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Verspannungen lösen: diese Tipps helfen

Verspannte Muskeln können viele Ursachen haben. Wie Wärme, Bewegung und Medikamente helfen können


Richtig trainieren: Übungen mit dem Theraband lösen Verspannungen

Patienten mit schmerzhaften Muskelverspannungen lässt Professor Hans-Raimund Casser gerne eine Rechenaufgabe lösen. „In Stresssituationen erhöht sich die Muskelspannung, was wir mithilfe von Biofeedback sichtbar machen“, erklärt der ärztliche Direktor am DRK Schmerz-Zentrum Mainz. Ist die Aufgabe gelöst, entspannt sich die Muskulatur normalerweise sofort. „Bei vorgeschädigten Muskeln hält die Spannung dagegen bis zu zehn Minuten an“, sagt Casser. Dies sei den Betroffenen meist nicht bewusst. Menschen, denen ständig die Angst im Nacken sitzt, ziehen oft unwillkürlich die Schultern hoch, was zu einer starken Überlastung der betroffenen Muskelpartien führt.

Muskelverspannungen sind die häufigste Ursache für Rückenschmerzen und betreffen oft den Schulter- und Nackenbereich. Neben Angst, Stress und Überforderung können Bewegungsmangel, eine einseitige Sitzhaltung am Arbeitsplatz sowie Fehlbelastungen durch falsches Tragen, Heben oder Stehen die Ursache sein. „Die tiefe Rückenmuskulatur, die für unsere Haltung zuständig ist, wird permanent beansprucht“, erklärt Casser. Untrainierte Muskeln, die einseitig belastet werden, verkrampfen und verkürzen sich. Dadurch verengen sich die Blutgefäße, die den Muskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen und Stoffwechselabbauprodukte wie Milchsäure abtransportieren. „Der Muskel übersäuert und wird empfindlicher für Schmerzreize“, erläutert der Schmerztherapeut und Orthopäde. „Mit der Zeit treten entzündliche Reaktionen auf.“


Bei akuten Verspannungen helfen Bewegung und Wärme

Bei akuten Beschwerden sind Apotheker oft die ersten Ansprechpartner. „Um den Patienten effektive Hilfe anbieten zu können, müssen wir zunächst die Ursache der Verspannungen kennen“, sagt Christian Wirth, Apotheker aus Weinheim an der Bergstraße. Im Gespräch schließt er zunächst Verletzungen aus und klärt ab, ob sich der Patient eventuell beim Sport übernommen hat. Als Erste-Hilfe-Maßnahme empfiehlt Wirth wärmende Salben und Pflaster mit gefäßerweiternden Wirkstoffen. „Sie fördern die Durchblutung und damit den Abtransport von Entzündungsstoffen.“ Auch durchblutungsfördernde Bäder lockern die verspannte Muskulatur und lindern die Beschwerden. „Außerdem empfehle ich gerne Kischkernkissen, die zehn Minuten im Backofen erhitzt und dann auf die betroffenen Stellen gelegt werden“, sagt Wirth.

Bei anhaltenden Beschwerden eignen sich zudem Salben mit pflanzlichen oder synthetischen entzündungshemmenden Wirkstoffen. „Der Mineralstoff Magnesium, das klassische Mittel gegen Wadenkrämpfe, kann auch bei starken Muskelverspannungen helfen“, erläutert Wirth. Wichtig sei außerdem, dass Betroffene viel trinken. Von der längerfristigen Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel rät der Apotheker ab: „Sie unterdrücken lediglich die Symptome, beheben aber nicht die Ursache der schmerzhaften Verspannungen.“

Bei Rückenschmerzen frühzeitig zum Arzt gehen

Sind die Beschwerden hartnäckig, schickt Wirth die Patienten zum Arzt, vor allem wenn Muskelpartien entlang der Wirbelsäule betroffen sind. „Dann könnte eine Osteoporose, ein Bandscheibenvorfall oder eine rheumatische Erkrankung die Ursache sein.“ Auch wenn die Nacken- oder Rückenschmerzen im Zusammenhang mit einem Unfall auftreten, müsse ein Arzt der Sache auf den Grund gehen.

Die Zeiten, als Ärzte bei Rückenschmerzen lediglich Medikamente und Bettruhe verordneten, gehören der Vergangenheit an. „Heute tragen wir den vielfältigen Ursachen Rechnung, indem wir den Schmerz von verschiedenen Seiten angehen“, berichtet Therapeut Casser. Schlägt die klassische Behandlung mit Arzneimitteln und Wärme nach vier Wochen nicht an, besteht bereits die Gefahr, dass der Schmerz chronisch wird. Die Chronifizierung definieren Ärzte heute nicht mehr nur über die Zeitdauer. „Schmerz gilt als chronisch, wenn er das ganze Leben beeinträchtigt und zu Verhaltens­­änderungen wie sozialem Rückzug führt“, erklärt Casser.

Patienten mit chronischen Schmerzen wird eine einzelne Behandlungsform meist nicht gerecht. Sie sollten so früh wie möglich eine „multimo­dale“ Schmerztherapie erhalten. Dabei arbeiten in spezialisierten Zentren Orthopäden, Neurologen, Anästhesisten, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten eng zusammen und wenden bei Bedarf mehrere Therapieverfahren gleichzeitig an. „Bei ängstlichen Patienten, die sehr angespannt sind, behandeln wir neben dem Schmerz auch die zugrunde liegende Angststörung“, sagt Schmerztherapeut Casser.

Vor allem aber müssen die Patienten selbst aktiv werden, denn eine reine Schonbehandlung mit Schmerzmitteln und Wärmepackungen würde ihnen auf Dauer eher schaden als helfen. Zwar versetzen Medikamente und Wärme viele Muskelschmerz-Geplagte überhaupt erst wieder in die Lage, sich richtig zu bewegen. „Wir warten jedoch nicht, bis der Patient völlig schmerzfrei ist, sondern beginnen gleich mit Bewegungsübungen“, betont Casser.

Unter Anleitung eines Physiotherapeuten lernen die Patienten, verkürzte Muskeln wieder zu dehnen und schwache Partien zu kräftigen. Ein Ausdauertraining und Entspannungsverfahren ergänzen die Behandlung. „Wir erarbeiten für jeden Patienten ein individuelles Konzept, das er zu Hause über Monate selbstständig umsetzen muss“, berichtet Casser. Er warnt die Betroffenen jedoch vor allzu hohen Erwartungen: „Unser Ziel ist zunächst nicht die völlige Schmerzfreiheit, sondern eine stufenweise Schmerzreduktion.“

 

Tipp aus der Redaktion: Lesen Sie auch unseren Artikel So bekommen Sie Rückenschmerzen in den Griff mit fünf wirkungsvollen Übungen für einen starken Rücken.




Bildnachweis: W&B/Judith Haeusler/RYF

Barbara Kandler-Schmitt / Apotheken Umschau; 10.05.2012, aktualisiert am 10.05.2012
Bildnachweis: W&B/Judith Haeusler/RYF

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