Chlamydien: Unerkannte Gefahr

Infektionen mit Chlamydien verursachen meist keine Symptome, gehören aber zu den Hauptursachen von Unfruchtbarkeit – vor allem bei Frauen. Wie die Krankheit behandelt wird

von Simone Herzner, 24.09.2015

Chlamydien-Test: Krankenkassen bezahlen ihn bis zum Alter von 25 Jahren

Banana Stock/RYF

Infektionen mit der Bakterienart Chlamydia trachomatis gehören weltweit zu den häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten. Das Robert Koch-Institut in Berlin schätzt, dass jährlich rund zehntausend Frauen neu erkranken. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es nicht, da die Infektion bei uns mehrheitlich nicht meldepflichtig ist.

Die (un)heimliche Krankheit

Da Chlamydien oft keine spürbaren Krankheitszeichen hervorrufen, sind viele Männer und Frauen Überträger, ohne es zu wissen: Bei 70 bis 80 Prozent der infizierten Frauen und etwa der Hälfte aller betroffenen Männer treten keine Symptome auf. Allerdings kann die Infektion, besonders bei der Frau, im schlimmsten Fall zur Unfruchtbarkeit führen.


Laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sind in Deutschland wohl Tausende Frauen aufgrund einer Chlamydien-Infektion unfruchtbar. Die DGGG und sieben weitere Fachverbände fordern deshalb flächendeckende Tests für Mädchen und junge Frauen bis 34 Jahren.

Derzeit zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Frauen den Test bis zum 25. Lebensjahr einmal jährlich. Weil viele Patientinnen nicht über die Krankheit Bescheid wissen, werde der Test zu selten nachgefragt, bemängelt die DGGG.


Dr. med. Christine Klapp ist Oberärztin an der Klinik für Geburtsmedizin der Charité Berlin und im Vorstand der ÄGGF e.V.

Klapp/Privat

Früh erkannt ist die Infektion meist gut therapierbar

Die gute Nachricht: Nicht bei jeder Frau führt der Keim zur Unfruchtbarkeit, oftmals wird das Immunsystem mit dem Erreger ohne Langzeitschäden fertig, bestätigt DGGG-Mitglied Dr. Christine Klapp, die auch im Vorstand der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF) e. V. ist.

Gute Nachricht Nummer zwei: Mit einem Test beim Frauenarzt lässt sich die Infektion feststellen. Wird der Erreger früh genug erkannt, kann ein Antibiotikum helfen. Die Infektion heilt dann normalerweise folgenlos aus, wenn bis zu diesem Zeitpunkt noch keine bleibenden Schäden entstanden sind.

Junge Mädchen sind besonders gefährdet: "Aus anatomischen Gründen haben sie ein deutlich erhöhtes Risiko, sich beim Geschlechtsverkehr anzustecken", sagt Ärztin Christine Klapp. Meist wird der Muttermund zuerst infiziert. Bei jungen Frauen setzen Chlamydien sich dort besonders leicht fest.

Das liegt daran, dass die Art der Schleimhaut, die bei jungen Frauen am äußeren Muttermund häufiger vorkommt, die Infektion begünstigt. Außerdem spielen die eher wechselnden Partnerschaften eine Rolle: Je mehr, desto höher das Infektionsrisiko. In einer Studie mit Berliner Mädchen war etwa jede zehnte Siebzehnjährige mit dem Keim infiziert, ohne es zu wissen.

Was nach der Ansteckung passieren kann

Frauen und Männer, die infiziert sind, leiden manchmal unter wässrig-eitrigem Ausfluss oder Brennen während des Wasserlassens. Entzündungen der Augen oder später der Gelenke sind weitere mögliche Folgen.

Wurde das Mädchen oder die Frau beim Sex infiziert, können die Bakterien sich zunächst in den Genitalschleimhäuten einnisten und zu einer Entzündung des Gebärmutterhalses, manchmal auch größerer Anteile der Gebärmutter, führen. Dann kann es zu vermehrtem Ausfluss sowie leichten Blutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen, außerdem zu Zwischenblutungen im Zyklus.

Wird das Immunsystem weiterhin nicht mit den Erregern fertig, können sie in die Eileiter aufsteigen, in Einzelfällen sogar bis in den Bauchraum. "Eine unbehandelte Chlamydieninfektion kann bei Frauen eine schwerwiegende Eileiterentzündung verursachen", so Klapp. Diese geht meistens mit Fieber und starken Schmerzen im Unterleib einher.

