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Schmerzen im Gesäß / Kreuz: Entzündetes Kreuz-Darmbein-Gelenk – Bechterew & Co.

Entzündungen des Kreuz-Darmbeingelenkes treten häufig bei der Bechterew-Krankheit und verwandten rheumatischen Krankheitsbildern, etwa der Psoriasis-Arthritis auf. Beides sind Spondyl(o)arthropathien (Wirbel- und Körpergelenkleiden)


Typische Stellen, an denen Schuppenflechte auftreten kann

Entzündlicher Kreuzschmerz: Was dahinter steckt

Bei einem kleineren Teil der erwachsenen Patienten mit Schmerzen im Rücken oder Kreuz stellt sich eine entzündlich-"rheumatische" Ursache heraus: eine sogenannte Spondyl(o)arthropathie oder Spondyl(o)arthritis. Spondyl(o)- steht für Wirbel, -arthro für Gelenk, -arthritis für Gelenkentzündung, -pathie für Leiden. Typischerweise erkranken Patienten im Alter unter 45 Jahren. Die genaue Entstehung ist unklar, es sind mehrere Faktoren beteiligt, darunter immunvermittelte und genetische Faktoren, indirekt auch Keime. Allerdings sind es keine Autoimmunerkrankungen (bei denen das Immunsystem den Körper angreift).

Spondyl(o)arthropathien umfassen im Wesentlichen fünf Krankheitsbilder, bei denen es auch Überlappungen gibt:

  • Die Bechterew-Erkrankung
  • Gelenkentzündungen, die nach Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane auftreten: reaktive Gelenkentzündung oder Arthritis, darunter darunter das Reiter-Syndrom
  • Mit der Schuppenflechte (Psoriasis) verbunden: Psoriasisspondyl(o)arthritis oder Psoriasisarthritis
  • Enteropathische Spndyl(o)arthropathien: Gelenkentzündungen, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auftreten
  • Undifferenzierte Spondyl(o)arthritis und sogenannte juvenile Formen: Spondyl(o)arthropathien, die sich nicht einer der anderen Formen zuordnen lassen beziehungsweise bei Kindern und Jugendlichen auftreten

Was sind Spondyl(o)arthropathien (SPA)?

Es gibt bei den SPA zwei Hauptgruppen: axiale und periphere SPA. Axial bedeutet, dass die Entzündung am Achsenskelett, also an der Wirbelsäule und den benachbarten Kreuzdarmbeingelenken dominiert. Bei der peripheren SPA stehen Entzündungen eines oder mehrerer peripherer Gelenke im Vordergrund. Damit die Diagnose gestellt werden kann, muss neben dem Nachweis der Gelenkentzündung (Sakroiliitis) im Röntgenbild beziehungsweise der Magnetresonanztomografie noch ein weiteres Krankheitmerkmal dazukommen (siehe unten). Gibt es keinen eindeutigen Bildbefund, kann der Arzt bei einem Patienten, der jünger als 45 Jahre ist und chronische Rücken- oder Kreuzschmerzen hat, die Diagnose auch klinisch stellen. Es müssen dann neben einem positiven HLA-B27-Antigen-Nachweis mindestens zwei weitere Kranheistmerkmale vorliegen.

Typisch für axiale Spondylarthropathien sind Schmerzen im Rücken oder Keuz und tief im Gesäß, manchmal mit Ausstrahlung in beide Oberschenkel auf der Rückseite. Dass die Schmerzen oft in der zweiten Nachthälfte auftreten und die Betroffenen morgens längere Zeit ein deutliches Steifigkeitsgefühl im Kreuz verspüren, das sich unter Bewegung im Laufe des Tages bessert, ist ebenfalls kennzeichnend. Die Schmerzen entwickeln sich schleichend und bestehen seit mehr als drei Monaten. Auch die Bandscheiben können betroffen sein. Es kann außerdem zu knöchernen Überbrückungen am entzündeten Kreuz-Darmbein-Gelenk oder Spangen zwischen den Wirbelkörpern kommen. Diese sogenannte Ankylosierung, so der Fachbegriff, führt zur Versteifung, schränkt die Beweglichkeit also deutlich ein. Zugleich können entzündete Wirbelkörper vermehrt brüchig werden.

