Wie Wunden am besten heilen

Jeder von uns hat sich schon einmal in den Finger geschnitten oder das Knie aufgeschürft. Lesen Sie hier, was bei einer Verletzung im Körper passiert
von Katharina Bauer, aktualisiert am 30.08.2016

Aufgeschlagenes Knie: Auch kleine Wunden sollte man möglichst desinfizieren

W&B/Bernhard Huber

Wunde ist nicht gleich Wunde. Mediziner unterscheiden bei den Heilungsprozessen. "Beträgt die Strecke zwischen den Wundrändern weniger als 1 Millimeter, muss sich der Körper nicht viel Mühe geben, um den Schaden zu reparieren", erklärt Professor Hisham Fansa, Senator der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW). In diesem Fall sprechen Experten von primärer Wundheilung. Sie tritt hauptsächlich bei chirurgischen Schnitten auf.

Wo der Körper zur Heilung viel Narbengewebe nachbilden muss, weil die Ränder der Wunde nicht nah beieinander liegen, kommt es zur sogenannten sekundären Wundheilung.


Die Phasen einer gelungenen Wundheilung

An der verletzten Stelle verkleben sofort Thrombozyten (Blutplättchen). Das beschädigte Gefäß verengt sich. Die Gerinnungskaskade kommt in Gang. Außerdem setzen die Zellen eine Menge von Botenstoffen frei, die dann letztendlich die Wundheilungsprozesse starten. All dies passiert in der Ruhe- oder Latenzphase.

Nun folgt die Reinigungs- und Entzündungsphase. Beschädigte Gewebebestandteile werden von entsprechend spezialisierten Zellen abgeräumt. Ein Netz aus dem Gerinnungseiweiß Fibrin legt sich wie ein Kleber über die Verletzung. Gleichzeitig schwemmt das Wundsekret Keime und Fremdkörper aus der Wunde. Das Immunsystem arbeitet daran, eingedrungene Bakterien unschädlich zu machen.

Etwa um den dritten Tag nach der Verletzung herum beginnt die Granulationsphase. Die Wunde füllt sich mit neuem Gewebe. Es bilden sich neue, sehr feine Gefäße. Sie durchziehen das gekörnte Granulationsgewebe und versorgen es mit Blut.


Anschließend setzt die Reparative Phase ein. Es bilden sich Kollagenfasern. Die Wunde wird stabiler. Eine Narbe reift lange, bis zu einem Jahr. Am Anfang sind Narben gut durchblutet und rot. Die Blutgefäße werden allmählich abgebaut, die Narbe erscheint weniger rot und wird schließlich zu einem weißen Strich. Ganz verschwinden einmal bestehende Narben aber oft nicht. "Das liegt auch daran, dass nur die oberen Hautschichten regenerieren, aber die unterste Hautschicht, die Lederhaut, nicht", erklärt der Chirurg.


Am verletzten Blutgefäß verkleben Blutplättchen (links). Über diese legt sich später ein Fibrin-Netz (Mitte), das dann durch neues Gewebe ersetzt wird (rechts)

W&B/Martina Ibelherr

So versorgen Sie kleine Schnittverletzungen richtig

Wichtig: Je nach Wundart und -tiefe ist eine spezielle Wundversorgung nötig. Daher im Zweifel lieber den Arzt kontaktieren. Bei größeren oder stark blutenden Wunden, Biss-, Stich- und Platzwunden unbedingt grundsätzlich einen Arzt aufsuchen. Versorgen sie die Verletzung einer anderen Person, sollten Sie zu ihrem Eigenschutz Einmalhandschuhe verwenden. Und bitte nicht die Wunde berühren.

Bei kleinen, oberflächlichen Schnittwunden, die nicht schlimm bluten, sollten Sie die Wunde zum Beispiel zunächst von Schmutz befreien. Mittel zur Wundreinigung und -desinfektion erhalten Sie in der Apotheke. Lassen Sie sich hier zu einem geeigneten Präparat und seiner Anwendung beraten. Die Blutung hört üblicherweise innerhalb weniger Minuten auf und Sie können einen Wundverband anlegen, um die Wunde zu schützen.

Den Verband bringen Sie am besten so an, dass die Wundränder nah aneinander liegen. Je nach Wunde eignen sich dafür zum Beispiel normale Pflasterstreifen oder Klammerpflaster aus der Apotheke. Größere Wunden sollte ein Arzt sehen: Er kann beurteilen, ob es notwendig ist, die Wunde zu nähen, damit die Wundränder eng aneinander liegen und die Verletzung gut verheilt.


Professor Hisham Fansa, Senator der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung

DGfW

Schorf sollte man nicht wegkratzen. "Schorf und auch das damit verbundene Jucken sind Ausdruck des Heilungsprozesses", so Fansa. Zum Problem wird Schorf nur dann, wenn sich darunter eine Entzündung bildet. Haben Sie den Verdacht, dass dies der Fall sein könnte, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Vor allem bei großflächigeren Verletzungen wie Schürfwunden rät der Chirurg zu einer feuchten Wundbehandlung, beispielsweise mit Hydrokolloidpflastern aus der Apotheke.


Selbst kleine Wunden können Probleme bereiten

Offene Wunden können durch Bakterien oder andere Mikroorganismen verkeimen, so Experte Fansa. Schmutz in einer Wunde löst auch heute noch manchmal Infektionskrankheiten wie Wundstarrkrampf aus.

Die Heilung verzögert sich auch dann, wenn die Wunde an einer ungünstigen Stelle liegt und dadurch immer wieder aufplatzt, erklärt der Experte. Wird die Wunde mechanisch zu sehr beansprucht, heilt sie schlecht. Im schlimmsten Fall kann es zu chronischen Wunden kommen, zum Beispiel bei Diabetikern oder bei einer schlechten Durchblutung.

Für gesunde Menschen besteht bei kleineren Verletzungen in der Regel zwar kein Grund zur Sorge, so Hisham Fansa. Dennoch sollten auch Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn die klassischen Zeichen einer Entzündung oder Infektion auftreten, die Wunde also gerötet oder geschwollen ist und schmerzt.


Wie kann man Narben bei Schnitt- und Schürfwunden verringern?

"Der Heilungsverlauf ist zwar individuell verschieden, aber prinzipiell nicht groß beeinflussbar", sagt Fansa. Trotzdem sollten Sie eine mechanische Belastung der frischen Narbe vermeiden, ebenso wie direktes Sonnenlicht. Denn UV-Strahlen schaden dem frischen Narbengewebe, so der Experte.

Rauchen ist ein Risikofaktor für eine schlechtere Wundheilung. Durch den Nikotingenuss ist die Haut weniger elastisch und wird schlechter durchblutet, was wiederum einen negativen Effekt auf die Neubildung von Fasergewebe hat, so der Mediziner.

Rückfettende Cremes oder Narbengels aus der Apotheke können eventuell dabei helfen, die Narbe weicher und geschmeidiger zu halten. Wichtig: Sie müssen regelmäßig aufgetragen und einmassiert werden.



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