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Rückenprobleme:
Wie Sie die Schmerzen in den Griff kriegen können

Irgendwann erwischt es fast jeden einmal mit Rückenproblemen. Dann gilt es, schnell und richtig zu handeln


Rückenansicht: Ausgangspunkt von Schmerzen sind oft verspannte Muskeln

Wenn man den Kindern und Jugendlichen in der Schule und bei ihren Freizeitbeschäftigungen zusieht, die sich hauptsächlich im Sitzen ... abspielen, dann wird auch einem Laien klar, dass da eine ganze Generation heranwächst, die später massive Probleme mit ihrem Rücken bekommen wird“, schreibt Dr. Marianne Koch im Vorwort zum Ärztlichen Ratgeber „Schmerzfreier Rücken“. Statt Fußball oder Volleyball zu spielen, so die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga weiter, sitzen viele stundenlang vor Computer oder Fernseher. „Rückenprobleme sind schon zu einer Volkskrankheit geworden“, fasst sie zusammen.

„Vier von fünf Menschen verspüren irgendwann in ihrem Leben Rückenschmerzen“, bestätigen auch Dr. Claudia Ludwig, Fachärztin für Orthopädie, und ihr Kollege Prof. Dr. Peer Eysel. Die Oberärztin und der Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie des Klinikums der Universität zu Köln, die das Buch „Schmerzfreier Rücken“ gemeinsam verfasst haben, beantworten hier Fragen, die alle Rückenschmerz- Geplagten interessieren.

Was kann dahinter stecken, wenn jemand Rückenschmerzen hat?
Prof. Eysel: So ziemlich alles von der Muskelverspannung über eine Nervenreizung bis zum Bandscheibenvorfall. Nur selten lässt sich nicht herausfinden, woher die Schmerzen stammen. Aber für eine genaue Diagnose brauchen wir sehr viele Informationen.

Falsch ist es, alles auf die Bandscheiben zu schieben. Wenn wir bei 100 Menschen, die keine Schmerzen haben, eine Kernspintomographie von der Wirbelsäule machen, sieht man bei 35 bis 50 von ihnen Veränderungen an den Bandscheiben. Es kommt also darauf an, ob sichtbare Veränderungen überhaupt eine Bedeutung für die Entstehung des Schmerzes haben.


In welchen Fällen muss an der Bandscheibe operiert werden?
Prof. Eysel: Eine Operation ist nicht zu umgehen, wenn sich immer mehr Lähmungs- Erscheinungen zeigen, vor allem in Armen oder Beinen. Das Gleiche gilt, wenn eine Blasen Mastdarm-Lähmung auftritt, die so genannte Kauda- Symptomatik. Operiert werden muss auf jeden Fall, wenn die Diagnose einen Tumor, also eine Geschwulst, ergeben hat. Und schließlich dann, wenn eine bestimmte Art des Wirbelbruchs mit erheblicher Einengung des Wirbelkanals vorliegt, insbesondere bei Schädigung der Wirbelhinterkante.

Oberstes Ziel eines Eingriffs ist die Verminderung der Schmerzen. An zweiter Stelle kommt die Verbesserung der Nerven- und Bewegungsfunktion – und damit insgesamt eine erhöhte Lebensqualität.

Wenn es nicht die Bandscheiben sind, woran liegt es dann?
Dr. Ludwig: Etwa in der Hälfte der Fälle ist die Muskulatur der Auslöser. Schuld daran sind wir meistens selbst, weil wir unseren Körper nicht pfleglich behandeln. Durch das viele Sitzen, Übergewicht und zu wenig Bewegung gerät die Muskulatur ins Ungleichgewicht, es kommt zu Verspannungen und Fehlhaltungen.

Auch die Seele spielt eine Rolle: Am Arbeitsplatz und in der Familie sind viele von uns psychisch so überfordert, dass sie ihre gefühlsmäßigen Bedürfnisse oft nicht mehr wahrnehmen. Das wirkt sich auch auf den Körper aus.


Was sollen wir denn tun, wenn wir Rückenschmerzen bekommen?
Dr. Ludwig: Wer unter akuten, örtlich begrenzten Rückenschmerzen leidet, sich kaum bewegen kann und das nicht allein mit den Medikamenten aus der Apotheke in den Griff bekommt, sollte möglichst bald zum Hausarzt gehen, damit dieser rechtzeitig gegen die Symptome vorgehen kann. Solange sich ein Patient vor Schmerzen krümmt, kann man keine genaue Diagnose stellen.

Die Art des Schmerzes gibt bereits gewisse Hinweise darauf, wo er herkommt: Ein ziehender, stechender Schmerz geht in den meisten Fällen von Bändern, Muskeln oder Gelenken aus. Ist er einschießend, schneidend, brennend, bohrend, elektrisierend, so deutet das eher auf eine Nervenschädigung hin. Das spielt eine Rolle bei der Wahl der Schmerzmittel und der Behandlungs- Maßnahmen.

Was können wir vorbeugend tun?
Dr. Ludwig: Weil wir zivilisationsbedingt ein wenig faul geworden sind, müssen wir uns einfach mehr bewegen. Gemeint sind damit allerdings nicht die alltäglichen Verrichtungen, die wir beispielsweise als Hausfrau oder als Lagerarbeiter ausführen, sondern ganz bewusste, entspannende Bewegungen, also etwa ein Waldspaziergang,
leichte Gymnastik oder ein Tanzkurs.

In unserem Ärztlichen Ratgeber „Schmerzfreier Rücken“ stellen wir zudem ein Minimalprogramm für die gesunde Wirbelsäule vor. Das können auch Leute, die den ganzen Tag sitzen müssen, zwischendurch am Arbeitsplatz durchführen.

Gibt es auch eine Ernährung, die den Rücken stärkt?
Prof. Eysel: Nicht direkt. Speziell der Osteoporose können Sie mit kalziumhaltigen Lebensmitteln wie zum Beispiel Hartkäse vorbeugen. Wer seinen Rücken entlasten will, sollte zuerst ein möglicherweise vorhandenes Übergewicht abbauen.

Und allgemein gilt: Ein zu hoher Cholesterinspiegel, erhöhte Harnsäurewerte und Rauchen verschlechtern die Durchblutung im Bereich der Bandscheiben und der Gelenke. Also sollte jeder seinem Rücken zuliebe tierische Fette und insbesondere Innereien meiden und gegebenenfalls mit dem Rauchen aufhören.

ApothekenUmschau



ApothekenUmschau; 05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: W&B/Jörg Steffens

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