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So kauft man ein Hörgerät

Vom ersten Kennenlernen des Hörgeräteakustikers bis zum Einsatz im Alltag sind meist einige Anpassungstermine notwendig


Das gläserne Hörgerät: Die Technik im Ohr schematisch dargestellt (Klicken Sie auf die Lupe links oben, um die Abbildung zu vergrößern)

Ein Hörgerät kauft man nicht einfach so auf die Schnelle im Laden. Schließlich ist das keine Technik von der Stange, wie etwa eine Stereo-Anlage. Der Fachmann dafür ist ein Hörgerätakustiker. Üblicherweise sind mehrere Termine bei ihm notwendig, die folgendermaßen ablaufen:

 

  • In einem schallisolierten Raum geh es erst einmal darum, die Probleme genau zu ermitteln. Über Kopfhörer spielt ein Gerät Töne verschiedenster Frequenzen und Lautstärke ab. Sinn der Untersuchung: Welche Töne bereiten den Ohren Schwierigkeiten? Inwiefern beeinträchtigt das die Spracherkennung? Letzteres sollte nicht unterschätzt werden, denn es gibt einen Unterschied zwischen Hören und Verstehen. Beides kann bei Schwerhörigen individuell gestört sein und verlangt getrennte Aufmerksamkeit. Mit Messungen zwischen Hör- und Unbehaglichkeitsschwelle filtert der Hörgerätakustiker den Arbeitsbereich den Gehörgang eines Patienten aus. Auch wird so ermittelt, ob ein Mensch mehr Probleme mit dem direkten Schall hat (andere wahrnehmen, wenn eine Klangquelle ohne Umwege das Ohr erreicht) oder mit Schallreflexion. Natürlich wird der Patient auch befragt: Welche Schwierigkeiten beim Hören sind ihm besonders aufgefallen? Etwa beim Fernsehen und in der Öffentlichkeit. Auch ein Abdruck von der Ohrmuschel wird gemacht. Er dient als Vorlage für die Anfertigung einer Ohrplastik, damit die zukünftige Hörhilfe am Kopf Halt findet. Schließlich sollte auch eine kleine Gerätekunde auf dem Programm stehen: Was gibt es für Modelle, was können sie, was kosten sie?

  • Bei zweiten Termin testet der Hörgerätakustiker einige Muster. „Freifeldmessung“ nennen das Experten, denn hier spielt ein Lautsprecher die Testtöne und -sätze vor. So findet der Fachmann meist schnell ein geeignetes Gerät

 

  • Beim dritten Termin steht die individuelle Einstellung an. Lautstärke und Frequenzgänge aller Kanäle werden durchgemessen, pro Ohr eines. Das dauert gut und gerne eine Stunde – eine monotone Prozedur. Der Patient bekommt die Hörgeräte zum Testen mit nach Hause – was meist ein großes Erlebnis ist. Mal wieder richtig hören.

 

  • Natürlich stimmten die Einstellungen anfangs noch nicht hundertprozentig. So geht es bei den nächsten Sitzungen darum, die Hörgeräte Schritt für Schritt den Bedürfnissen und Wünschen ihrer künftigen Besitzer anzupassen – „Feintuning“ sozusagen. Zuweilen eine mühsame Angelegenheit.

 

  • Wenn alles passt, bekommt der Patient einen Abschlussbericht, mit der er nochmals zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt für eine abschließende Kontrolluntersuchung geht.


www.apotheken-umschau.de; 23.03.2010, aktualisiert am 25.06.2010
Bildnachweis: W&B/ Jörg Neisel

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