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Woher kommen die Frühlingsgefühle?

Endlich Frühling! Und schon sind diese Glücksgefühle wieder da, verliebte Paare überall. Warum das Frühjahr so besonders für uns ist


Endlich wieder längere Tage: Da schlagen viele Herzen höher

"Gestatten, Frühling ist mein Name. Darf ich vorstellen – meine Vorzüge: Sonne, Wärme, Tulpen und Narzissen. Und nicht zu vergessen, eine Menge küssender Pärchen." Ist da wirklich etwas dran am Lenz und den Liebenden? Woher kommen die Frühlingsgefühle?

Sie werden durch eine Vielzahl von Faktoren hervorgerufen, erklärt Professor Helmut Schatz, Endokrinologe – also Hormonspezialist – und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Unter anderem spielen unsere Hormone eine Rolle. Aber es handelt sich nicht um ein "wildes Chaos der Sexualhormone", wie so oft behauptet wird. Die weiblichen Hormone stehen bei vielen Frauen sowieso unter der Kontrolle der Pille, und auch Testosteron spielt bei unserem Thema keine übergeordnete Rolle, erklärt unser Experte.


Das Schlafhormon Melatonin sinkt im Frühling

Wohl aber gibt es einen Einfluss des sogenannten Schlafhormons: Melatonin. Während des dunklen Winters produziert die Zirbeldrüse diesen Stoff vermehrt. Studien haben gezeigt, dass sich erhöhte Melatonin-Konzentrationen negativ auf das Wohlbefinden auswirken und sogar Depressionen begünstigen können. Wenn es wieder heller wird, schraubt der Körper die Produktion herab. "Das macht uns munter", so Schatz.

Gleichzeitig steigert das helle Licht der neuen Jahreszeit die Synthese des Glückshormons Serotonin. Das stimmt uns euphorisch und fröhlich. Einen weiteren, jedoch nicht ganz gesicherten Effekt haben laut Schatz die Hormone der Schilddrüse. Während des Winters ist die Produktion dieses Organs herabgesetzt. Im Frühjahr steigt sie dann wieder an. "Auch das kann sich positiv auf unser Empfinden auswirken."

Das Glückshormon Serotonin steigt

Die größte Rolle spielen allerdings psychische und Umwelt-Einflüsse. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", zitiert der Hormonexperte den Dichter Hermann Hesse. Sobald der Schnee schmilzt, beginnt der Boden zu duften. Zwar blüht fast noch keine Blume, aber es riecht nach Laub, Gras und Moos. "Das sind zwar keine Duftnoten, aus denen man ein Parfüm mischen würde. Aber die im Gehirn abgespeicherten Erinnerungen aus früheren Jahren wecken die Vorfreude auf baldige Blütenpracht und damit auch unsere Lebensgeister", so der Experte.

Umwelt- und optische Reize wecken die Lebensgeister

Auch optische Reize sorgen für Frühlingsgefühle. Die Menschen legen die dicken Wintermäntel ab, Gesichter werden von Kapuzen befreit, hier und dort blitzt ein Frauenbein. "Solch erfreulichen Anblicke locken das andere Geschlecht an", weiß Schatz. Alles in allem ist es also ein bunter Mix aus Hormonen, Düften und Bildern, der die Herzen höher schlagen lässt.

Erstaunlich: Obwohl das Frühjahr die "Balzzeit" der Spezies Mensch zu sein scheint, werden laut Schatz die meisten Kinder im September und während der Weihnachtstage gezeugt.

Unser Experte:


Hormonspezialist Professor Helmut Schatz ist Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 24.03.2010, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Thinkstock/Stockbyte

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