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Der Beginn der Liebe:
Was macht Menschen anziehend?

Forscher ergründen, was Männer und Frauen attraktiv erscheinen lässt

Was Männer attraktiv finden
Schmollmund, kleines Kinn und hohe Wangenknochen: Frauen wie Super-Model Laetitia Casta bringen Männer zum Träumen. Dass ausgesprochen feminine Züge beim starken Geschlecht gut ankommen, zeigten Untersuchungen mit Frauenporträts, deren Züge am Computer von eher männlich bis zu superweiblich verändert wurden. Ein symmetrisches Gesicht mit großen Augen, kleiner Nase und vollen Lippen schnitt in der Gunst der männlichen Tester am besten ab. Die Erklärung der Wissenschaftler: Feminine Züge hängen mit der Ausschüttung des weiblichen Sexualhormons Östrogen in der Pubertät zusammen. Hohe Östrogenspiegel sprechen für Gesundheit und Fruchtbarkeit – entscheidende Kritierien bei der Partnerwahl.

Was Frauen attraktiv finden
Weibliche Vorlieben lassen sich nicht so eindeutig ausmachen. So gelten ein breiter Kiefer und ein markantes Kinn, wie sie US-Filmstar George Clooney besitzt, als sehr männlich und sexy. Denn markige Gesichtsformen weisen auf einen hohen Testosteronspiegel hin. Dennoch können auch Männer mit feminineren Gesichtszügen bei Frauen punkten. Lediglich während des Eisprungs stehen Frauen auf Machos. Auch dafür haben die Evolutionsbiologen eine Erklärung: Männer mit weichen Zügen seien zuverlässige Partner und gute Väter. Ein hoher Testosteronspiegel verspreche dagegen gute Chancen auf gesunden Nachwuchs – das entscheidende Kriterium während der fruchtbaren Tage.

 


Taille zu Hüfte
90-60-90 lautet die magische Formel für eine aufregende Figur. Frauen, bei denen sich der Taillenumfang dividiert durch den Hüftumfang dem Wert von 0,7 nähert, gelten gemeinhin als attraktiv. Die Erklärung: Mit dem Beginn der Pubertät führt die einsetzende Östrogenproduktion zur typisch weiblichen Fetteinlagerung an Oberschenkeln und Gesäß, wie sie US-Sängerin Jennifer Lopez sehr deutlich zeigt. Zugleich wird die Fettablagerung in der Taillenregion gehemmt. Das Taille-zu-Hüfte-Verhältnis gibt also Aufschluss über die Fortpflanzungsfähigkeit.

Ähnlichkeit
„Gleich und gleich gesellt sich gern“ scheint auch aufs Äußere zuzutreffen. David Perrett, Wahrnehmungsforscher an der schottischen St. Andrews University, veränderte Gesichter von Testpersonen so, dass sich weibliche Antlitze in männliche verwandelten und umgekehrt. Die Bilder legte er denselben Personen wieder vor. Viele reagierten auf die gegengeschlechtliche Ausgabe ihrer selbst sehr positiv, wobei ihnen nicht bewusst war, dass sich dahinter ihr eigenes Gesicht verbarg.

Papi ist der beste
Ähnlichkeit wirkt anziehend – vielleicht weil sie an die eigenen Eltern erinnert. Eine Studie US-amerikanischer und ungarischer Wissenschaftler an der Wayne-State- Universität in Detroit ergab: Frauen, die als Kinder ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater hatten, suchten sich später Partner, die Papa ähnelten. Für ihre Untersuchung hatten die Forscher Adoptivtöchter gewählt, um mögliche genetische Faktoren auszuschließen. Dann legten sie Testpersonen Fotos der Frauen sowie ihrer Ehemänner und Adoptiveltern vor. Das Urteil der Tester zeigte: In der Tat gibt es eine überdurchschnittlich häufige Ähnlichkeit zwischen Vätern und Ehemännern.