  • Weitere Merkmale bei axialen SPA (sogenannte internationale ASAS-Klassifikation):
    - Entzündung von Bänder- und Sehnenansätzen an Knochen (Fachbegriff: Enthesiopathie oder Enthesitis), zum Beispiel an der Ferse;
    - Entzündung weiterer Gelenke mit seitenungleichem (asymmetrischem) Verteilungsmuster an den Beinen oder Entzündung eines ganzen Fingers oder Zehs (Daktylitis);
    - Eine Entzündung der Regenbogenhaut am Auge;
    - Eine Begleiterkrankung wie Schuppenflechte oder chronisch-entzündliche Darmerkrankung;
    - Rückgang der Beschwerden unter der Therapie mit einem entzündungshemmenden Medikament (nicht steroidales Antirheumatikum, kurz NSAR);
    - Vorkommen einer axialen SPA in der Familie;
    - Bestimmte Entzündungszeichen im Blut.

Bei peripheren SPA erkranken zum Beispiel ein oder mehrere periphere Gelenke, meist an den Beinen (etwa Sprunggelenk, Kniegelenk). Wenn mehrere Gelenke betroffen sind, so zeigt sich in der Regel ein asymmetrisches Bild, also zum Beispiel ein schmerzendes Sprunggelenk links und ein schmerzendes Knie rechts (1).
Es können aber auch die Gelenke eines ganzen Fingers oder Zehs entzündet sein (2) oder Sehnenansätze (3).
Die Diagnose lässt sich stellen, wenn jeweils zwei der drei genannten Punkte vorhanden ist: Wenn also zum Beispiel ein entzündeter Finger das Hauptsymptom ist und entzündete Sehnenansätze hinzukommen. Ist nur ein Symptom vorhanden, müssen weitere Kriterien für die Diagnose erfüllt sein, zum Beispiel röntgenologisch nachgewiesene entzündete Kreuz-Darmbein-Gelenke. Auch vorausgegangene entzündliche Rückenschmerzen, die auf die Entzündung des Achsenskeletts hinweisen, sind ein wichtiges Kriterium.

Morbus Bechterew

Die Bechterew-Erkrankung ist die bekannteste Form einer axialen SPA. Sie beginnt meistens schon im Alter von 20 bis 30 Jahren und betrifft doppelt bis dreimal so viele Männer wie Frauen. Es kommt es zu einer Entzündung an der Grenze von Bandscheiben und Wirbeln. Auch die kleinen Wirbelgelenke, die Kreuz-Darmbein-Gelenke und Gliedmaßengelenke können sich entzünden. Später kann die Wirbelsäule verknöchern und versteifen. Es treten auch Entzündungen an Sehnen oder außerhalb des Bewegungssystems auf, zum Beispiel an den Augen.


Symptome: Frühes Zeichen ist ein dumpfer Schmerz im Kreuz beziehungsweise auf beiden Seiten tief im Rücken oder Gesäß, der seit mindestens drei Monaten besteht. Er macht sich besonders nachts oder frühmorgens bemerkbar und weckt die Betroffenen häufig auf. Offenbar reagieren viele Betroffene auf feuchtkaltes Klima verstärkt mit Beschwerden. Verdächtig ist außerdem eine Morgensteifigkeit über eine bis mehrere Stunden im Bereich der Lendenwirbelsäule, die sich nach Bewegung bessert, nach Ruhephasen aber wieder auftritt. Das gilt auch meist für die Schmerzen. Möglich sind außerdem Nackenschmerzen, schmerzende Hüft- und Schultergelenke oder Sehnenschmerzen an der Ferse. Manche Patienten fühlen sich ständig müde, appetitlos, manchmal haben sie auch etwas Fieber und leiden unter Nachtschweiß. Die Augen können vermehrt tränen und schmerzen, und es kann zu „Lichtscheu“ kommen. Neben der Versteifung droht an der Wirbelsäule erhöhte Brüchigkeit. Damit zusammenhängend kann sich ein Rundrücken bilden. Keineswegs müssen diese Veränderungen immer in voller Ausprägung eintreten. Bei einem Teil der Betroffenen bessert sich die Erkrankung, bei anderen verläuft sie schubweise und kommt erst nach Jahren zum Stillstand.

