Magenballon

Ein Magenballon besteht aus Silikon oder Kunststoff. Meist wird er per Magenspiegelung in den Magen eingesetzt. Dort erzeugt er durch sein Volumen ein früheres Sättigungsgefühl
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 04.04.2017

Flüssigkeitsgefüllte Magenballons werden per Magenspiegelung platziert und gefüllt

Your Photo Today/BSIP

Das durch den Magenballon ausgelöste Gefühl, schneller satt zu sein, soll die Patienten dazu bewegen, weniger zu essen. In Kombination mit bewusster Ernährung kann der Ballon eine Gewichtsabnahme bewirken.

Anlegen eines Magenballons

Der Magenballon ist im Gegensatz zum Magenband und der Magenverkleinerung eine nicht-operative Maßnahme zur Behandlung von starkem Übergewicht.

Es gibt zwei Arten von Magenballons: Bei den sogenannten Schluckballons schluckt der Patient eine kleine ungefähr drei Zentimeter lange ovale Kapsel mit einem Schlauch, über welchen dann der Arzt ungefähr 250 Milliliter eines ungiftiges Edelgas in den Ballon einfüllt. Danach kann der Schlauch entfernt werden. Oft werden auch zwei Schluckballons im Magen platziert, weil das die Form des Magens, die einer Kidney-Bohne ähnelt, besser ausfüllt.

Andere Magenballons werden im Rahmen einer Magenspiegelung in den Magen eingebracht. Der Arzt verwendet dazu ein spezielles Instrument, das Gastroskop, über das er den Ballon durch die Speiseröhre in den Magen einbringt. Gleichzeitig kann der Arzt über die Videooptik des Gastroskops erkennen, ob die Magenschleimhaut gesund und damit für einen Magenballon geeignet ist: Die Magenschleimhaut sollte keine Entzündungen oder Geschwüre aufweisen.

Sobald sich der Ballon im Magen befindet, wird er über das Gastroskop mit 500 bis 700 Milliliter Kochsalzlösung gefüllt. Zur Kontrolle ist diese Kochsalzlösung üblicherweise mit einer speziellen blauen Farbe versetzt. Sie bewirkt, dass sich der Urin kurzzeitig blau färbt, wenn der Ballon undicht ist oder platzt.

Schemazeichnung eines flüssigkeitsgefüllten Magenballons

W&B/Martina Ibelherr

Der Eingriff wird ambulant im Dämmerschlaf (Sedierung) durchgeführt. Er dauert meist zwischen zwanzig und dreißig Minuten. Nach dem Eingriff muss der Patient noch eine bis zwei Stunden zur Überwachung in der Praxis oder Klinik bleiben. Viele Patienten leiden allerdings nach der Balloneinlage unter Übelkeit und Erbrechen und bedürfen daher einer Flüssigkeitsgabe über die Vene ein bis zwei Tage nach der Balloneinlage. Daher kann bei diesen Patienten ein kurzer Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

Sättigungsgefühl durch den Ballon

Der gefüllte Ballon nimmt einen Großteil des Magens ein. Der Patient fühlt sich dadurch schneller satt, das Fassungsvermögen des Magens ist verkleinert. Der mit Flüssigkeit gefüllte Ballon kann in der Regel für sechs Monate im Körper verbeiben, der Schluckballon drei Monate. Danach muss der (bzw. die Ballons) per Gastroskop entfernt werden, um Schäden an der Magenschleimhaut oder ein Platzen des Ballons zu vermeiden.

Für wen ist der Magenballon geeignet?

Für eine Behandlung kommen nur stark übergewichtige Patienten in Frage, die ihr Gewicht durch Ernährungsumstellung und Sport nicht reduzieren konnten.

Ab welchem Ausgangsgewicht ein Magenballon in Frage kommt, ist sehr unterschiedlich. Es hängt vom Geschlecht und der Körpergröße des Patienten ab. Als Richtwert dient der Bodymassindex (BMI). Der Ballon kann je nach Patient bei einem BMI ab 28 kg/m² eingesetzt werden.

