Was tun, wenn das Geschenk nicht gefällt?

Freude heucheln und ab in den Keller? Oder ehrlich sein und umtauschen? Wie man mit ungeliebten Geschenken umgeht, ohne die Gefühle des Schenkers zu verletzen

von Sophie Kelm, 23.12.2015

Zu groß, zu bunt, zu kratzig? Nicht jedes Geschenk kommt gut an

Shotshop/kozzi2

"Ui toll, ein Ringelpullover... " Nicht jede lieb gemeinte Gabe trifft den Geschmack des Empfängers. Aus Angst, den Schenkenden zu kränken, heuchelt der unglückliche Neubesitzer oft Freude. Aber ist das überhaupt richtig? Wie verhält man sich in so einer Situation am besten?

Freundlich, aber ehrlich

"Sagen Sie etwas Nettes, zum Beispiel über die Mühe oder die Verpackung, aber bleiben Sie bei der Wahrheit", rät Psychologe und Persönlichkeitstrainer Professor Alfred Gebert aus Münster. Viele Menschen neigen dazu, etwas zu verschenken, was sie sich eigentlich selber wünschen. Überlegen sie, ob das auch in diesem Fall so sein könnte. Vielleicht möchte der Schenker die Gabe sogar selbst behalten, wenn sie Ihnen nicht gefällt?

Auf jeden Fall kann man hervorheben, wie sehr man sich gefreut hat, dass sich der andere so viele Gedanken gemacht hat. Denn darum geht es beim Schenken auch. Es kommt den meisten Menschen nicht auf den Preis an, sondern auf die Liebe und Aufmerksamkeit, die in dem Präsent stecken.


Psychologe Professor Alfred Gebert

© Andreas Grosse Halbuer

"Im ersten Moment habe ich so getan, als fände ich die lila Lavalampe ganz toll", erinnert sich Luise aus Hamburg. Dabei war ihr sofort klar: "Das Ding wandert in den Keller." Kann man eine solche Situation noch retten? "Besser spät als nie", rät der Psychologe. In diesem Fall sollte man sich noch einmal höflich bedanken und dann das Geschenk zurückzugeben. Man kann auch fragen, ob man es umtauschen kann. Ansonsten hat der Schenker unnötig Geld ausgegeben. Und einen selbst plagt das schlechte Gewissen, wenn man das ungeliebte Teil niemals aufstellt.

Nicht zu empfehlen: Tauschbörsen oder Weiterverschenken

Wenn man sich nicht getraut hat, ein Geschenk dankend abzulehnen, dann könnte man es ja theoretisch im Internet verkaufen oder einfach weiterschenken. Oder? "Davon rate ich ab", sagt Gebert. Wenn es herauskommt, ist das sehr verletzend. Man muss die Situation richtig einschätzen, eventuell ist es in Ordnung vorzuschlagen, das Geschenk an eine bestimmte Person weiterzugeben. "Beim heimlichen Weiterschenken kann es passieren, dass das Geschenk irgendwann wieder bei einem selber oder gar beim Schenker landet", warnt der Psychologe.

Wenn man selbst etwas verschenkt, das nicht gefällt

Kann auch mal vorkommen: Man hat selbst den Geschmack nicht ganz getroffen und glaubt dies an der Reaktion des Beschenkten zu erkennen. Was nun? Halten Sie sich zurück, drängen Sie Ihre Vermutung, das Geschenk gefalle nicht, nicht auf. "Auf Rückfrage würde ich den Kassenbon übergeben", rät Gebert.

Wie steht es mit Geldgeschenken?

Geld braucht man eigentlich immer – das wäre ja eine grandiose Lösung. Darf man sich einfach Euros wünschen? "Ab einem gewissen Altersunterschied, wie zum Beispiel zwischen Enkel und Großeltern, ist das in Ordnung", findet Gebert. Ansonsten sollte man erklären, wofür man spart. Zum Beispiel eine Reise, Möbel oder den tollen neuen Rasenmäher.

Wunschzettel: Nicht nur an Weihnachten

In der Weihnachtszeit ist der Wunschzettel ja nicht unüblich. Aber auch sonst kann man Wünsche äußern, viele Schenker sind darüber sogar dankbar. Gebert rät: Am besten schlägt man Geschenke im mehreren Preisklassen vor. Ausschließlich teure Wünsche kommen nicht gut an.



Bildnachweis: Shotshop/kozzi2, GettyImages/Lorenz und Avelar/WorkbookStock, © Andreas Grosse Halbuer, Thinkstock/BananaStock

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