Diagnose: Beim Gespräch mit dem Betroffenen erkundigt sich der Arzt nach eventuellen Augenbeschwerden, Darmunregelmäßigkeiten und vorausgegegangenen Infekten. Entsprechende Angaben, Alter, Geschlecht und die Schilderung der Symptome können eventuell schon richtungweisend sein. Bei der körperlichen Untersuchung nimmt der Arzt alle Gelenke, die Haut und die Wirbelsäule in Augenschein. Diese lässt sich eventuell nicht altersgerecht nach vorne (Schober-Test) und zur Seite beugen. Die zugehörigen Muskeln sind meist auffallend verspannt und hart. Außerdem dehnt sich der Brustkorb beim Atmen nicht in voller Breite aus. Bestimmte Skelettbereiche können druckschmerzhaft sein, etwa über den Hüften, an den Wirbeldornen am Rücken, an den Sitzbeinhöckern. Im Blut sind Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) meist erhöht, der sogenannte Rheumafaktor ist negativ, das HLA-B27-Antigen dagegen überwiegend positiv. Besondere Bedeutung kommt Röntgenbildern der Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke, mehr noch der Magnetresonanztomografie (MRT) zu: Letztere kann frühzeitig auf entzündliche Veränderungen in diesen Skelettbereichen hinweisen. Ein entsprechender Befund in Kombination mit mindestens einem typischen Symptom ergibt in der Regel die Diagnose. Gegebenenfalls schließt sich ergänzend eine Knochendichtemessung (DEXA) an.

Therapie: Besonders wichtig ist die krankengymnastische Behandlung. Sie sollte so „perfekt“ eingeübt werden, dass man sie täglich allein fortführen kann. Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zeigen meist prompte Wirkung und können gerade anfangs den Start mit der Krankengymnastik erleichtern. Außerdem wird Sulfasalazin (ein „immunmodulierendes“ Medikament gegen Rheuma) eingesetzt, insbesondere bei frühem entzündlichen Rücken-, Kreuz- und Gesäßschmerz oder weiteren Gelenkschmerzen. Ist ein Gelenk stark entzündet, spritzt der Arzt Kortison hinein. Eine neuere Arzneistoffgruppe namens „Biologicals“ wirkt sehr gut auf die Beschwerden, hat aber zum Teil deutliche Nebenwirkungen. Da der Effekt der Biologicals auf die längerfristige Entwicklung der Krankheit noch unklar ist, dienen sie als Reservemittel bei sehr schweren Verläufen.
Eine Wiederaufrichtungs-Operation kann bei fortgeschrittener Verformung der Wirbelsäule sinnvoll sein. Manchmal bietet sich der Ersatz eines stark entzündeten Gelenks an, etwa an der Hüfte. Die Augenentzündung wird mit kortisonhaltigen Augentropfen behandelt, bei sehr ausgeprägter Form innerlich mit Kortison. Eine mit der Krankheit verbundene Osteoporose wird der Arzt gezielt behandeln.
Um die Reaktion des Patienten auf die Behandlung besser abzuschätzen und die Therapieplanung möglichst genau an den Krankheitsverlauf anzupassen, setzen Ärzte oft einen Fragebogen ein, zum Beispiel den BASDAI (im Internet, Abruf 11.10.2013; www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten): http://www.bechterew.de/mb/mb-assessment.htm). Oftmals sind therapeutische Maßnahmen in einer Rehabilitationsklinik angezeigt, um wieder zu mehr Beweglichkeit zurückzufinden und zu lernen, den Körper richtig einzusetzen.

