Lachen ist gesund – echt?

Wenn wir lachen, wirkt sich das auf Körper und Seele aus. Lachen kann Stress abbauen, entspannen und soll Glückshormone freisetzen. Es hilft sogar gegen Schmerzen

von Dr. Martina Melzer, 08.09.2014

Prust, gacker, kicher: Wir sollten viel und herzhaft lachen, sagen Forscher

Thinkstock/iStockphoto

Finden wir etwas witzig oder amüsant, lachen wir darüber. Im Körper setzt dies verschiedene Mechanismen in Gang: "Lachen erregt das limbische System", sagt Professorin Barbara Wild, Neurologin und Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aus Tübingen. Das limbische System ist eine Schaltstelle im Gehirn, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Bewertung von Emotionen spielt.

Schallendes Gelächter aktiviert die Lachmuskeln im Gesicht und versetzt die Stimmbänder in Schwingungen. "Gleichzeitig schnellt unter anderem der Puls nach oben, wenn wir lachen, die Atmung wird angeregt und die Haut stärker durchblutet", erklärt Dr. Michael Titze, Diplom-Psychologe aus Tuttlingen und Autor mehrerer Bücher zum Thema.

Doch diese spontanen Auswirkungen machen Lachen noch nicht gesund. Es sind vielmehr Begleiteffekte, denen Lachforscher positive Wirkungen zuschreiben. So soll ein ausgiebiger Lachanfall angeblich zum Stressabbau beitragen, Glückshormone freisetzen, Schmerzen lindern und das Immunsystem stärken. Kein Wunder, dass sich das Thema gut vermarkten lässt – in Form von Ratgebern, Fernsehsendungen und Kursen, in denen Menschen miteinander kichern. Bereits 150 Lach-Clubs soll es in Deutschland geben.


Macht Lachen glücklich?

Titze erklärt die stressmindernden Effekte so: "Wenige Minuten, nachdem wir intensiv gelacht haben, stellt sich im Körper eine anhaltende Entspannungsphase ein." Der Blutdruck sinke und Stresshormone wie Kortison würden abgebaut werden. Der Psychologe beruft sich dabei auf US-amerikanische Studien. Neurologin Wild hält ausgiebiges Lachen ebenfalls für durchaus entspannend. Sie schränkt jedoch ein: "Es hängt davon ab, aus welchen Gründen wir lachen und wie unsere Gefühlslage dabei ist." Brechen wir in Gelächter aus, weil wir uns wohl fühlen und uns zum Beispiel mit Freunden über etwas amüsieren, hat dies andere emotionale Wirkungen als wenn wir aus Schadenfreude oder Verlegenheit lachen. Nur der erste Fall sorgt laut Wild für eine gewisse Entspannung.

Manche Gelotologen, wie sich Lachforscher nennen, behaupten, ein paar Minuten Lachen hätte dieselben Effekte wie 20 Minuten Joggen. Der Körper spanne ebenfalls zahlreiche Muskeln an, käme in eine Entspannungsphase und würde letztendlich Glückshormone ausschütten. Während Titze die ersten Effekte für einleuchtend hält, drückt er sich zu den Glücksbotenstoffen vorsichtiger aus: "Dieser Zusammenhang ist experimentell noch nicht zweifelsfrei bestätigt." Es beginnt schon mit der Definition der Glückshormone. Macht die Substanz Serotonin glücklich oder sind es andere Botenstoffe?


Lachen ist ansteckend – probieren Sie es aus!

  • So lacht man auf den Cook Islands
    Getty Images/Look/Holger Leue

    Der junge Mann auf den Cook Islands (Südpazifik) ist nicht nur selbst gut gelaunt, er regt sicher auch andere zum Lachen an.

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  • So lacht man in China
    GettyImages/The Imagebank/Bruno Morandi

    Kichern, gackern, schmunzeln. Die drei Mädchen wurden in der Provinz Guizhou in China fotografiert.

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  • So lacht man in Afrika
    Mauritius/Image Source

    Wer kann diesem herzhaften Lachen schon widerstehen?

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  • So lacht man in Tibet
    GettyImages/The Agency Collection/Bartosz Hadyniak

    Diese Tibeterin strahlt über das ganze Gesicht. Lachforscher sprechen hier von einem echten Lachen, bei dem sich die Mundwinkel nach oben ziehen, die Augen zusammengekniffen werden und Lachfalten entstehen.

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  • So lacht man in Alaska
    GettyImages/Nativestock/Marylin Angel Wynn

    Diese junge Inuitfrau aus Alaska (USA) überkommt ein regelrechter Lachanfall!

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  • So lacht man in Indien
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    Sichtlich amüsiert ist dieser Inder.

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  • So lacht man in Westkamerun
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    Ein strahlendes Lachen zeigt dieser Mann aus Bafut in Westkamerun.

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  • So lachen Männer in Europa
    Stockbyte/RYF

    In Gemeinschaft lacht es sich am besten.

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  • Lachende Frauen in Westtibet
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    Die beiden Pilgerinnen stehen vor dem heiligen Berg Kailash (in Wolken) in West-Tibet und posieren sichtlich gut gelaunt für den Fotografen.

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  • Lachende Frau in Westchina
    F1online/AGE/Marco Brivio

    Müssen Sie nicht auch kichern, wenn Sie diese nette Chinesin sehen?

