinlich", erklärt Professor Oliver Pech, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und interventionelle Endoskopie im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Stößt der Arzt auf ein Barrett, ist das dennoch kein Grund zur Panik. Laut einer Studie erkrankt nur einer von 300, einer anderen Untersuchung zufolge nur einer von 800 Betroffenen tatsächlich an Speiseröhrenkrebs.

Dennoch ist eine nähere Diagnostik natürlich ratsam. Ein Pathologe prüft dann, ob Gewebeproben Krebszellen oder deren unmittelbare Vorläufer enthalten. Trifft dies nicht zu, sollte man etwa alle vier Jahre eine Kontroll-Endoskopie machen lassen. "Bei einem sehr kleinen Barrett ist das Risiko so gering, dass man in Absprache mit dem Patienten sogar darauf verzichten kann", sagt Experte Koop.

Tumor wird oft erst spät wahrgenommen

Wird der Pathologe jedoch fündig, tragen Ärzte das betroffene Areal mit einer Elektroschlinge ab oder behandeln es mit hochfrequenten Radiowellen. Dabei kann es zu Komplikationen wie Blutungen oder Speiseröhren-Verengungen kommen. Dennoch ist die endoskopische Therapie weit schonender als eine Operation – wie sie in fortgeschrittenen, aber noch heilbaren Stadien nötig ist.

Nicht selten nehmen Patienten den Tumor erst wahr, wenn ihnen das Schlucken Probleme bereitet oder sie stark abnehmen. Häufig hat der Tumor in diesem Fall bereits Metastasen gebildet. "Dann sollten Ärzte in der Regel auf eine Operation verzichten", sagt Professor Wolfgang Fischbach, Chefarzt der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie/Onkologie am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.

Stattdessen sollten sie sich bemühen, dass der Patient möglichst lange überlebt – bei guter Lebensqualität. Dazu kann eine Chemotherapie beitragen oder ein weitender Stent in der Speiseröhre. Ob es aber so weit kommen muss, hat jeder zumindest ein Stück weit selbst in der Hand.


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