Reaktive Arthritis

Solche Gelenkentzündungen (periphere SPA) treten Tage oder Wochen nach einem bakteriellen Infekt auf. Dieser kann auch unbemerkt verlaufen sein. Meistens handelt es sich um einen Magen-Darm-Infekt, Harnwegsinfekt und / oder eine sexuell übertragene Infektion. Als Keime im Urogenitalbereich kommen oft Chlamydia trachomatis, außerdem Gonokokken (Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhö), im Darm Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien infrage. In den erkrankten Gelenken selbst sind in der Regel keine Erreger nachweisbar, sondern allenfalls genetische Spuren davon, also bakterielle Antigene. Es kommt zu einer entzündlichen Immunreaktion. Innere Organe wie zum Beispiel das Herz können mitbetroffen sein.

Symptome: Es sind häufiger größere Gliedmaßengelenke wie Knie und Sprunggelenke auf einer Körperseite betroffen. Mitunter entzünden sich auch kleine Gelenke an Fingern oder Zehen. Die erkrankten Gelenke können schmerzen, stark geschwollen sein und sich überwärmt anfühlen. Relativ typisch sind Entzündungen der Sehnen an den Füßen, insbesondere der Ansatz der Achillessehne oder der breiten Fußsohlensehne an der Ferse. Der Fersenbereich ist dann schmerzhaft geschwollen und schmerzt (entzündlicher Fersensporn, Enthesitis). Für Kreuz- und Gesäßschmerzen ist meist eine Sakroiliitis, also eine Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke, verantwortlich.
Eine Unterform ist das
Reiter-Syndrom, bestehend aus Gelenkentzündung, Harnröhrenentzündung, Augenentzündung, gegebenenfalls auch Hautausschlägen am Genitale, an Händen und Füßen, sowie aphthenartigen Veränderungen an der Mundschleimhaut. Weitere Symptome können von miterkrankten inneren Organen herrühren, bei einer Herzentzündung etwa Herzschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche. Oft kommen Allgemeinsymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit hinzu.

Diagnose: Hilfreich kann die Krankengeschichte sein, etwa Angaben über eine zurückliegende Infektion, wie oben beschrieben. Die körperliche Untersuchung kann ein entzündetes, geschwollenes Gelenk, oft mit Zeichen eines Ergusses, bestätigen oder Hinweise auf einen entzündeten Sehnenansatz oder entzündete Kreuz-Darmbein-Gelenke liefern. Dann helfen meist bildgebende Verfahren weiter. Selten nur gelingt der Nachweis eines Erregers in Proben aus dem ursprünglich erkrankten Bereich, zum Beispiel im Urin oder in einem Genitalabstrich. Die aus einem entzündeten Gelenk entnommene Flüssigkeit (Punktat) weist entzündliche Faktoren auf. Das Merkmal HLA-B27-Antigen im Blut ist bei der Mehrzahl der Betroffenen positiv, Entzündungswerte sind erhöht. Eventuell geben bestimmte Antikörpermuster zu erkennen, dass noch eine Infektion „schwelt“. Andere rheumatische Erkrankungen schließt der Arzt aus. Achtung: Die Gonokokkenarthritis, die bei Gonorrhö auftritt und sich an Arm- und Beingelenken abspielt, ist nicht mit der nach Gonokokkeninfektionen entstehenden reaktiven Arthritis zu verwechseln, die meist Bein- oder Fußgelenke, dazu eventuell die Kreuz-Darmbein-Gelenke, betrifft.