Verläuft die Entzündung chronisch, können die Eileiter so stark vernarben und verkleben, dass sie irgendwann nicht mehr durchlässig sind. Unfruchtbarkeit oder ein hohes Risiko für Eileiter- und Bauchhöhlen-Schwangerschaften sind die Folgen. Beim Mann können Harnröhre, Prostata und Nebenhoden infiziert werden und sich entzünden. In seltenen Fällen werden auch betroffene Männer unfruchtbar.

Durch rechtzeitige Diagnose und Behandlung lassen sich diese Komplikationen vermeiden.

Chlamydien-Test: Früherkennung auf Zeit

Einen Chlamydien-Test können Frauen bei jeder Frauenärztin / jedem Frauenarzt vornehmen lassen. Im Labor wird der Urin auf Partikel des Bakterienerbgutes untersucht. Ist der Test positiv, weist dies auf eine frische Infektion hin. "Noch sicherer als ein Urintest ist die Untersuchung des Zell-Abstriches aus dem Gebärmutterhals", sagt Klapp.

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bisher nur einmal jährlich die Kosten des Screenings als Urintest für Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr.

Wer also andere Untersuchungsverfahren wünscht, älter oder ein Mann ist – wie Frauen können auch Männer Träger unentdeckter Infektionen sein – , sollte sich vorher genau nach den Kosten erkundigen. Die muss er / sie wahrscheinlich selbst begleichen. Man sollte vorab mit dem Arzt darüber sprechen. Denn als Selbstzahlerleistung fallen die Preise recht unterschiedlich aus.

Zwar gibt es im Handel auch Selbsttests. Doch in puncto Zuverlässigkeit sind sie den Testverfahren beim Arzt unterlegen. Sollte der Selbsttest aber ein positives Ergebnis anzeigen, gilt: unbedingt zur Kontrolle zum Arzt gehen.

Wichtig zu wissen: Wenn der Arzt bei Patienten eine Infektion mit Chlamydien vermutet, wird ein im Rahmen der normalen ärztlichen Diagnostik veranlasster Test von den Krankenkassen bezahlt.

"Auch wir Ärztinnen der ÄGGF empfehlen allen Frauen im gebärfähigen Alter dringend, einmal im Jahr einen Test durchführen zu lassen", sagt Klapp. Insbesondere bei einem Partnerwechsel sei dies wichtig. Mindestens bis zum hoffentlich guten, also negativen, Ergebnis sollte man beim Sex zusätzlich Kondome verwenden, so die Expertin.

Frauen sollten bei einem positivem Testergebnis ihren Partner nicht automatisch der Untreue verdächtigen. Viele Betroffene merken nichts von ihrer Infektion und können sich schon Jahre zuvor bei einem anderen Partner angesteckt haben.

Übrigens: Vorbildlich in Sachen Chlamydien-Früherkennung bei Männern sind die Niederlande und Großbritannien. Dort wird auch für Männer bis 25 Jahren ein jährliches Screening angeboten.

Behandlung und geschützter Sex

Gegen Chlamydien wirken verschiedene Antibiotika. Je nach Medikament dauert die Therapie unterschiedlich lange. Bei einer mehrtägigen Behandlung sollte man an den entsprechenden Tagen keinen Sex haben. Bei der Einmaltherapie gilt das bis zu sieben Tage danach.

Selbstverständlich sollte sich bei einer Infektion auch der Partner einer Untersuchung unterziehen – oder einfach mitbehandeln lassen. Denn in mindestens der Hälfte der Fälle ist auch er betroffen. Nur wenn er ebenfalls behandelt wird, lässt sich eine erneute Ansteckung verhindern – solange die Partnerschaft stabil aufeinander ausgerichtet ist. Im Falle einer Infektion sollten idealerweise auch alle Partner der zurückliegenden 60 Tage behandelt werden.

Im Allgemeinen schützen Kondome, wenn sie korrekt angewendet werden, mit recht guter Sicherheit vor einer erneuten Ansteckung. Solange die Partner nicht wissen, ob sie beide gesund sind, sollten sie also immer ein Kondom als Schutz anwenden – auch zusätzlich zu einer gewohnten Verhütungsmaßnahme wie etwa der Pille.

Chlamydien-Test auch für Schwangere

Infizierte, aber fruchtbare Frauen können den Erreger bei der Geburt auf ihr neugeborenes Kind übertragen. Auch erhöht die Infektion das Risiko einer Frühgeburt. Deshalb gehört der ärztliche Test auf Chlamydien schon seit Jahren zur Mutterschaftsvorsorge. Am besten ist es natürlich, wenn die Infektion bereits vor der Schwangerschaft festgestellt und behandelt wird.



Bildnachweis: Klapp/Privat, Banana Stock/RYF

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