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Kaugummi: Frischer Atem und weitere Vorteile

Kaugummi überdeckt nicht nur üble Gerüche. Das Kauen hat auch gesundheitliche Vorteile. Wichtig: Die zuckerfreie Variante wählen


Zuckerfreies Kaugumnmi birgt gesundheitliche Vorteile

„Wenn Sie mit der Zunge über das Handgelenk streifen“, sagt Professor Benjamin Ehmke, „und den Speichel trocknen lassen, können Sie diese Schwefelverbindungen riechen.“ Was der Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Universitätsklinikum Münster beschreibt, ist ein Selbsttest, um Mundgeruch festzustellen.

Viele Menschen wissen nichts von ihrem schlechten Atem oder glauben irrtümlicherweise, einen zu haben. Verflüchtigt sich der Speichel, riecht man die von Bakterien produzierten Gase.



Professor Benjamin Ehmke

Mundgeruch: Oft sind Mikroben schuld

Neben den Bakterien bevölkern unzählige andere Mikroorganismen Mundhöhle, Zunge und Zähne – Pilze, Viren sowie Einzeller. Und wir brauchen sie auch. Die kleinen Helfer unterstützen den Verdauungsprozess, wehren Krankheitserreger ab und zersetzen Eiweiß bereits im Mund. Zu üblem Geruch kommt es, wenn bestimmte Organismen die Oberhand gewinnen. Das sei in 85 Prozent der Fälle die Ursache für Mundgeruch, erklärt Ehmke – „und lässt sich eigentlich sehr einfach beseitigen“.

Häufig sitzen Bakterien im hinteren Bereich der Zunge oder in den Zahnzwischenräumen. Vor allem eine mechanische Reinigung kann die Betroffenen schon nach ein paar Anwendungen vom Mundgeruch befreien. Dazu gehören eine Zungenbürste in Kombination mit einer Zahnbürste, Mundspülungen und Zahnseide. Auf die Schnelle greifen viele Menschen gerne zu einem Kaugummi. Und dieser kann tatsächlich mehr, als nur den Geruch zu überdecken – vorausgesetzt, er ist zuckerfrei.

Positiv: Mehr Speichel

Genau genommen beruhen die positiven Eigenschaften nicht auf dem Kaugummi selbst. Es ist das Kauen an sich. „Dadurch wird die Speichelproduktion angeregt“, erläutert Ehmke. Weil Speichel leicht desinfizierend wirkt, verhindert er eine übermäßige Vermehrung der Bakterien.

Er neutralisiert zudem gefährliche Säuren und beugt dadurch Karies vor. Laut Ehmke enthält Speichel Kalzium, Phosphat und Fluorid und remineralisiert so die Zähne. Durch die Backen- und Zungenbewegungen beim Kauen werden Zähne und Zunge zudem mechanisch gereinigt.

Aber Kaugummikauen kann auch nach einer Darmoperation helfen. Das fanden Wissenschaftler aus Kalifornien heraus. Weil es den Magen-Darm-Bereich anregt, verkürzte sich die Aufenthaltsdauer von Dickdarmoperierten im Krankenhaus einer Studie zufolge um durchschnittlich zwei Tage.

Der Magen verklebt nicht

Um die Kaumasse ranken sich jedoch auch zahlreiche Mythen: Macht Kaugummikauen wirklich schlauer? Verklebt die Masse den Magen, falls man sie schluckt? Weder noch. Marburger Forscher fanden in einer Studie mit 900 Schülern heraus, dass Kaugummikauen keine messbaren Vorteile bringt. Und an „Kaugummi verklebt den Magen“ ist so viel dran wie an „Fernsehen macht viereckige Augen“: nichts. Die Kaumasse landet unverdaut im Klo.


Geschichte des Kaugummis

  • 1848: Der US-Amerikaner John B. Curtis stellt den ersten Kaugummi her – aus Fichtenharz.

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  • 1871: Richtig erfolgreich ist der New Yorker Thomas Adams. Weil sich Chicle – der Latexsaft des Breiapfelbaums – nicht zur Herstellung von Spielzeug oder Reifen eignet, verkauft er die Masse als Kaugummi. Eine von Adams patentierte Maschine produzierte die heute gängigen Streifen.

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  • 1891: William Wrigley verkauft Backpulver und gibt seinen Kunden Kaugummi dazu. Aus diesen Anfängen wird mit der Zeit ein Kaugummi-Imperium.

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  • 1954: Das Wort „Kaugummi“ wird im Rechtschreib-Duden erwähnt.

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  • 1976: Der erste zuckerfreie Kaugummi kommt auf den deutschen Markt.

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  • 2009: Der erste zu 100 Prozent biologisch abbaubare Kaugummi mit Biosiegel wird produziert.

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  • 2012: Die Deutschen geben in diesem Jahr 651 Millionen Euro für Kaugummis aus.

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Bildnachweis: W&B/Wolfram Schroll, plainpicture GmbH & Co KG/André Schuster

Christian Steinmüller, Apotheken Umschau;
Bildnachweis: W&B/Wolfram Schroll, plainpicture GmbH & Co KG/André Schuster

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