Therapie: Mäßig ausgeprägte Krankheitsbilder haben eine gute Prognose und heilen meist innerhalb eines Jahres aus. Trotzdem wird der Arzt den Patienten in regelmäßigen Abständen kontrollieren, um mögliche Veränderungen an der Wirbelsäule rechtzeitig zu erkennen. Kann ein verantwortlicher Erreger, zum Beispiel Chlamydia trachomatis, noch im Urin oder Urogentalabstrich nachgewiesen werden, ist eine antibiotische Therapie sinnvoll. Wichtig hier: Mitbehandlung des Partners! Ansonsten wendet der Arzt Antibiotika nur in speziellen Situationen an. Gegen die Kreuz- und Gesäßschmerzen werden nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder das Mittel Sulfasalazin eingesetzt. Bei starker Gelenk- oder Sehnenansatzentzündung kann der Arzt Kortison zum Beispiel örtlich spritzen. Wichtig ist hier auch physikalische Therapie. Eine Augenentzündung behandelt der Augenarzt mit kortisonhaltigen Augentropfen.

Psoriasisspondyl(o)arthropathie

Etwa ein Zehntel bis ein Fünftel der Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) oder mit Veranlagung zu dieser Hauterkrankung entwickelt Gelenkentzündungen – allerdings oft erst Jahre später. Auch das gelenkumgebende Bindegewebe und die Ansätze von Muskelsehnen am Knochen können sich entzünden, zum Beispiel im Fersenbereich. Innere Organe oder die Augen erkranken ebenfalls häufiger. Falls Hauterscheinungen auftreten, so finden sie sich meist an den Streckseiten der Gliedmaßen, an der behaarten Kopfhaut, im Kreuz- und Gesäßfaltenbereich und in der Genitalgegend: rote, scharfrandige, aber unregelmäßige Flecken mit groben, silbrig-weiß glänzenden Schuppen. Ein Drittel bis zur Hälfte der Betroffenen hat auch typische Nagelveränderungen – Grübchen und gelblich-bräunliche Flecken auf der Nageloberfläche sowie Schuppen unter der Nagelplatte. Die Gelenkentzündungen bei Schuppenflechte treten häufig als periphere Spondyl(o)arthritis in Erscheinung. Dabei kommt es neben der Beteiligung der Kreuz-Darmbein-Gelenke zur Entzündung weniger peripherer Gelenke (Oligoarthritis) oder mehrerer – kleinerer und größerer – Gelenke  (Polyarthritis). Es kann sich auch ein ganzer Finger entzünden, vor allem im bereich des Strahls und Endgelenks. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle tritt eine axiale Spondyl(o)arthritis (SPA) auf.

Symptome der Arthritis: Im Zusammenhang mit Kreuz- und Gesäßschmerzen ist besonders die axiale Form mit Entzündung des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes (Sakroiliitis) bedeutsam. Sie verläuft oft schubartig und wechselnd intensiv. Dementsprechend gibt es auch ein Wechselbad der Schmerzen. Sie spielen sich auf beiden Seiten im Kreuz und Gesäß ab und können in den Oberschenkel ausstrahlen. Oft besteht auch ein länger anhaltendes Steifigkeitsgefühl, das sich erst nach Bewegung löst, wie auch die Schmerzen dann zurückgehen. Begleitende Rücken- oder Nackenschmerzen sind meist auf die gleichzeitig vorhandene Entzündung der Wirbelgelenke auf den entsprechenden Etagen der Wirbelsäule zurückzuführen. Auch andere andere Körperbereiche können Beschwerden machen. So sind Augenentzündungen möglich oder Fersenschmerzen. Viele Betroffene verspüren anfangs nur allgemeine Muskelschmerzen.

