Magenband

Ein Magenband ist meist ein Band aus Silikon. Es wird um den oberen Teil des Magens gelegt, um die Nahrungsaufnahme zu begrenzen. So soll es übergewichtigen Patienten helfen, Gewicht abzunehmen

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 26.02.2014

Den Gürtel enger schnallen – so ähnlich wirkt das Magenband, allerdings direkt am Magen

Jupiter Images GmbH/Creatas Images

Über eine Million Menschen in Deutschland leiden unter extremem Übergewicht, und es werden immer mehr. Starkes Übergewicht (Adipositas) schränkt meist die Lebensqualität ein. Außerdem verkürzt es unter Umständen durch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Leiden die Lebenszeit. Schafft es ein Patient trotz Ernährungsumstellung und Bewegung nicht, sein extremes Übergewicht zu verringern, kann das Magenband eine Behandlungsmöglichkeit im Spektrum der adipositaschirurgischen Eingriffe neben Magenbypass, Schlauchmagen, Magenballon oder Magenschrittmacher sein.

Was ist ein Magenband?

Bei einem Magenband handelt es sich um ein meist aus Silikon bestehendes Band. Es wird um den oberen Teil des Magens gelegt, um einen kleinen "Vormagen" zu bilden. Dieser Vormagen kann nur wenig Nahrung aufnehmen.


Das Magenband schnürt vom Magen einen "Vormagen" ab

W&B/Jörg Neisel/bearb. Martina Ibelherr

Die Funktionsweise

Das Magenband verhindert, dass der Patient große Mengen von festen Lebensmitteln auf einmal isst. Versucht ein Patient, mehr zu essen, bekommt er ein Druckgefühl im Oberbauch und muss gegebenenfalls erbrechen. Das Band führt zusätzlich zu einem schnelleren Sättigungsgefühl, infolge des Dehnungsreizes des Vormagens.

Anpassung an die Therapie des Patienten

Heutzutage werden nur noch verstellbare Magenbänder eingesetzt. Das verstellbare Magenband hat eine Flüssigkeitskammer, die von außen über ein sogenanntes Portsystem mit Kochsalzlösung gefüllt werden kann. Bei diesem Port handelt es sich um einen unter der Haut eingesetzten Ballon. Der Port liegt meist im Oberbauch unter der Haut. Er ist über einen Schlauch mit dem Magenband verbunden. Indem der Chirurg über den Port die Flüssigkeitsmenge im Band verändert, kann er die Weite des Bandes anpassen. Ein gut eingestelltes Band soll dazu führen, dass der Patient schon nach einer kleineren Menge gesättigt ist.

Die Operation: ein minimalinvasiver Eingriff

Eine Magenbandoperation wird heutzutage fast ausschließlich über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Weil dadurch keine größere Operationswunde entsteht, nennt man den Eingriff minimalinvasiv. In Vollnarkose setzt der Chirurg über mehrere kleine Schnitte das Band und den Port ein. Die Operation dauert im Normalfall eine Stunde. Der Patient kann meist am ersten Tag nach der Operation Flüssigkeit aufnehmen und nach zwei bis drei Tagen das Krankenhaus verlassen. Nach vier bis sechs Wochen wird das Band erstmals in seiner Weite angepasst. Das Magenband kann nach heutigem Wissen lebenslang im Körper verbleiben.


Zu große Nahrungsbrocken können den Magendurchgang verschließen

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Komplikationen durch die Operation

Komplikationen können bei dem Eingriff und der Narkose vor allem durch das Übergewicht und die Begleiterkrankungen des Patienten entstehen. In ausführlichen Voruntersuchungen wird das persönliche Risiko eingeschätzt. Spezialisierte Kliniken haben in der Regel bei der Operation eine Sterblichkeitsrate von unter 0,1% Prozent.