Nicht geeignet ist ein Magenballon bei schweren Entzündungen im Verdauungstrakt, Blutgerinnungsstörungen, psychiatrischen Erkrankungen und Drogenproblemen, sowie für schwangere und stillende Frauen.

Nur unterstützend wirksam

Die Magenballon-Therapie ist eine unterstützende Maßnahme zur Ernährungsumstellung. Sehr motivierte Patienten können fünfzehn bis dreißig Kilo abnehmen. Ohne konsequente Umstellung der Lebens- und Essgewohnheiten führt der Magenballon allerdings nicht zur Gewichtsreduktion. Auch zur schnellen Gewichtsabnahme eignet sich diese Therapie nicht, da sie nach der Entfernung des Ballons einen Jo-Jo-Effekt begünstigt, der Patient also schnell wieder Gewicht zulegen kann.

Der Magenballon kann im Rahmen einer "Mehrschritttherapie" zur Gewichtsabnahme bei Risikopatienten vor einem adipositas-chirurgischen Eingriff wie einem Magenbypass oder einer Magenverkleinerung nützlich sein.

Magenballons können Magengeschwüre auslösen

Unfallkrankenhaus Berlin

Risiken und Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen in den ersten Tagen nach dem Eingriff sind Übelkeit und Brechreiz. Manche Patienten leiden auch unter zum Teil massiven Bauchschmerzen, die über mehrere Tage hinweg andauern können. In der Regel gewöhnen sich die Patienten aber rasch an den Fremdkörper im Magen.

Patienten mit einem Magenballon haben ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre. Falsche Ernährung kann bei einem Magenballon außerdem zu einem Flüssigkeitsdefizit (Dehydratation) mit Störungen im Salzhaushalt (Elektrolytverschiebungen) führen.
In sehr seltenen Fällen kann es sogar zu Todesfällen infolge von reflektorischen Herzrhythmusstörungen kommen.

Platzt ein flüssigkeitsgefüllter Magenballon, erkennbar für den Patienten durch die Blaufärbung seines Urins, sollte er sofort endoskopisch entfernt werden, um einen Abgang des Ballonrests über den Darm zu vermeiden. Dadurch könnte ein Darmverschluss entstehen.

Probleme können auch durch die Sedierung der übergewichtigen Patienten beim Einbringen und Herausholen des Ballons entstehen. Neben den üblichen Narkoserisiken kommt es selten zum Einatmen von Magensaft in Luftröhre und Lunge (Aspiration). Die Folge können schwere, auch tödlich verlaufende, Lungenentzündungen sein.

Zahlt die Krankenkasse?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen Magenballon im Normalfall nicht. Sie betragen je nach Arzt zwischen 2.500 und 3.000€. Nur in wenigen Einzelfällen erstatten Krankenkassen die Kosten, zum Beispiel wenn der Patient stark übergewichtig ist und Operationen zu riskant sind.

PD Dr. Christine Stroh

W&B/Privat

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. Christine Stroh, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit den Zusatzweiterbildungen Ernährungsmedizin und Proktologie, Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Wald-Klinikum Gera

Quellen:
1. Weiner RA (Hrsg), Adipositaschirurgie: Operationstechnik - Komplikationsmanagement – Nachsorge, 1. Auflage. München Elsevier GmbH 2010
2. Imaz I, Martínez-Cervell C, García-Alvarez EE, et al. Safety and effectiveness of the intragastric balloon for obesity. A meta-analysis. Obes Surg. 2008 Jul;18(7):841-6
3. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Online: www.adipositas-gesellschaft.de (Abgerufen am 28.11.13)
4. IFSO (International Federation for the Surgery of Metabolic Disorders and Obesity). Online: www.ifso.com (Abgerufen am 28.11.13)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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