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Was einen Reizmagen hervorruft

Die Psychologin Frauke Musial erklärt, wie Stress "auf den Magen schlägt" und was dagegen hilft

Frau Musial, warum schlagen Stress oder Kummer so häufig auf den Magen?  

Der Magen steht unter Kontrolle des unbewussten Anteils des Nervensystems. Über den Nervus vagus, der sämtliche Organe des Bauchraums innerviert, regelt es die Verdauung. Stress und Angst lösen auf dem Weg über das Nervensystem uralte Kampf- und Fluchtreflexe aus. Sie können bewirken, dass einem übel wird und der Darm sich entleert. Für Steinzeitmenschen mag das sinnvoll gewesen sein, für heutige Menschen mit empfindlichem Magen dagegen ist es eine Qual.

Reizmagenpatienten sind hochgradig sensibel für Vorgänge im Bauch. Woher rührt ihr gesteigertes Schmerzempfinden?  

Die genauen Ursachen kennen wir nicht. Eine gewisse Rolle könnte die genetische Veranlagung spielen. Dafür spricht, dass das Leiden in Familien gehäuft auftritt. Es könnte sich aber auch um die Spätfolge einer früher durchgemachten Infektion handeln. Die Entzündung hat vermutlich die Schmerzwahrnehmung des Bauchnervensystems verändert.


Ein Reizmagen wird oft als reine Befindlichkeitsstörung abgetan. Wie groß ist die tatsächliche Belastung für die Patienten?

Es treten zwar keine organischen Schäden auf, doch der Verlust an Lebensqualität ist enorm. Um den Beschwerden wie Schmerzen, Völlegefühl oder Unwohlsein zu entgehen, schränken sich die Betroffenen häufig extrem in dem ein, was sie essen. Dadurch können sie ihre Mahlzeiten oft nicht mehr genießen. Auch Restaurantbesuche oder Essen bei Freunden schlagen sie regelmäßig aus. Dadurch beeinträcht das Leiden den Alltag der Patienten stark.

Es gibt unterschiedliche Therapieansätze. Welche Methode eignet sich für welche Patienten?

Das hängt von der Art und vom Ausmaß der Beschwerden ab. Oft hilft es schon, auf Alkohol, Rauchen und unbekömmliche Speisen zu verzichten. Körperliche Symptome wie Schmerzen, Übelkeit oder Blähungen lassen sich meist gut mit Medikamenten behandeln. Doch sobald die Krankheit anfängt, in den Beziehungen der Patienten eine Rolle zu spielen, oder wenn sich auch noch eine Depression entwickelt, empfiehlt sich eine zusätzliche psychotherapeutische Behandlung.

Angeblich lassen sich mit der „bauchgerichteten Hypnosetherapie“ gute Erfolge erzielen.

Ja. Diese Form der Hypnosetherapie wurde der Behandlung funktioneller Magen- und Darmstörungen angepasst und richtet sich auf den Bauch. Die Patienten arbeiten mit Bildern, die sich auf das Geschehen in Magen und Darm übertragen lassen, etwa rhythmische Meereswellen oder ein ruhig dahinziehender Fluss. Diese positiven Vorstellungen können eine therapeutische Wirkung entfalten.



Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau; 28.01.2010, aktualisiert am 12.01.2012

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