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Ausflugsziele: Botanische Gärten

Tropenparadiese, Wüstenlandschaften, Bergwelten – Botanische Gärten bringen exotische Pflanzenpracht ganz in Ihre Nähe. Wir stellen die schönsten vor


Wüstenlandschaft: Kakteen-Vielfalt im botanischen Garten München

Nein, simple Gewächshäuser sind das wirklich nicht. Die filigranen Glaskonstruktionen des Botanischen Gartens von Berlin-Dahlem mit ihren Jugendstilelementen haben kaum etwas gemein mit banalen Glaskästen. Sie sind Kathedralen der Artenvielfalt, gläserne Pa­läste. In wohliger Wärme gedeihen hier schmetterlingsbunte Orchideen, riesige Kakteen, Urzeit-Farne, Sukkulenten und Palmen.


Das große Tropenhaus, ein denkmalgeschützter Hallenbau, ist eine Welt für sich, ein Dschungel unter Glas. „Riesig“,  sagt Hans-Walter Lack, der Direktor des Botanischen Gartens, sei der Gewächshauskomplex und „etwas Besonderes die ringförmige Struktur“. Besucher können hier einen Rundgang durch die Welt  der Flora machen, ohne einen Fuß ins Freie setzen zu müssen. Die meisten der Gewächshäuser sind „nach der Landkarte bepflanzt“. Was in Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts als „größenwahn­­sinnige Idee“ seinen Ursprung nahm, nämlich „die Pflanzenwelt gemäßigter Zonen eins zu eins nach­zubauen“, ist bis heute einmalig auf der Welt.

Biotope sind Hüter der Vielfalt

In den gläsernen Hüllen haben auch urtümliche Pflanzen Überlebenschancen, die in freier Natur vom Aussterben bedroht sind. Die rund 80 botanischen Gärten in Deutschland sind Biotope für seltene Gewächse, sie bilden die Welt der Pflanzen ab, sind Hüter der Vielfalt, Überlebensräume in einer gefährdeten Umwelt und zugleich Forschungsstätten. „Es muss eine Sammlung da sein, die nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufgebaut ist, erhalten und dokumentiert wird und für Aufgaben in Forschung, Lehre, Bildung und Naturschutz zur Verfügung gestellt wird“, definiert Dr. Stefan Schneckenburger, Leiter des Botanischen Gartens der Technischen Universität Darmstadt und Präsident des Verbands Botanischer Gärten, den Begriff „botanischer Garten“. Die meisten Besucher dürften sich für solche wissenschaftlichen Gesichtspunkte weniger interessieren. Sie erfreuen sich an der Farbenpracht der Blumen und der Exotik der Pflanzen in den Gewächshäusern.


Die schönsten botanischen Gärten

  • Titanenwurz (Amorphallus Titanium)

    Besucherattraktion: Die Titanenwurz begeistert mit der größten Blüte der Welt

    Berlin

    Auf einem Palmenpfad können Besucher unter Glas zwischen Dattel- und Kokos­palmen lustwandeln. Der Botanische Garten in Berlin-Dahlem genießt weltweit ein hohes Ansehen.  
    Besonderheit: 22 000 Pflanzenarten werden hier kultiviert. Die Außenflächen umfassen 43 Hektar, die Gewächshäuser mehr als 6000 Quadratmeter.
    Adresse: Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Königin-Luise-Straße 6–8, Tel. 0 30/83 85 01 00, Info: www.botanischer-garten-berlin.de*

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  • Insel Mainau

    Blütenmeer: Auf der Insel Mainau zeigt sich der Frühling in seiner ganzen Pracht

    Mainau

    Die Blumeninsel im Bodensee ist ein botanischer Garten der besonderen Art.
    Historie: Zu verdanken ist die Pflanzenpracht der Initiative des Grafen Lennart Bernadotte (1909–2004), der mit seinen Mitarbeitern die Insel in einen Park verwandelte.
    Arboretum: Der ungarische Fürst Nikolaus von Esterhazy legte den Grundstein für die Baumsammlung, zu der Tulpenbäume und Zedern ebenso gehören wie Mammutbäume.
    Informationen finden Sie im Internet unter www.mainau.de*; Tel. 0 75 31/30 30.