Duftnote
Andere Forscher fanden heraus, dass Frauen Männer vorziehen, deren Geruch ihrem eigenen nicht ähnlich ist. Claus Wedekind von der Universität Bern entdeckte, dass sich Ehepartner, die in langjährigen glücklichen Ehen leben, in ihrer Duftnote mehr unterscheiden als Partner früh gescheiterter Ehen. Die biologische Erklärung: Bestandteile im Körpergeruch entsprechen jenem Genabschnitt, der für das Erkennen von „eigen“ und
„fremd“ im Körper zuständig ist. Die unterschiedliche genetische Ausstattung erhöht die Chance auf gesunden Nachwuchs.

 


Leidenschaft
Auch die Situation entscheidet mit, ob wir uns verlieben. Filmemacher nutzen diese Erkenntnis für melodramatische Streifen, etwa in der letzten Verfilmung des Untergangs der Titanic. Wissenschaftler sprechen nüchtern von „Erregungstransfer“ oder von „Fehlattribution von Erregung“: Bei einem Unfall, einer stressigen Prüfung oder auch starker Anstrengung steigt das körperliche Erregungsniveau. Der Organismus schüttet vermehrt das Hormon Adrenalin aus, beschleunigt Herzschlag und Atmung. Begegnen wir in dieser Situation einem attraktiven möglichen Partner, übertragen wir die körperliche Erregung auf ihn. Auch gute Stimmung kommt anwesenden Personen zugute – und fördert so zum Beispiel alle Jahre wieder die typische Urlaubsliebe.

Romeo und Julia
Nicht nur beim berühmtesten Liebespaar des Theaters sind die Eltern gegen das junge Glück – und erreichen genau das Gegenteil: Die beiden entflammen in besonders leidenschaftlicher Liebe zueinander. Wissenschaftler sprechen von „psychologischer Reaktanz“: Wenn unsere Entscheidungsfreiheit bedroht ist, regt sich heftiger Widerstand. Das Verbotene erscheint dann besonders begehrenswert.

Sexy Eisprung
Ob es zwischen zwei Menschen funkt, hängt auch vom weiblichen Zyklus ab. Während ihrer fruchtbaren Tage werden Frauen häufiger berührt. Das stellten Psychologen fest, die in der Disco Körperkontakte zählten. Nicht zuletzt zeigen die Frauen in dieser Phase auch mehr Haut. Ein britisch- tschechisches Forscherteam belegte, dass weibliche Gesichtszüge während der fruchtbaren Tage attraktiver erscheinen. Die Wissenschaftler hatten Frauen kurz vor dem Eisprung und während einer unfruchtbaren Phase fotografiert und dann die Aufnahmen Männern und Frauen zur Beurteilung vorgelegt. Die meisten Befragten fanden die Gesichter attraktiver, die kurz vor dem Eisprung aufgenommen wurden. Was den Unterschied ausmacht, konnten die Forscher allerdings nicht feststellen.

Gelegenheit macht Liebe
Rund 70 Prozent aller Paare lernen sich in vertrauter Umgebung kennen: am Arbeitsplatz, über gemeinsame Bekannte oder bei einem Hobby. Möglicherweise macht dies die Kontaktaufnahme einfacher – oder Menschen mit ähnlichen Interessen begegnen sich. Die wenigsten verlieben sich dabei auf den ersten Blick. „In der Regel kannten sie sich schon vorher relativ lange“, sagt Manfred Hassebrauck, Sozialpsychologe an der Universität Wuppertal. „Plötzlich hat es dann geknistert.“ Die Auslöser dafür sind unterschiedlich: das Gefühl, vom anderen gemocht zu werden, oder ein schönes gemeinsames Erlebnis.

Frauenwünsche, Männerträume
Frauen legen Wert auf das Einkommen des Partners: Dieses Fazit zieht Professor Manfred Hassebrauck, Spezialist für Paarbeziehungen, aus der Analyse von Bekanntschaftsanzeigen. Männer punkten auch mit Status, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Kinderwunsch. Sie selbst träumen von schönen, jungen Partnerinnen. Die bekommen sie auch, wenn sie Geld und Status bieten – selbst wenn der Altersunterschied deutlich über den 3,7 Jahren liegt, die Frauen im Schnitt bevorzugen. Die soziokulturelle Erklärung: Frauen tauschen Schönheit gegen Status. Die evolutionsbiologische: Erfolgreiche Männer bieten Kindern die besten Chancen.


Gesundheit



Gesundheit; 05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF, W&B/Digital Vision/RYF

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