Direkt nach dem Eingriff können wie bei jeder Operation Wundheilungsstörungen und Infektionen auftreten. Vor allem rund um das eingepflanzte Kunststoffmaterial können Entzündungen entstehen. Derartige Infektionen machen die Entfernung des Bandsystems erforderlich. Außerdem kann jeder Eingriff im Bereich des Bauchraums dazu führen, dass sich Verwachsungen bilden. Für das Magenband spezielle Komplikationen sind der Verschluss des Magendurchgangs durch zu große Nahrungsbrocken oder eine Vergrößerung des Vormagens bei dauerhafter Zufuhr zu großer Nahrungsmengen oder massivem Erbrechen. In diesen Fällen ist eine erneute Operation notwendig.

Für welche Patienten ist ein Magenband denkbar?

Die Voraussetzung für ein Magenband ist erstens, dass der Patient unter schwerem Übergewicht leidet, das der Arzt als "krankhaft" einstuft. Dazu zählen ein Body-Mass-Index (BMI) von über 40 oder ein BMI von über 35 mit bereits vorliegenden Gesundheitsschäden durch das Übergewicht. (Der Body-Mass-Index ist eine Maßzahl für das Körpergewicht in Bezug zur Körpergröße, hier können Sie ihn berechnen.)

Als zweite Voraussetzung sollen alle Behandlungsmaßnahmen zur Gewichtsreduktion ausgeschöpft sein, bei denen keine Operation nötig ist.

Magenbänder eignen sich vor allem für junge, sehr motivierte Patienten, insbesondere aufgrund der leichten Entfernbarkeit und der Möglichkeit, die Maßnahme rückgängig zu machen. Allerdings bedarf es einer strukturierten Nachsorge. Bestehen ausreichende medizinische Gründe, kann es auch bei Patienten unter achtzehn Jahren eingesetzt werden.


Stark kalorienhaltige Getränke und Süßigkeiten sollten trotz Magenband die Ausnahme bleiben

istock/limpido

Wann zahlen die Krankenkassen den Eingriff?

In Deutschland übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Magenband, wenn die medizinische Notwendigkeit ausreichend belegt wurde. Zusätzlich fordern die Kassen, dass der Patient einen ärztlich kontrollierten Abnahmeversuch bereits durchgeführt hat, zum Beispiel durch Kuren oder ärztlich kontrollierte Diäten. Hormonelle oder psychische Ursachen für das Übergewicht müssen ausgeschlossen sein.

Erfolg nur mit konsequenter Mithilfe des Patienten

Studien zeigten, dass sehr motivierte Patienten mit Hilfe des Bandes über die Hälfte ihres Übergewichtes innerhalb von zwei Jahren verlieren können. Zusätzlich verbessert sich oft die Lebensqualität. Des Weiteren werden die Begleiterkrankungen des metabolischen Syndroms wie die Zuckerkrankheit, Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) und der erhöhte Blutdruck positiv beeinflusst.

Für das Abnehmen mit dem Magenband ist aber der Einsatz des Patienten gefragt: Ohne dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist kaum ein Gewichtsverlust erzielbar. Beispielsweise sollte der Patient weitgehend den Konsum von Süßigkeiten oder hochkalorischen Getränken vermeiden. Denn sowohl die Getränke als auch zum Beispiel Schokolade können die Engstelle leicht passieren, wodurch kein Sättigungsgefühl ausgelöst wird.


PD Dr. Christine Stroh

W&B/Privat

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. Christine Stroh, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit den Zusatzweiterbildungen Ernährungsmedizin und Proktologie, Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Wald-Klinikum Gera


Quellen:
1. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas, Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie, In Zusammenarbeit mit: Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Juni 2010
2. Karpitschka M, Lang R, Adipositaschirurgie und ihre Komplikationen, Der Radiologe, May 2011, Volume 51, Issue 5, pp 352-365
3. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Online: www.adipositas-gesellschaft.de (Abgerufen am 8.1.2014)
4. Bundesverband Adipositas-Chirurgie e.V. Online: www.bvac.de (Abgerufen am 8.1.2014)
5. Medizinische Universität Wien. Universitätsklinik für Chirurgie. Adipositas Ambulanz. Online: www.meduniwien.ac.at/adipositas/Adipositasambulanz_AKH_Wien_-_Medizinische_Universitat_-_Magenband.html (Abgerufen am 8.1.2014)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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