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Lachen gegen Schmerzen

Endorphine und Enkephaline, beides körpereigene Botenstoffe, kennen Wissenschaftler aus der Schmerzforschung – sie wirken Schmerzen entgegen. Auch Gelächter scheint diesen Effekt zu haben. "Es ist relativ gut belegt, dass wir Schmerzen weniger wahrnehmen, wenn wir aus Erheiterung lachen", sagt Expertin Wild. Zahnärzte setzten früher (teilweise auch heute) Lachgas ein, bevor sie die Zähne behandelten. Dies liegt jedoch eher an der schmerzstillenden und beruhigenden Wirkung von Lachgas als an dessen Nebeneffekt: Die Patienten beginnen spontan zu lachen.

Forscher der Universität Oxford schließen aus einem Experiment, dass 15 Minuten Lachen die Schmerzempfindung um ein Zehntel herabsetzt. Sie führen dies auf eine Aktivierung von Endorphinen zurück. Humorforscherin Wild hat eine andere Erklärung: "Lachen lenkt ab." Es beansprucht das Hirn und gibt weniger Platz für negative Emotionen frei.

Humor stoppt negative Gedanken

Wild nutzt diesen Effekt in der Psychotherapie aus. "Wenn wir alltägliche Probleme mit Humor betrachten können, ist dies für die Seele sehr hilfreich", sagt sie. So ließen sich eine Spirale negativer Gedanken durchbrechen, Grübelattacken stoppen und Angstzustände vermindern. Wild empfiehlt ihren Patienten dann durchaus, sich einen witzigen Film anzusehen. "Er fordert uns geistig und steuert unsere Gedanken in eine andere Richtung", so die Expertin.

Psychologe Titze kennt ein weiteres Einsatzgebiet, in dem Lachen als Medizin dient: das Krankenhaus. "Klinik-Clowns lockern die oft triste Krankenhaus-Atmosphäre auf und möchten die Patienten zum Lachen bringen", sagt er. Die Spaßmacher würden sich vorher mit den Ärzten absprechen und die Erkrankten dann gezielt aufheitern. "Studien haben gezeigt, dass vor allem junge Patienten dadurch schneller wieder gesund werden und kürzer in der Klinik bleiben", erläutert Titze.

Ob Lachen das Immunsystem stärkt, war bereits Thema einiger Studien. Dabei begutachteten die Forscher zum Beispiel die Aktivität bestimmter Immunzellen und Botenstoffe im Blut, nachdem sich die Studienteilnehmer einen lustigen Film angesehen hatten. Tatsächlich nahmen die Werte bei einigen Studienteilnehmern zu. Je mehr sie lachten, desto stärker fiel der Anstieg aus. In anderen Studien ließen sich diese Effekte auf das Immunsystem allerdings nicht feststellen. Deshalb können Wissenschaftler derzeit noch keine klaren Aussagen zu diesem Thema treffen.

Was bringt uns zum Lachen?

Am häufigsten lacht der Mensch über seine Mitmenschen. Passiert dem Gegenüber etwas Unerwartetes oder Peinliches, können wir lachen, bis uns Tränen in die Augen schießen. Wir schnappen nach Luft und bekommen Muskelkater im Bauch. "Echtes Lachen bringt das Kind in uns hervor, der Verstand verliert die Kontrolle über den Körper", erklärt Titze. Schadenfreude bringt uns ebenfalls oft zum Kichern. "Dadurch fühlen wir uns wohl den anderen überlegen und stärken das Selbstwertgefühl", so Wild.

Witze sind ein Kapitel für sich. Der britische Humorforscher Richard Wiseman hat sich auf die Suche nach dem lustigsten Witz der Welt begeben. Keine einfache Aufgabe. Denn jeder Mensch findet etwas anderes witzig. Laut Wiseman lachen Frauen gerne über Witze, in denen Männer unvorteilhaft dastehen. Deutsche amüsieren sich über die Ostfriesen, Engländer über die Iren. Amüsant sind Witze, die zu einem unerwarteten Ergebnis führen oder bei denen sich der Leser gegenüber der Witzfigur überlegen fühlt.

Unter 40.000 gesammelten Witzen stand dieser ganz weit oben:

Sherlock Holmes und Dr. Watson gehen zelten. Mitten in der Nacht weckt Sherlock Holmes seinen Zeltgenossen auf: "Was sehen Sie, Watson?" Watson: "Ich sehe Sterne am Himmel." Holmes: "Was folgern Sie daraus?" Watson: "Dass es im Universum viele Planeten gibt und sicherlich auch welche, die der Erde ähnlich sind. Das heißt, es könnte irgendwo noch intelligentes Leben geben." Holmes: "Nein Watson, Sie Idiot. Es bedeutet, dass man uns gerade das Zelt geklaut hat."



Bildnachweis: iStock/Arkadamkaz, GettyImages/The Agency Collection/Bartosz Hadyniak, GettyImages/The Imagebank/Bruno Morandi, Mauritius/Image Source, F1online/AGE/Marco Brivio, Stockbyte/RYF, Getty Images/Look/Holger Leue, F1online/Imagebroker, Mauritius/Heiner Heine, GettyImages/Nativestock/Marylin Angel Wynn, Thinkstock/iStockphoto

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