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Krebszellen leichter finden

Fluoreszenzdiagnostik: Mit Laserlicht und Kameras spüren Forscher bei Operationen verstreute Tumorherde auf


Professor Vasilis Ntziachristos vom Helmholtz-Zentrum in München

Seit mehr als 2000 Jahren setzen Chirurgen auf ihren Tastsinn und ihr geschultes Auge. Doch wenn es um das vollständige Entfernen von Krebsherden geht, erreicht diese Methode schnell ihre Grenzen: Mit bloßem Auge lassen sich kleine, verstreute Tumorinseln oder winzige Reste bösartigen Gewebes, die nach dem Herausschneiden des Primärtumors häufig noch im Körper verbleiben, nur schwer erkennen.

„Einerseits kann das Auge nicht unter die Oberfläche schauen“, erläutert Professor Vasilis Ntziachristos, Direktor des Instituts für medizinische und biologische Bildgebung am Helmholtz-Zentrum in München. Andererseits falle die Unterscheidung zwischen Tumor- und Normalgewebe im Detail grundsätzlich schwer.


Mit einem neuen bildgebenden Verfahren will der Wissenschaftler das Aufspüren und Entfernen kleiner Krebszellnester erleichtern. Die Methode: Mit einem tumorspezifischen Fluoreszenzfarbstoff, Laserlicht und drei Kameras werden die winzigen Geschwülste sichtbar gemacht, sodass Chirurgen sie bei Operationen nicht so leicht übersehen.

Vor Kurzem wurde das neue Verfahren – das sogenannte „multispektrale Fluoreszenz-Kamera-System“ – in einer Studie an neun Patientinnen getestet, die an Eierstockkrebs erkrankt waren. Dabei habe es sich, so Ntziachristos, zum ersten Mal am Menschen bewährt.

Eierstockkrebs ist der sechsthäufigste Tumor bei Frauen in Deutschland. Jährlich erkranken ungefähr 8400 Personen daran – für fast die Hälfte von ihnen kommt jede Hilfe zu spät. Weil die Geschwulst zunächst kaum Beschwerden hervorruft, wird sie meistens erst in einem fortgeschrittenen Zustand erkannt. Dann ist der Tumor schon bis in den Bauchraum gewuchert.

Behandelt wird er in diesem Stadium gewöhnlich mit einer Kombination aus Operation und Chemotherapie. „Die Aussicht auf Heilung ist am größten, wenn der Tumor möglichst restlos entfernt wird“, informiert Dr. Michael Fedorov vom Life-Zentrum des Universitätsklinikums in München.

Das neue Diagnostikverfahren, das Ntziachristos zusammen mit Forschern der Technischen Universität München und der niederländischen Universität Groningen entwickelt hat, erleichtere dies, weil es dem Chirurgen akkurate Echtzeitbilder auf dem Monitor liefere. Auf den Aufnahmen treten die Krebszellen in leuchtendem Grün hervor. Diese Färbung beruht auf einem Fluoreszenzfarbstoff, der sich gezielt an Tumorzellen heftet.

Den neun an Eierstockkrebs erkrankten Patientinnen der bereits erwähnten Studie wurde der Farbstoff kurz vor der Operation in die Venen gespritzt. Auf dem Weg durch den Körper reicherte er sich in den Tumorzellen an. Während des Eingriffs wurden die Operationswunden mit speziellem Laserlicht bestrahlt. Drei Kameras über dem Operationstisch erfassten das mit bloßem Auge nicht erkennbare Fluoreszenzleuchten und ermöglichten so ein präzises Bild auf dem Monitor.

Auf diese Weise konnten die Operateure bei acht der neun Patientinnen kleine Mengen an Tumorzellen entfernen, die sie sonst womöglich nicht erkannt hätten. Doch bis sich das multispektrale Fluoreszenz-Kamera-System in der chirurgischen Praxis durchsetzt, werde es voraussichtlich noch drei bis vier Jahre dauern, schätzt Ntziachristos. Zurzeit bereitet er mit seinem Team die Zulassung durch die Gesundheitsbehörden vor.

Weitere Krebsarten im Visier

Parallel dazu wird bereits an spezifischen Farbstoffen für Brust- und Darmkrebs gearbeitet. Denn vom Prinzip her eignet sich die Methode ebenso für das Markieren anderer Tumorarten. Um das Verfahren in Zukunft auch in der Schlüssellochchirurgie nutzen zu können, denkt Ntziachristos schon darüber nach, die Fluoreszenzkamera mit flexiblen Endoskopen zu koppeln.


Fluoreszenzdiagnostik

Mit ihrer Hilfe lassen sich Tumore gut sichtbar darstellen. Dazu wird dem Patienten ein Fluoreszenzfarbstoff verabreicht, der sich gezielt im Tumor anreichert. Wird das entsprechende Areal dann mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt, leuchtet der Tumor farbig auf. Ein mit bloßem Auge kaum oder nicht erkennbarer Tumor hebt sich auf diese Weise deutlich vom Hintergrund ab.




Bildnachweis: W&B/Wolf Heider-Sawall

Dr. Luitgard Marschall, Apotheken Umschau; 26.04.2012
Bildnachweis: W&B/Wolf Heider-Sawall

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