Diagnose: Insbesondere bei vorhandener Hauterkrankung – dies betrifft aber, wie schon erwähnt, nur etwa ein Fünftel – kann der Arzt die Diagnose klinisch stellen. Dafür ist ein Hautarzt zuständig. Wegen der erblichen Komponente kann auch eine Aussage wie „Die Hautkrankheit liegt bei mir in der Familie“ für die Einordnung der Gelenkentzündung richtungweisend sein. Wichtig ist wie immer die körperliche Untersuchung einschließlich aller Gelenke, insbesondere natürlich der Kreuz-Darmbein-Gelenke und der Wirbelsäule. Hier wird sorgfältig die Beweglichkeit  geprüft. Im Blut ist der Rheumafaktor meist negativ, andere Rheumawerte können eventuell erhöht sein, Entzündungswerte dagegen nicht. Das Genmerkmal HLA-B27 ist jedoch bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen positiv. Röntgenbilder oder Magnetresonanztomografien (MRT) der Beckenregion und der Wirbelsäule können im Krankheitsverlauf entzündliche Veränderungen offenbaren. Um die Krankheit gegenüber anderen SPA-Formen oder rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen, nutzen Ärzte einen bestimmten Punktekatalog, die sogenannten CASPAR-Kriterien. Für die Therapieplanung ist es natürlich wichtig, eine genaue Diagnose zu haben.

Therapie: Sulfasalazin lindert oft die Beschwerden am Bewegungssystem und an der Haut recht gut. Bei stärkerem Gelenkbefall werden Arzneistoffe wie Methotrexat (MTX) oder Immunsuppressiva im engeren Sinn wie Leflunomid oder Ciclosporin eingesetzt. Die neu entwickelten Biologicals zeigen sehr gute Wirkungen, allerdings sind deutliche Nebenwirkungen möglich, sodass der Arzt ihren Einsatz genau abwägen wird. Medikamente wie Betablocker können eine Psoriasis ungünstig beeinflussen.

Enteropathische Arthritis

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) oder Colitis ulcerosa (Cu) betreffen Alt und Jung und Männer wie Frauen. Im Zuge dieser Krankheiten können sich auch ein oder mehrere Gliedmaßengelenke („periphere“ Gelenke), Wirbelgelenke oder die Kreuz-Darmbein-Gelenke entzünden. Beides kommt zudem bei der Whipple-Erkrankung vor. Diese ist eine sehr seltene Krankheit, die überwiegend Männer kaukasischer Abstammung befällt. Die Erkrankung hängt mit einem Bakterium namens Tropheryma Whippelii zusammen, das sich über den Dünndarm und die Lymphwege im Körper ausbreiten kann und chronisch-wiederkehrende Beschwerden seitens der infizierten Organe macht. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht bekannt geworden. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
Auch bei den hier genannten Gelenkentzündungen werden als Auslöser krankhafte Mechanismen im Immunsystem vermutet. Zudem wird häufiger das Zusammentreffen einer ankylosierenden Spondyl(o)arthropathie – also die Tendenz zur Verknöcherung entzündeter Wirbel – mit einer Cu oder einem Morbus Crohn beobachtet.

Symptome: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit und Cu sind vor allem durch Darmblutungen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Koliken und Blähungen gekennzeichnet. Je nach Ausprägung sind weitere Symptome und Komplikationen möglich. Entzündete Kreuz-Darmbein-Gelenke verursachen Gesäß- und Kreuzschmerzen. Eventuell schmerzen auch andere Gelenke. Die Gelenkbeschwerden sind unabhängig davon, wie stark die Darmentzündung ist. Bei allen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann es zu Ernährungsstörungen und Mangelerscheinungen des Körpers kommen, insbesondere bei der Whipple-Erkrankung. Hier verlaufen die Gelenkentzündungen sehr sprunghaft von einem Gelenk zum anderen. Abhängig von der Ausprägung der Erkrankung ergeben sich viele andere Beschwerden wie Durchfälle, Gewichtsverlust, Fieber, Schwellungen von Lymphknoten im Bauch und neurologische Krankheitszeichen.