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  • Japanischen Garten im Botanischen Garten Augsburg

    Japan in Augsburg: Die Kaiserstadt Kyoto war das Vorbild

    Augsburg

    Asien in Bayern: Der Botanische Garten bietet seit 1985 ein Areal, das im japanischen Stil angelegt wurde.
    Harmonie: Der Gartenarchitekt Yoshikuni Araki hat es den klassi­schen Gärten der japanischen Kaiserstadt Kyoto nachempfunden. Wie dort gehen auch hier Felsen, Wasser und Pflanzen eine harmonische Verbindung ein und symbolisieren eine Welt im Gleichgewicht.
    Veranstaltungen: Im Sommer finden Jazzkonzerte im Freien statt.
    Informationen unter Tel. 08 21/3 24 63 08 und unter www.augsburg.de*

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  • Seerose (victoria regia) im Botanischen Garten der Universität Kiel

    Riesen-Blatt: Eine Victoria-Seerose ist in einem der Gewächshäuser in Kiel zu bewundern

    Kiel

    Mit einem Alpinum fern der Berge lockt hier der Botanische Garten.  
    Hoch hinaus: Der Besucher durchwandert „Gebirgslandschaften“ mit ihren Pflanzen aus verschiedensten Regionen der Erde. Schon im Februar dringen die ersten Pflänzchen durch die Steinritzen. Die Gewächs­häuser beherbergen unter anderem Mangroven und Farne.
    Adresse und Informationen: Am Botanischen Garten 1–9, Kiel, Tel. 04 31/8 80 42 75.

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Klassikkonzert unter tropischen Pflanzen

Obendrein locken manche Pflanzensammlungen mit zusätzlichen Attraktionen: Der Botanische Garten München-Nymphenburg zum Beispiel lässt tropische Schmetterlinge im Wasserpflanzenhaus fliegen, und im Berliner Tropenhaus können Besucher an manchen Tagen klassische Konzerte genießen.

Für Schneckenburger bleiben aber wissenschaftliche Forschung und Lehre die wesentlichen Säulen eines botanischen Gartens. Dass auf der Osterinsel wieder die dort bereits ausgestorbenen Toromiro-Schnurbäume wachsen, ist Thor Heyerdahl zu verdanken – und dem Botanischen Garten in Bonn.

Schutzort für bedrohte Pflanzenarten

Der Abenteurer brachte in den 1950er-Jahren Samen der nur auf der Osterinsel vorkommenden Bäume nach Europa. In Bonn gediehen sie so prächtig, dass die Ableger später die Grundlage einer Baumschule auf der Osterinsel bildeten. Um solche Projekte nicht zu gefährden, möchte Schneckenburger so wenige Kompromisse wie möglich machen und gerät dabei schon einmal in Konflikt mit Besuchererwartungen. „Besser ein Usambara-Veilchen aus den Usambara-Bergen in Tansania als hundert vom Discounter“, sagt der Wissenschaftler streng und plädiert für Klasse statt Masse.

Doch gerade auch die Masse begeistert Besucher: der kunterbunte Blütenteppich im Frühling, die Pas­­tellfarben der Rhododendren, die Vielfalt der großköpfigen Dahlien – Hunderte und Aberhunderte von Blüten. Schneckenburger hat für solche „Show-Effekte“ Verständnis, wenn die Gärten auf das Eintrittsgeld angewiesen sind: „Dann muss es brummen!“ Schließlich bedroht die staatliche und kommunale Geldnot zunehmend auch die botanischen Gärten. „Viele von uns kämpfen ums blanke Überleben“, sagt der Verbandspräsident. Dabei seien die künstlich angelegten Pflanzenwelten so nötig wie die Bibliotheken – als Wissensspeicher.

Der Ginkgobaum faszinierte Goethe

Schon im 16. Jahrhundert wussten die Menschen um die Bedeutung der Pflanzenforschung. Der Hortus medicus, der Medizinergarten, entstand als Vorgänger des botanischen Gartens. Auch Johann Wolfgang von Goethe widmete sich gern botanischen Feld­forschungen, ließ im Botanischen Garten von Jena Gewächshäuser bauen und sich vom Ginkgobaum zu dem berühmten Gedicht „Ginkgo biloba“ inspirieren. Noch immer erinnert der mächtige Baum dort an die Mußestunden des Dichterfürsten. Bis heute sind die botanischen Gärten auch Erholungsräume, in denen die Menschen die Schönheit der Natur erfahren und – ohne in ein Flugzeug zu steigen – Pflanzen kennenlernen können, die vom anderen Ende der Welt stammen. „Etwa 400 000 unterschiedliche Pflanzenarten gibt es weltweit“, sagt Stefan Schneckenburger. „Zwischen 25 000 und 30 000 haben wir in Deutschland – das ist schon eine Nummer.“ Und jede Pflanze hat ihren Namen, der sorgfältig auf einem Täfelchen notiert ist, das wie eine kleine weiße Boje aus dem Erdreich ragt.

 

* Hier finden Sie weiterführende Informationen wie Öffnungszeiten, Ruhetage und Eintrittspreise. www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.




Bildnachweis: Mainau GmbH, ddp Images/dapd/Michele Tantussi, Your Photo Today/Michael Staudt, Mauritius Images/Alamy, Botanischer Garten Augsburg

Lilo Solcher / Apotheken Umschau; 27.04.2012
Bildnachweis: Mainau GmbH, ddp Images/dapd/Michele Tantussi, Your Photo Today/Michael Staudt, Mauritius Images/Alamy, Botanischer Garten Augsburg

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