Musik bewegt die Menschen. Sie beeinflusst Stimmungen und weckt Gefühle in uns. Und das kulturübergreifend bei Menschen auf der ganzen Welt. Die Wirkung der Musik scheint tief im Menschen verankert zu sein. Musik beeinflusst die Gehirnaktivität und wirkt direkt auf das limbische System. Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen zuständig, zudem spielt er bei der Regulierung von Körpertemperatur und Blutdruck eine Rolle. Auch der Hormonhaushalt reagiert auf Töne und Klänge. Musik, die wir angenehm empfinden, führt beispielsweise zu einer verstärkten Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin.
Seit 20 Jahren wird zunehmend auch der Einfluss von Musik auf die Gesundheit untersucht. „Natürlich kann Musik keine körperlichen Krankheiten wie Schnupfen heilen“, sagt der Musikwissenschaftler Professor Heiner Gembris von der Universität Paderborn. „Doch schon allein das passive Hören von Musik kann entspannend und stressreduzierend wirken.“
Noch günstiger wirkt mitunter aktives Musikmachen auf die Gesundheit. „In Studien berichten aktiv Musizierende von insgesamt gestiegener Lebensfreude und fühlen sich fitter. Zudem führt gemeinsames Musizieren zu mehr sozialen Kontakten“, sagt Gembris. Das alles trägt zu einer im weiteren Sinne verstandenen Gesundheit bei, die auch soziales und psychisches Wohlbefinden umfasst.
Musik zur Therapie
Auch Therapeuten nutzen die physischen und psychischen Wirkungen von Musik. Lange Zeit kamen Klänge überwiegend nur bei psychischen Erkrankungen, etwa Depressionen zum Einsatz. Doch mittlerweile hilft Musiktherapie auch bei der Behandlung körperlicher Erkrankungen. Zwei grundsätzliche Behandlungsarten gibt es: Bei der aktiven Musiktherapie spielt der Patient selbst ein Instrument, bei der rezeptiven kommt die Musik dagegen entweder vom Band oder wird vom Therapeuten erzeugt.
„Musiktherapie wirkt auf verschiedenen Ebenen“, erklärt Professor Hans Ulrich Schmidt, Stellvertretender Leiter der Forschungsstelle „Musik und Gesundheit“ an der Universität Augsburg. „Zum einen direkt durch die allgemeinen Eigenschaften der Musik, wie etwa Rhythmik. Wichtiger sind aber noch spezifische Elemente, wie die Beziehung zwischen Patient und Therapeut und zwischen Hörer und Musikstück.“
Verbesserte Motorik
Eine aktive Musiktherapie hilft zum Beispiel Schlaganfallpatienten dabei, ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. Die Betroffenen müssen diese nach dem Schlaganfall nach und nach mühsam wieder erlernen. Über den Rhythmus erhalten die Patienten beim Musizieren eine direkte Rückmeldung ans Ohr, ob sie die Bewegung richtig ausgeführt haben. Das hilft beim Wiedererlernen von Bewegungsabläufen. In einer Studie machten musizierende Patienten deutlich größere Fortschritte als eine Vergleichsgruppe, die bei der Rehabilitation auf Instrumente verzichten musste. Auch Parkinsonpatienten lernen mit musikalischen Übungen ihre Bewegungen besser zu kontrollieren.
Mit Musik gegen Schmerzen
„Musiktherapien lassen sich auch zur Behandlung von Schmerzen anwenden“, sagt Schmidt. Über welche Mechanismen Musik dabei wirkt, ist nicht vollständig geklärt. „Sicher zum Teil über die Ausschüttung von Endorphinen und anderen Botenstoffen. Aber auch der simple Faktor Ablenkung spielt eine Rolle“, vermutet Schmidt.
Einen nachgewiesenen Effekt zeigt die Musiktherapie zudem bei der Behandlung von Tinnitus. Das chronische Rauschen und Pfeifen im Ohr kann durch Töne mit der gleichen Frequenz überlagert werden. Im Bestfall verschwinden die störenden Geräusche sogar völlig aus dem Bewusstsein.
Musikalische Untermalung kann auch bei Operationen von Nutzen sein. Eine US-amerikanische Studie an der Yale School of Medicine ergab, dass Patienten mit einer geringeren Menge Narkosemittel auskommen, wenn sie vor und während der Operation Musik hören. Zudem sind die Patienten weniger ängstlich und gehen entspannter in die Operation. Zahnärzte nutzen diesen Effekt, indem sie ihren Patienten erlauben, während der Behandlung über Kopfhörer Musik zu hören.
Klassik oder Pop?
Gibt es in Bezug auf die Gesundheit die ideale Musik? Nein. Wie Musik wirkt, hängt stark von subjektiven Faktoren ab. Jeder hat seine Vorlieben, seinen eigenen Musigeschmack. Was den einen beruhigt, regt den anderen nur auf. „Der Anspruch der Musik ist nicht entscheidend“, sagt Gembris. „Die positiven Effekte können bei jeder Stilrichtung auftreten. Ob das nun Klassik, Pop oder Volksmusik ist.“
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
20.06.2011, aktualisiert am 20.06.2011
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