angeborene oder erworbene Fehlformen des Fußes, die sich aus einer mehr oder weniger starken Abweichung von der normalen Fußachse ergeben. Viele Fußdeformitäten können in den ersten Lebensmonaten, wenn die Fußknochen noch weitgehend knorpelig sind, durch besondere Gipsverbände korrigiert werden. Später erfolgt die Wachstumskorrektur durch Schienen, Einlagen oder orthopädische Schuhe; evtl. sind auch operative Maßnahmen notwendig. Wichtig ist in den ersten Lebensjahren die Fußgymnastik, bei der die fußstabilisierende Muskulatur gestärkt wird. Die Einteilung der Fußdeformitäten erfolgt nach ihrem Erscheinungsbild.
Hackenfuß (Pes calcaneus): Der Fuß ist in Richtung Fußrücken abgeknickt, sodass die Ferse deutlich vorsteht und den tiefsten Punkt des Fußes bildet. Bei einer zusätzlich starken Wölbung des Fußgewölbes liegt ein Hackenhohlfuß vor. Der angeborene Hackenfuß beruht auf Veränderungen der Weichteile und korrigiert sich meist innerhalb weniger Wochen nach der Geburt von selbst. Dehnübungen wirken unterstützend; in ausgeprägten Fällen ist eine Gips- oder Schienenbehandlung nötig. Auch bei einer Zerreißung der Achillessehne oder Lähmungen kann sich ein Hackenfuß bilden.
Hohlfuß (Pes cavus): Das Fußlängsgewölbe ist stark verstärkt (Gegenteil des Plattfußes), häufig sind auch die Zehen deformiert. Die Betroffenen klagen über Schmerzen durch die Überlastung des Vorfußes. Die Behandlung besteht zunächst in einer orthopädietechnischen Versorgung, bei Fortschreiten der Deformierung und in schweren Fällen in einer Operation.
Klumpfuß (Pes equinovarus adductus et excavatus): Der Fuß ist im oberen Sprunggelenk in Steckstellung fixiert und knickt im unteren Sprunggelenk nach innen. Der Vorfuß ist sichelförmig nach innen verdreht, und das Fußgewölbe ist sehr tief. Der angeborene Klumpfuß ist erblich und kommt bei Jungen doppelt so häufig vor wie bei Mädchen. Unmittelbar nach der Geburt wird für 8–12 Wochen ein formender Gipsverband angelegt. Im 4.–6. Lebensmonat muss die Fehlstellung des Fußes operativ korrigiert werden. Danach erfolgt eine langwierige Behandlung mit Lagerungsschienen und begleitender Krankengymnastik. Durch diese Maßnahmen gelingt es oft, eine optisch und funktionell annähernd normale Fußform herzustellen.
Knickfuß (Pes valgus): Der Fuß ist nach außen gedreht und das Fußgelenk nach innen geknickt (Valgusstellung). In schweren Fällen senkt sich auch das Fußlängsgewölbe (Knick-Senkfuß). Der Knickfuß entsteht bei einem unzureichenden Halteapparat des Fußes (schwache Bänder und Muskeln) oder durch Nervenschädigungen. Die Belastung beim Gehen und Stehen führt zu einer Fehlstellung, die durch Übergewicht begünstigt wird. Der kindliche Knickfuß bildet sich häufig im Jugendalter wieder zurück. Beim Erwachsenen können Einlagen und festes Schuhwerk mit Fersenkeil die Ferse aufrichten. Selten ist eine Operation nötig.
Plattfuß (Pes planus): Beim Plattfuß fehlen das innere und äußere Fußlängsgewölbe, der Fuß liegt flach auf. Der angeborene Plattfuß ist selten und beruht wahrscheinlich auf einer erblichen Fehlbildung. Er tritt meist nur einseitig auf und ist häufig mit anderen Fehlbildungen verbunden. Der erworbene Plattfuß entsteht durch eine zu schwache Muskulatur und durch eine Bindegewebsschwäche, wie sie z. B. während der Pubertät oder der Schwangerschaft auftritt. Zuerst entsteht ein Knickfuß, der Fuß sinkt innen ein (Senkfuß) und gleichzeitig weichen die Mittelfußknochen auseinander (Spreizfuß). Zusammen ergeben diese Veränderungen das Vollbild eines Plattfußes. Fördernd wirken Übergewicht und ständiges Stehen, aber auch knochenerweichende Krankheiten (z. B. Rachitis) und Verletzungen (z. B. Bänderriss, Fußwurzelbrüche). Der Plattfuß wird bei Beschwerden mit Fußgymnastik und Einlagen behandelt; operative Maßnahmen sind selten nötig.
Sichelfuß (Pes adductus): Mittelfuß und Zehen sind sichelförmig verbogen, sodass sich die Fußspitze einwärts dreht und der große Zeh abspreizt. In schweren Fällen steht der Fuß in Bajonettstellung. Der Sichelfuß ist meist erblich bedingt, kann aber auch bei Säuglingen, die viel auf dem Bauch liegen, auftreten. Die Redression (Korrektur) erfolgt mit Krankengymnastik und evtl. einem Redressionsgips.
Spitzfuß (Pes equinus, Pferdefuß): Beim Spitzfuß steht die Ferse hoch und kann den Boden nicht berühren. Der angeborene Spitzfuß kann in Verbindung mit anderen Fehlbildungen entstehen (z. B. veränderte Unterschenkelknochen, Kniegelenksverrenkung) oder durch eine Zwangshaltung im Mutterleib. Für den erworbenen Spitzfuß sind vielfältige Ursachen möglich: Störungen des Nervensystems (z. B. Kinderlähmung, spastische Lähmungen), geschrumpfte Gelenkkapseln, verkürzte Wadenmuskeln oder Sehnen, Knochenverletzungen oder ausgedehnte Narben. Lange Bettlägerigkeit ohne Abstützen des Fußes oder ständiges Tragen hoher Absätze löst entsprechende Gelenkversteifungen aus. Der Betroffene läuft bei einem kontrakten Spitzfuß auf den Zehenspitzen, bei schlaffen Lähmungen (Hängefuß) wird das Knie stark angehoben, um ein Schleifen des Fußes zu verhindern (Steppergang). Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Fehlstellung. Zur Korrektur kann eine vorsichtige Dehnung der Weichteile per Hand, Gipsverband oder Schiene erfolgen. Ein Hängefuß wird mit einer Peroneusschiene versorgt (Orthese). Zu den operativen Maßnahmen gehören das Einspritzen von Botulinumtoxin an den Knochen, die Achillessehnenverlängerung oder bei starken Knochenveränderungen die Osteotomie.
Spreizfuß (Pes transversoplanus): Der Vorfuß ist verbreitert und das Quergewölbe abgesenkt. Dadurch weichen die Mittelfußknochen auseinander, und meist entstehen auch Zehenverformungen (Krallen- und Hammerzehen, Hallux valgus). Der Spreizfuß ist die häufigste erworbene Fußdeformität und wird durch eine Schwäche der Muskeln und Bänder, Übergewicht und unzweckmäßiges Schuhwerk (zu enge Schuhe, hohe Absätze) begünstigt. Unter der Sohlenhaut bilden sich meist derbe Schwielen, und im Bereich der Mittelfußknochenköpfchen treten Schmerzen auf. Zur Vorbeugung sollten ausreichend breite Schuhe mit flachen Absätzen getragen werden. Die Entlastung des Mittelfußknochenköpfchens ist durch Spreizfußeinlagen zu erreichen, allerdings ist wegen der oft starken Schmerzen häufig eine operative Korrektur notwendig.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 21.05.2012
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