Diagnose: Die Darmerkrankung wird anhand des Beschwerdebildes und einer endoskopischen Darmuntersuchung mit Analyse von Gewebeproben aus der Darmschleimhaut festgestellt. Zu den Untersuchungen bei Gelenkentzündungen siehe Kapitel „Diagnose“. Das Merkmal HLA-B27 ist oft im Blut positiv, wenn gleichzeitig eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung und eine ankylosierende Spondyl(o)arthropathie/Bechterew-Krankheit auftreten. Zusätzlich finden sich meistens weitere Entzündungszeichen im Blut. Die Whipple-Erkrankung geht entsprechend der erkrankten Organe mit zahlreichen Symptomen einher. Die Diagnose beruht auf nachgewiesenen Genbestandteilen des Erregers. Dazu dienen Gewebeproben aus dem Dünndarm, einem entzündeten Gelenk oder miterkrankten Lymphknoten. Ob im Bauchraum Lymphknoten entzündet und vergrößert sind, ist in einer Computertomografie erkennbar. Bei neurologischen Symptomen kann eine Magnetresonanztomografie des Gehirns weiterhelfen.

Therapie:
Bei der Behandlung der zugrunde liegenden Darmerkrankung bessern sich auch die Gelenkschmerzen. Im Hinblick auf die Crohn-Erkrankung und die Cu wird häufig Kortison in verschiedenen Anwendungen eingesetzt. Darüber hinaus kommen je nach Ausprägung der beiden Krankheitsbilder weitere entzündungshemmende Medikamente oder solche, die die Zellteilung beeinflussen und dabei auch Immunreaktionen unterdrücken, infrage. Bei schweren Krankheitsverläufen werden heute teilweise die neueren Biologicals eingesetzt. Die Gelenkveränderungen reagieren auf die genannten Medikamente meist sehr gut und schreiten kaum fort. Die Therapie der Whipple-Erkrankung zielt auf den nachgewiesenen Erreger. Dabei setzt der Arzt über einen längeren Zeitraum bestimmte Antibiotika ein.

Undifferenzierte und juvenile (jugendliche) Spondyl(o)arthritis

Betroffen sind vor allem Jungen von sieben bis 16 Jahren beziehungsweise junge Erwachsene.

Symptome: Neben den Kreuz-Darmbein-Gelenken kann sich auch ein Kniegelenk oder ein Finger mit allen Gelenken entzünden (Daktylitis), oder aber die Achillessehne im Fersenbereich. Entsprechend kommt es zu entzündlichen Kreuz- und Gesäßschmerzen, einem geschwollenen, schmerzenden Knie beziehungsweise Finger oder zu Fersenschmerzen. Ein Teil der Betroffenen entwickelt später eine Bechterew-Erkrankung (beziehungsweise eine ankylosierende Spondyl(o)arthropathie), eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Schuppenflechte.

Diagnose: Das Beschwerdebild, die Kranken- und Familiengeschichte und der körperliche Untersuchungsbefund führen zur Verdachtsdiagose. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben das HLA-B27-Merkmal im Blut. Allerdings gilt das nicht als beweisend. Der Arzt orientiert sich bei der Diagnose an bestimmten europäischen Diagnose-Kriterien (ESSG). Dazu gehört zum Beispiel, ob auch Verwandte 1. oder 2. Grades an einer SPA erkrankt sind, ob der Betreffende vor weniger als einem Monat einen bakteriellen Infekt hatte oder ob bei ihm eine nachgewiesene chronisch-entzündliche Darmerkrankung vorliegt.

Therapie: Patienten mit der juvenilen Form werden vom Kinderrheumatologen ärztlich betreut. Ansonsten entspricht die Behandlung derjenigen der anderen axialen SPA-Formen mit der größten gemeinsamen Schnittmenge.




Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 09.07.2014,
Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr

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