Herz:
Mit kleinen Schnitten zur neuen Herzklappe

In München ersetzen Ärzte Herzklappen je nach Bedarf offen oder mit dem Katheter – im selben OP-Saal!

Ruhe und Konzentration: Die Herzspezialisten bei der Arbeit im Hybrid-Operationssaal
Vom „Schlüsselloch-Eingriff” haben viele schon mal gehört. Bei einer Knieverletzung zum Beispiel ist die Methode fast schon Alltag. Der Arzt sieht bei der sogenannten Kniespiegelung über eine Minikamera in das Gelenk. Auch bei Blinddarm- und Gallenblasen-Entfernung wenden Chirurgen immer öfter minimal-invasive Verfahren an.

 

Statt große Hautschnitte zu setzen, operieren sie nur mit kleinen Schnitten. Durch diese führen sie eine kleine Kamera, eine Lichtquelle und das Operationsgerät in den Bauch ein. Sein Tun kontrolliert der Operateur anhand der Bilder, die die Kamera auf einen Monitor liefert.

 

Im Video-Interview spricht Professor Rüdiger Lange über Nutzen und Kosten eines Hybrid-Operationssaals. Zum Starten des Videos klicken Sie auf das "Play"-Symbol im Fenster.

 

In der Herz-Medizin sind Eingriffe durch kleine Schnitte sogar Alltag. So kann der Arzt nach einem Infarkt die Blutgefäße, die das Herz versorgen, beurteilen und therapieren - ohne dass er den Brustkorb eröffnen muss. Möglich macht das der sogenannte Herzkatheter: Über einen kleinen Hautschnitt, zum Beispiel am Oberschenkel, schiebt der Mediziner eine Sonde in die großen Arterien bis in die feinen Herzkranzarterien vor. So kann er Engstellen der Gefäße sehen, sie aufdehnen oder durch einen „Stent“, ein kleines Metallgerüst, offen halten. 

 

Doch mittlerweile wagen  sich Mediziner auch an den Ersatz von defekten Herzklappen per Katheter. Herzklappen sind wichtig für den Blutkreislauf, da sie wie Ventile den Blutstrom in die richtige Richtung lenken. Der Eingriff durch den Katheter hat einen großen Vorteil. Im Gegensatz zur offenen Operation müssen Ärzte das Herz nicht stilllegen. Das ist für die Patienten schonender.

Kann beides: Der Hybrid-Operationssaal ist sowohl für einen schonenden Kathetereingriff als auch für offene Operation ausgelegt

“Da weniger Gewebe geschädigt wird, heilen die kleinen Wunden schneller, der Patient ist wieder früher fit”, erklärt Professor Rüdiger Lange, Direktor der Herzchirurgie am Deutschen Herzzentrum München. Hier kennt man sich mit der Methode aus: In den letzten eineinhalb Jahren hat Langes Team damit etwa 200 Patienten Klappen ersetzt, vorwiegend Aortenklappen. Aber auch andere Klappen können mit den neuen Verfahren ausgetauscht werden.

 
Extra für die neue Art des Klappenersatzes haben die Münchner einen speziellen Operationssaal eingerichtet, den sogenannten Hybrid-OP. In diesem etwa 1,5 Millionen Euro teuren Raum können die Ärzte sowohl über den Katheter als auch offen behandeln. Diese beiden Möglichkeiten zu haben, ist bei solchen Eingriffen wichtig, falls es während einer Katheter-Intervention zu Komplikationen kommt. Dann können die Herzchirurgen blitzschnell zur offenen Operation übergehen. Die Zeitersparnis entscheidet in manchen Fällen über Leben und Tod.