Sind Kaffeemaschinen Keimschleudern?

In Kaffeemaschinen mit Kapselsystemen oder Kaffeeautomaten tummeln sich viele verschiedene Bakterien. Ist das nur ekelig oder auch gefährlich?

von Gerlinde Gukelberger-Felix, 14.02.2016

Kaffee auf Knopfdruck: Auf Kaffeemaschinen können Bakterien wachsen

iStock/andresr

Bakterien sind überall. Unter anderem teilen wir unsere automatisierten Kaffeekocher mit ihnen, wie spanische Wissenschaftler kürzlich herausfanden. Die Bakterien ernähren sich von den Inhaltsstoffen der Kaffeepulverreste und manche sogar vom Koffein. Sie gedeihen bestens, obgleich Koffein antibakterielle Wirkung hat. Vielen Kaffeetrinkern vergeht bei solchen Nachrichten der Appetit, oder sie sorgen sich um ihre Gesundheit. Wie schlimm ist der Keimbefall wirklich?

Zum Hintergrund: Lebensmittelmikrobiologen der spanischen Universität Valencia untersuchten mehrere verschiedene Kaffeemaschinen mit einem Kapselsystem. Diese standen für mindestens ein Jahr in Privathaushalten oder Büros und brühten zwischen drei und 20 Kaffees täglich.

Bakteriengewimmel im Kaffeesatz

Die Forscher stellten fest, dass es im Kaffeesatz und im Abtropfwasser der verbrauchten Kapseln nur so von Bakterien wimmelte. Die Keime lieben das feuchte Milieu, das wegen des Tropfwassers im Auffangbehälter herrscht: Die Kapselbehälter enthielten zwischen 35 und 67 verschiedene Bakteriengattungen. Besonders stark vertreten waren Pseudomonas und Enterococcus. Die Studie zeigte, dass der Kapselbehälter bereits kurz nach dem Ausspülen erneut von Bakterien aus der Umgebung besiedelt war.


Kalkbeläge machen Probleme 

"Wer also die Bakterienbelastung möglichst klein halten möchte, muss den Kapselbehälter mindestens täglich reinigen", rät der Mediziner Colin MacKenzie, Professor für Medizinische Mikrobiologie von der Universität und Universitätsklinik Düsseldorf. Einen weiteren Hygienetipp für den Kaffeeautomaten oder die Kapselmaschine hat der Lebensmittelmikrobiologe Professor Fritz Titgemeyer, Leiter des Labors für Lebensmittelsicherheit an der Fachhochschule Münster: Er rät, den Wassertank genau zu inspizieren. "Manche Menschen lassen das Wasser lange stehen oder gießen nur Wasser nach." Dann kann sich ein bakterieller Biofilm bilden, der anfangs mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Von dort fließt das bakterienbelastete Wasser über einen Schlauch in die sogenannte Brühgruppe.

"In vier von fünf Geräten gibt es in den Schläuchen Biofilme", sagt Titgemeyer. Er beruhigt aber: "Es besteht kein Gesundheitsrisiko." Der Grund: Die Brühgruppe erwärmt das Wasser für etwa drei Sekunden auf 80° Celsius, das tötet die Bakterien ab. Erst dann wird es durch die Kapsel gepresst. Allerdings können Kalkbeläge die Brühtemperatur verringern. Dann könnten Bakterien das Brühen überleben und in der Kaffeetasse landen. Deshalb die Maschine möglichst einmal pro Monat entkalken, aber zumindest alle drei Monate. Das ist wichtig, um die Brühtemperatur hoch zu halten.


Abschätzung des Gesundheitsrisikos

Für gesunde, immunstarke Menschen resümiert MacKenzie: "Unterm Strich kann man bei größeren Bakterien(misch)besiedelungen Entwarnung geben. Es besteht kein Gesundheitsrisiko. Etwaige Biofilme sind einfach nur ekelig." Auch Titgemeyer sieht das so.

Die besonders häufig in den Kaffeemaschinen gefundenen Enterokokken etwa gehören zur menschlichen Darmflora und machen im Darmtrakt selbst keine spezifische Erkrankung. Nur wenn sie beispielsweise bei einer Krankenhausinfektion in der Blutbahn landen, könnten sie krank machen.

Die ebenfalls oft gefundenen Bakterien der Gattung Pseudomonas können unter anderem Lungenentzündungen hervorrufen. Gefährdet sind allerdings vor allem immunschwache Menschen, die darum grundsätzlich besonders stark auf Hygiene achten sollten. Insgesamt ist es unwahrscheinlich, dass bei guter Sauberkeit überhaupt Pseudomonasansammlungen zustande kommen, die bedenklich sind.

Ungesund ist also lediglich eine ausgeprägte Nachlässigkeit: Bleibt ein Kaffeeautomat über Monate hinweg ungepflegt, kann niemand mehr ausschließen, dass selbst ein sehr gesunder Mensch sich dort eventuell ansteckt.

Schimmelpilze auf dem Kaffeesatz

Doch wie steht es mit Schimmelpilzen? Wer seinen Kaffeesatz nicht jeden oder zumindest jeden dritten Tag leert, muss damit rechnen, dass dort Schimmel wächst. Er setzt Sporen frei, die auch an andere Stellen im Kaffeeautomaten gelangen können. Auch hierfür sehen die beiden Experten kein unmittelbares Problem. "Gesundheitsgefährdend sind nur die von den Schimmelpilzen produzierten Gifte, und es ist unwahrscheinlich, dass sie in den Kaffeebecher gelangen. Das wäre der Fall, wenn die Kaffeebohnen selbst verpilzt wären", sagt Titgemeyer.


So wird Ihr Kaffeautomat hygienisch einwandfrei

Es gibt keine Studien über die optimale Methode, seine Kaffeemaschine hygienisch sauber zu halten. Doch mit dem folgenden, auch von den Experten empfohlenen Vorgehen, sollte die Bakterienbelastung ihres Kaffeeautomaten im grünen Bereich bleiben:

  • Den Wischlappen, mit dem Sie die Kaffeemaschine abputzen, täglich wechseln und bei 60° Celsius in der Waschmaschine waschen. Denn bereits ab dem zweiten Nutzungstag befinden sich viele krankmachende Keime wie Salmonellen, Campylobacter und Listerien darauf, die beim Putzen auch auf den Kaffeeautomaten gelangen.
  • Den Milchaufschäumer möglichst täglich reinigen. Die Schläuche mit heißem Wasser spülen und regelmäßig ersetzen.
  • Den Wassertank jeden Abend leeren, mit  Bürste und Spülmittel die Innenwände reinigen und mit einem Tuch abtrocknen.
  • Die Tropfschale unterm Kaffeeauslauf jeden zweiten Tag mit Spülmittel und Bürste reinigen, denn auch hier sammeln sich Bakterien an. Wenn möglich, auch regelmäßig in der Spülmaschine reinigen.
  • Den Kaffeesatzbehälter jeden Abend leeren.
  • Auch bei hartnäckigen Biofilmen kein Desinfektionsmittel verwenden, sie können gegen bakterielle Biofilme nicht viel ausrichten.


Bildnachweis: iStock/andresr

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