Rauchen: Aufhören lohnt sich immer

Rauchen gilt als das wichtigste vermeidbare Gesundheitsrisiko. Wer es nicht alleine schafft aufzuhören, für den gibt es viele Hilfsangebote

von Barbara Kandler-Schmitt, 20.05.2016

Rauchen wirkt für viele cool, ist aber ungesund

istock/Rob Ellis

Wenn sie aufgefordert werden, ihrem Laster abzuschwören, sind langjährige Raucher selten um eine Ausrede verlegen. Doch Argumente wie "Ich rauche schon seit 30 Jahren, das lohnt sich doch nicht mehr" oder "Meine Gefäße sind sowieso schon zu, warum soll ich mich dann noch quälen", lassen Mediziner nicht gelten. Wie Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) im Fachblatt British Medical Journal berichten, sinkt das Risiko, einen Herz­infarkt oder Schlaganfall zu erleiden, auch noch bei über 60-jährigen Ex-Rauchern innerhalb weniger Jahre erheblich. Fazit der Forscher: Zum Aufhören ist es nie zu spät.

Rauchen gilt als das wichtigste vermeidbare Gesundheitsrisiko in westlichen Industrienationen. Jährlich sterben in Deutschland bis zu 140.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Neben den gesundheit­­lichen Risiken (siehe Grafik unten) besteht bei etwa jedem zweiten Raucher eine ausgeprägte psychische, seltener auch eine körperliche Abhängigkeit, die ihn selbst dann weiterqualmen lässt, wenn Folgeerkrankungen auftreten.


Rauchen schädigt fast alle Organsysteme. Bitte auf die Lupe klicken, um die Grafik zu vergrößern

W&B/Astrid Zacharias

Rauchen gilt nicht als Krankheit

Trotzdem gilt Tabakkonsum nicht als Krankheit, sondern als selbstschädigendes Verhalten: Wer davon loskommen will, muss ihre Behandlung deshalb selbst zahlen. Für Professor Anil Batra, Leiter der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Universitätsklinik Tübingen, ist das ein untragbarer Zustand: "Wie Alkoholkranke haben auch abhängige Raucher ein Anrecht auf Finanzierung ihrer Therapie", betont er.

"Außerdem könnten die Kran­kenkassen erhebliche Kosten sparen, da Folgekrankheiten vermieden werden." Eine aktuelle DKFZ-Studie beziffert die durch Rauchen verursachten direkten Krankheitskosten auf 25,4 Milliarden Euro im Jahr, die indirekten Kos­ten durch Arbeitsunfähigkeit und Erwebsminderung auf 53,7 Milliarden.

Neue Tabak-Behandlungsleitlinie

Unter Batras Federführung haben Forscher den aktuellen Wissensstand in einer neuen Tabak-Behandlungsleitlinie zusammengetragen. Sie soll Hausärzten, Psychologen und allen, die Raucherentwöhnungskurse anbieten, als Orientierung dienen. "Hausärzte sollten ihre Patienten regelmäßig nach ihrem Rauchverhalten fragen und sie gegebenenfalls zum Aufhören motivieren", fordert Batra.

Wer motiviert ist, hat in der Regel auch Erfolg: 80 Prozent der Raucher gelingt es ohne Hilfsmittel aufzuhören. Für alle, die es alleine nicht schaffen, gibt es niedrigschwellige Angebote wie Kurzberatung, Rauchertelefone oder Online-Program­me. "Am effektivsten sind verhaltenstherapeutisch orientierte Maßnahmen", weiß Batra. "Die Teilnehmer be­ob­ach­ten, in welchen Situationen sie rauchen, und üben alternative Verhaltensweisen ein."

Unter anderem lernen sie, Konflikte ohne Rauchen zu lösen und mit Stress oder Konzentrationsschwäche anders umzugehen. "Gruppen- und Einzelprogram­­me sind gleich wirksam, sollten aber mindestens vier Termine umfassen", sagt Batra.

Nikotinersatzpräparate gegen Entzugssymptome

Entzugssymptome wie Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen lassen sich durch Nikotinersatzpräparate in Form von Pflaster, Kaugummi oder Spray lindern. Helfen sie nicht ausreichend, können Ärzte nach Ausschluss möglicher Gegenanzeigen die Wirkstoffe Vareniclin oder Bupropion verordnen. "Medikamente sollen nur unterstützend eingesetzt werden und ersetzen keine Verhaltenstherapie", sagt Batra.

Vom "kontrollierten Rauchen" halten Suchtexperten nichts, sondern plädieren für einen abrupten Entzug und totale Abstinenz. "Wegen des hohen Suchtpotenzials von Nikotin fallen die Betroffenen sonst schnell in alte Verhaltensmuster zurück", sagt Batra. Und Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im DKFZ, ergänzt: "Jede Zigarette ist ein Giftgemisch, das schadet."

Erfreulicherweise ist der Zigarettenkonsum in Deutschland vor allem bei Jugendlichen rückläufig: Bei ihnen sank der Raucheranteil von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 10 Prozent im Jahr 2014. "Drastische Steuer­er­hö­hun­gen, abschreckende Warnhinweise und Werbeverbote sind in dieser Altersgruppe am wirksamsten", sagt Pötschke-Langer. "Das Potenzial dieser Maßnahmen ist noch längst nicht ausgeschöpft."


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